Suizid auf Raten

Meinungs- und Erfahrungsaustausch zum Thema Suizid; Berichte über gescheiterte Suizidversuche; suizidales Verhalten; Leben mit Suizidgedanken; Hilfestellungen

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Hurlinger
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Suizid auf Raten

Beitrag von Hurlinger »

Ich musste gerade wirklich in mich hinein grinsen, als ich las, dass in Australien Zigaretten so teuer gemacht werden sollen, dass sie schon fast unerschwinglich sind.
Wenn ich mir so mein Suchtverhalten anschaue, und ich weiß, dass es nicht mehr lange dauert, dass der Tabak mich umbringt, wird der Staat auch schon dafür sorgen, dass man sich nicht auf Raten umbringt.
Noch so ein heimliches Sterbehilfe-Verbot :)
Peterchen
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Re: Suizid auf Raten

Beitrag von Peterchen »

Vor vielen Jahren hatte ich eine Debatte mit einem Katholiken, der gegen Freitod und Sterbehilfe war, jedoch an anderer Stelle bekannte, Raucher zu sein und sich über die Ächtung seines Lasters empörte.

Den habe ich damals gefragt, warum er und seine Kirche den schnellen Suizid verurteilen, aber mit dem langsamen Suizid eines Rauchers keine Probleme haben. Obwohl Rauchen das Leben im Schnitt um fast zehn Jahre verkürzt, während es bei Sterbehilfe meist um wenige Wochen oder Monate geht.

Der Grund ist vermutlich, dass der Raucher zwar seinen Tod verschuldet, ihn jedoch nicht bewusst herbeiführt und auch keine Kontrolle darüber hat. Somit hat der Krebstod des Rauchers, der ja sehr qualvoll sein kann, immer noch etwas schicksalhaftes, verordnetes. Wer aber sein Leben mit Nembutal beendet, der hat bis zuletzt die Kontrolle und kann eine Agonie vollkommen vermeiden. Diese Art der Selbsterlösung empfinden viele religiöse Menschen als Provokation.

Daher ist es kein Widerpsruch, dass Zigaretten in Deutschland immer noch nicht nur verkauft, sondern auch öffentlich beworben werden dürfen. Ein Verbot von Außenwerbung wurde z.B. maßgeblich von Volker Kauder verhindert, der sich 2015 für das Verbot des assistierten Suizids eingesetzt hatte.
Lebensmüder
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Re: Suizid auf Raten

Beitrag von Lebensmüder »

Hurlinger hat geschrieben:und ich weiß, dass es nicht mehr lange dauert, dass der Tabak mich umbringt
Sei dir da nicht so sicher. Ich kenne genug Leute die weit über 80 sind und immer noch quarzen wie ein alter Diesel.
Einige haben halt das eine oder andere Körperteil verloren. Andere hängen am Sauerstoffschlauch oder laufen mit einem Beatmungsgerät durch die Gegend.
Erloesung
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Re: Suizid auf Raten

Beitrag von Erloesung »

Ich finde, das Problem ist: Es gibt nur Leben und Tod.

Natürlich gibt es auch sowas wie Wachkoma, und angeblich gibt es ja auch Menschen, die momentan eingefroren sind, um dann später weiterzuleben.

Aber das ist eben das Dilemma, dass es sozusagen nur "schwarz" und "weiss" gibt, also Leben und Tod. Und auch wenn man Ketten-Raucher ist, ist man ja am Leben. Ich versuche momentan, mich mit dem sogenannten Zen-Buddhismus zu beschäftigen. Aber trotzdem bleibt für mich das Leben mysteriös. Sehr komische Sache, das Leben, meiner Meinung nach.
Peterchen
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Re: Suizid auf Raten

Beitrag von Peterchen »

Erloesung hat geschrieben:Ich finde, das Problem ist: Es gibt nur Leben und Tod.
Was soll es denn sonst noch geben?

Natürlich gibt es auch sowas wie Wachkoma, und angeblich gibt es ja auch Menschen, die momentan eingefroren sind, um dann später weiterzuleben.
Die sind tot. Sie bilden sich nur ein, dass es irgendwann eine Technik geben, mit der sie auferstehen können. Aber da können sie lange warten.
Verloren
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Re: Suizid auf Raten

Beitrag von Verloren »

Also ich finde schon, dass es etwas zwischen Leben und Tod gibt. Nicht umsonst gibt es die Diskussionen, ab welchem Zeitpunkt jemand als tot angesehen wird. Das ist ja auch z.B. wichtig für die Organspende. Der Sterbeprozess führt vom Leben zum Tod. Ich bin der Meinung, dass Teile von einem durchaus schon lange vor dem eigentlich Tod sterben können. Die Körperzellen erneuern sich zwar ständig, trotzdem verfällt der Körper. Die Gehirnzellen erneuern sich nicht, die sterben nur langsam ab. Im Alter nimmt die Reaktionsfähigkeit ab und das Gedächtnis wird schlechter. IQ Tests werden so angepasst, dass ältere Personen weniger Punkte erreichen müssen, weil sie weniger leistungsfähig sind. Es geht in fast allen Bereichen abwärts im Alter. Besonders dramatisch bei schweren Unfällen und schlimmen Krankheiten. Wann verliert man sich selbst z.B., wenn man an Demenz leidet? Manche Neurowissenschaftler vertreten die These: "Ich bin mein Gehirn". Wenn das stimmt, stellt sich die Frage, wie lange diese Person eigentlich noch wirklich lebt. Für mich hat das schon etwas Zombiehaftes. Meine psychischen Erkrankungen haben mich erschüttert und ich habe das Gefühl, dass ich schon viele Teile von mir verloren habe. Keine Ahnung wer ich bin. (Sorry. Habe mal wieder sehr düstere Gedanken)

Aber zurück zum Ausgangsthema. Dass Zigaretten teurer werden finde ich gut. Ich glaube nämlich, dass es auch viele Raucher gibt, die sich nicht selbst umbringen wollen. Sie überblicken das Ganze vielleicht nicht richtig und sind dann später ganz erschrocken, wenn sie plötzlich Krebs bekommen. ( Trotz Warnhinweis "Rauchen kann tödlich sein"). Es gibt natürlich auch die anderen, die das Leben nicht so schätzen und sich deswegen riskant verhalten.
Lovecraft
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Re: Suizid auf Raten

Beitrag von Lovecraft »

Peterchen hat geschrieben:Die sind tot. Sie bilden sich nur ein, dass es irgendwann eine Technik geben, mit der sie auferstehen können. Aber da können sie lange warten.
...ich wäre lieber vorsichtig mit solchen Aussagen - denn - sehr oft haben sie sich im Nachhinein als falsch erwiesen...ich gebe dir insofern Recht, daß es mit den heutigen oder in naher Zukunft verfügbaren Mitteln unmöglich erscheint - aber, niemand von uns kann wissen was für eine Technologie in 100 Jahren existiert - geschweige denn in 1000...

...weißt du z.B., was zur Zeit der Französischen Revolution der Ankläger des berühmten Chemikers Antoine Lavoisier sagte, als sein Verteidiger ihm entgegenhielt, Lavoisier könne mit seinem beträchtlichen Wissen und seinem Erfindungsgeist noch viel Nützliches leisten: "Wir brauchen jetzt keine Gelehrten mehr, wir wissen jetzt alles!" :mrgreen: ...hört sich aus heutiger Sicht wie ein Witz an, war seinerzeit aber todernst gemeint...
...was selbigen Lavoisier jedoch nicht vor einer ähnlichen Dummheit bewahrte, als es um die Existenz von Meteoriten ging, die er mit den Worten:" Steine fallen nicht vom Himmel, weil es im Himmel keine Steine gibt" leugnete...heute weiß man, daß es im Sonnensystem Millionen oder Milliarden Asteroiden in allen denkbaren Größenordnungen gibt, vom winzigen Kieselstein bis zum etwa 1000 km. großen Ceres...auch glaubte man einst, unsere Milchstraße wäre die einzige im Universum...
...und selbst Max Planck erhielt von seinem Oberstufenlehrer noch den Rat, auf keinen Fall Physik zu studieren, mit der Begründung, daß "auf diesem Gebiet nichts Neues mehr zu erforschen sei"...

Diese Liste ließe sich beliebig fortsetzen, ähnliche Aussagen zeitgenössischer "Experten" findet man zu nahezu sämtlichen bahnbrechenden Neuentdeckungen der letzten 1000 Jahre: Ballone, Luftschiffe, Flugzeuge, Schiffe mit Metallrumpf ("Eisen kann doch nicht schwimmen!") U-Boote Raketen, Elektrizität, Radioaktivität, Kernspaltung - all das wurde von der "Fachwelt" zunächst belächelt oder gar als völliger Unsinn abgetan...

also...sollten wir mit solchen Aussagen besser vorsichtig sein - denn vielleicht schon in 100 Jahren könnten sie überholt sein - und uns als ebensolche Trottel dastehen lassen wie manche Geistesgrößen der Vergangenheit, die ähnlichlautende Prognosen zu künftigen Entwicklungen und Entdeckungen abgaben...

...aber zurück zu den Leichen aus dem Tiefkühlfach: eine andere Frage, die sich aufdrängt - und für mich die eigentlich entscheidende hierbei - lautet, ob es überhaupt sinnvoll oder ethisch vertretbar wäre, es zu tun, wenn es eines Tages doch eine Möglichkeit der Wiederbelebung gäbe...was würde ein Mensch tun, der 1000 Jahre nach seinem Tod in einer ihm nunmehr völlig fremd gewordenen Welt aufwacht - und nun in ihr leben müßte - könnte er sich den veränderten Gegebenheiten überhaupt anpassen...?
September
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Re: Suizid auf Raten

Beitrag von September »

Dass es eine Technologie geben könnte, die die abgestorbenen Neuronen wieder herstellt, würde ich jetzt auch nicht für ausgeschlossen halten. Die spannende Frage wäre nur, ob der Geist, der sich dann konstituieren würde, tatsächlich wieder dasselbe Bewusstsein hätte, wie das des Verstorbenen. Das stelle ich mir schon schwieriger vor. Aber da sind wir wohl ohnehin bei Fragen (also bei dem Übergang/Übersetzung vom materiellen Hirn zum Bewusstsein), die auch die heutige Wissenschaft noch nicht wirklich geklärt hat.
Starless Aeon
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Re: Suizid auf Raten

Beitrag von Starless Aeon »

Lovecraft hat geschrieben: ...weißt du z.B., was zur Zeit der Französischen Revolution der Ankläger des berühmten Chemikers Antoine Lavoisier sagte, als sein Verteidiger ihm entgegenhielt, Lavoisier könne mit seinem beträchtlichen Wissen und seinem Erfindungsgeist noch viel Nützliches leisten: "Wir brauchen jetzt keine Gelehrten mehr, wir wissen jetzt alles!" :mrgreen: ...hört sich aus heutiger Sicht wie ein Witz an, war seinerzeit aber todernst gemeint...
Genau so selbstsicher sind sich aber auch die heutigen Wissenschaften. Sie sagen nicht mehr "Wir brauchen jetzt keine Gelehrten mehr, wir wissen jetzt alles!" weil ihnen das doch zu offensichtlich überheblich wäre. Aber sie sagen stattdessen etwas im Sinne von: Die Wissenschaft versteht die Welt heutzutage so gut wie noch nie. Es mag noch einige Lücken geben, aber das Grosse Ganze ist verstanden.

Auch das ist ziemlich sicher ein kolossaler Irrtum, über den man in ein paar Hundert Jahren genau so lachen wird wie wir jetzt über diesen Ankläger von damals lachen.
Lovecraft
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Re: Suizid auf Raten

Beitrag von Lovecraft »

Starless Aeon hat geschrieben:
Lovecraft hat geschrieben: ...weißt du z.B., was zur Zeit der Französischen Revolution der Ankläger des berühmten Chemikers Antoine Lavoisier sagte, als sein Verteidiger ihm entgegenhielt, Lavoisier könne mit seinem beträchtlichen Wissen und seinem Erfindungsgeist noch viel Nützliches leisten: "Wir brauchen jetzt keine Gelehrten mehr, wir wissen jetzt alles!" :mrgreen: ...hört sich aus heutiger Sicht wie ein Witz an, war seinerzeit aber todernst gemeint...
Genau so selbstsicher sind sich aber auch die heutigen Wissenschaften. Sie sagen nicht mehr "Wir brauchen jetzt keine Gelehrten mehr, wir wissen jetzt alles!" weil ihnen das doch zu offensichtlich überheblich wäre. Aber sie sagen stattdessen etwas im Sinne von: Die Wissenschaft versteht die Welt heutzutage so gut wie noch nie. Es mag noch einige Lücken geben, aber das Grosse Ganze ist verstanden.

Auch das ist ziemlich sicher ein kolossaler Irrtum, über den man in ein paar Hundert Jahren genau so lachen wird wie wir jetzt über diesen Ankläger von damals lachen.
...mit großer Wahrscheinlichkeit ist es einer - denn auch die modernen Wissenschaftler legen diesbezüglich eine ziemliche
Selbstsicherheit - um nicht zu sagen Überheblichkeit - an den Tag...diese "wir wissen jetzt alles"- Haltung gibt es bei ihnen nach wie vor - sie wird jetzt nur nicht mehr so großkotzig hinausposaunt, sondern mehr "durch die Blume" formuliert...gemeint ist aber so ziemlich dasselbe...ich erinnere mich in dieser Hinsicht noch gut an den dieses Jahr verstorbenen Stephen Hawking...so sehr ich ihn ansonsten auch für seine z.T. recht unorthodoxen Theorien geschätzt habe - so glaubte auch er, wie der berühmte Dr. Faust bei Goethe, genau zu wissen, "was die Welt im Innersten zusammenhält"...was ich für einen schweren Fehler halte...
Starless Aeon
Beiträge: 48
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Re: Suizid auf Raten

Beitrag von Starless Aeon »

Lovecraft hat geschrieben:
Starless Aeon hat geschrieben:
Lovecraft hat geschrieben: ...weißt du z.B., was zur Zeit der Französischen Revolution der Ankläger des berühmten Chemikers Antoine Lavoisier sagte, als sein Verteidiger ihm entgegenhielt, Lavoisier könne mit seinem beträchtlichen Wissen und seinem Erfindungsgeist noch viel Nützliches leisten: "Wir brauchen jetzt keine Gelehrten mehr, wir wissen jetzt alles!" :mrgreen: ...hört sich aus heutiger Sicht wie ein Witz an, war seinerzeit aber todernst gemeint...
Genau so selbstsicher sind sich aber auch die heutigen Wissenschaften. Sie sagen nicht mehr "Wir brauchen jetzt keine Gelehrten mehr, wir wissen jetzt alles!" weil ihnen das doch zu offensichtlich überheblich wäre. Aber sie sagen stattdessen etwas im Sinne von: Die Wissenschaft versteht die Welt heutzutage so gut wie noch nie. Es mag noch einige Lücken geben, aber das Grosse Ganze ist verstanden.

Auch das ist ziemlich sicher ein kolossaler Irrtum, über den man in ein paar Hundert Jahren genau so lachen wird wie wir jetzt über diesen Ankläger von damals lachen.
...mit großer Wahrscheinlichkeit ist es einer - denn auch die modernen Wissenschaftler legen diesbezüglich eine ziemliche
Selbstsicherheit - um nicht zu sagen Überheblichkeit - an den Tag...diese "wir wissen jetzt alles"- Haltung gibt es bei ihnen nach wie vor - sie wird jetzt nur nicht mehr so großkotzig hinausposaunt, sondern mehr "durch die Blume" formuliert...gemeint ist aber so ziemlich dasselbe...ich erinnere mich in dieser Hinsicht noch gut an den dieses Jahr verstorbenen Stephen Hawking...so sehr ich ihn ansonsten auch für seine z.T. recht unorthodoxen Theorien geschätzt habe - so glaubte auch er, wie der berühmte Dr. Faust bei Goethe, genau zu wissen, "was die Welt im Innersten zusammenhält"...was ich für einen schweren Fehler halte...
Diese Haltung ist trotz all ihrer Absurdität allerdings sogar nachvollziehbar. Unser Weltbild fühlt sich irgendwie komplett an. Hier haben wir die Erde, die Teil eines Sonnensystems ist, welches Teil einer Galaxie ist, welche Teil eines Galaxienhaufens ist, und im Universum gibt es eine ungeheure Anzahl von Galaxienhaufen. Auf der Erde haben wir die Evolutionstheorie, die uns bequem erklärt, warum wir hier sind. Und ja, da unten auf der Quantenebene ist alles ziemlich mysteriös, aber was geht das uns schon an... So nach dem Motto: Was soll da schon noch kommen... Aber es ist eben naturgemäß immer so, dass wir nicht wissen, was wir nicht wissen. Die nächste große Entdeckung könnte das alles auf den Kopf stellen, und dann werden wir wieder sagen: Wie konnten wir das nur jemals alles so falsch interpretieren - so wie früher die unfehlbare Wahrheit bestand, dass die Erde der Mittelpunkt des Universums ist usw. Was ein Galaxienhaufen sein soll, wäre damals gar nicht denkbar gewesen. Und so gibt es auch heute Fakten, die jenseits unserer derzeitigen Vorstellungskraft liegen.
Peterchen
Beiträge: 738
Registriert: Freitag 30. Januar 2015, 13:02

Re: Suizid auf Raten

Beitrag von Peterchen »

Lovecraft hat geschrieben:
...ich wäre lieber vorsichtig mit solchen Aussagen - denn - sehr oft haben sie sich im Nachhinein als falsch erwiesen...ich gebe dir insofern Recht, daß es mit den heutigen oder in naher Zukunft verfügbaren Mitteln unmöglich erscheint - aber, niemand von uns kann wissen was für eine Technologie in 100 Jahren existiert - geschweige denn in 1000...
Aus dem bisherigen Fortschritt kann man aber nicht folgern, dass es immer weiter gehen wird und wir irgendwann die Zauber-Technologie von Star Trek erreichen werden. Es gibt Naturgesetze, die jeden möglichen Fortschritt begrenzen. Und wenn diese Grenze erreicht ist, dann machen auch tausend Jahre weitere Entwicklung keinen Unterschied.

Ich vermute zum Beispiel, dass wir niemals andere Sonnensysteme erreichen werden, weil eine Reise mit (Über)Lichtgeschwindigkeit nicht möglich ist. Und eine Technik, die das Schlachtfeld eines abgestorbenen und eingefrorenen Gehirns regeneriert, halte ich zumindest für sehr unwahrscheinlich.

...aber zurück zu den Leichen aus dem Tiefkühlfach: eine andere Frage, die sich aufdrängt - und für mich die eigentlich entscheidende hierbei - lautet, ob es überhaupt sinnvoll oder ethisch vertretbar wäre, es zu tun, wenn es eines Tages doch eine Möglichkeit der Wiederbelebung gäbe...was würde ein Mensch tun, der 1000 Jahre nach seinem Tod in einer ihm nunmehr völlig fremd gewordenen Welt aufwacht - und nun in ihr leben müßte - könnte er sich den veränderten Gegebenheiten überhaupt anpassen...?
Die Frage ist auch, ob die Menschen der Zukunft überhaupt Lust hätten, einige tausend oder am Ende vielleicht gar Millionen tiefgekühlte "Neandertaler" zum Leben zu erwecken. Vielleicht würde man ein paar Zeitzeugen zwecks Befriedigung historischer Neugierde auftauen, aber zigtausend reiche Egomanen, die sich einfrieren ließen, weil sie mehr Lebensjahre wollten als in ihrer eigenen Zeit üblich und normal gewesen ist?

Ein Sujet der Science Fiction, von dem ich selbst überzeugt bin, dass es Wirklichkeit werden wird, ist ja die genetische Verbesserung des Menschen. Ich vermute, dass der Mensch in diesem Jahrhundert anfangen wird, seine Evolution mit Hilfe der Gentechnik in die eigene Hand zu nehmen. Es kann daher sein, dass unsere Nachfahren sich von der heutigen Menschheit ähnlich stark unterscheiden werden wie wir vom Australopithecus. Vielleicht werden die Menschen mit Hilfe der Gentechnik auch ihren moralischen Charakter verbessern und z.B. weniger egoistisch und gewalttätig werden. In diesem Fall hätten unsere Nachfahren wohl erst recht keine Lust, ihre brutalen Vorfahren zum Leben zu erwecken.
Lovecraft
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Re: Suizid auf Raten

Beitrag von Lovecraft »

Peterchen hat geschrieben:
Lovecraft hat geschrieben:
...ich wäre lieber vorsichtig mit solchen Aussagen - denn - sehr oft haben sie sich im Nachhinein als falsch erwiesen...ich gebe dir insofern Recht, daß es mit den heutigen oder in naher Zukunft verfügbaren Mitteln unmöglich erscheint - aber, niemand von uns kann wissen was für eine Technologie in 100 Jahren existiert - geschweige denn in 1000...
Aus dem bisherigen Fortschritt kann man aber nicht folgern, dass es immer weiter gehen wird und wir irgendwann die Zauber-Technologie von Star Trek erreichen werden. Es gibt Naturgesetze, die jeden möglichen Fortschritt begrenzen. Und wenn diese Grenze erreicht ist, dann machen auch tausend Jahre weitere Entwicklung keinen Unterschied.

Ich vermute zum Beispiel, dass wir niemals andere Sonnensysteme erreichen werden, weil eine Reise mit (Über)Lichtgeschwindigkeit nicht möglich ist. Und eine Technik, die das Schlachtfeld eines abgestorbenen und eingefrorenen Gehirns regeneriert, halte ich zumindest für sehr unwahrscheinlich.
...unser Wissen über diese Naturgesetze und ihre Zusammenhänge mit dem "Großen Ganzen" ist jedoch noch sehr unvollkommen - der Denkfehler dieser Argumentation besteht ganz einfach darin, daß wir in diesem Zusammenhang erst die Spitze des Eisberges erkennen, nicht jedoch den riesigen Koloß, der für uns unsichtbar unter der Wasseroberfläche liegt...der berühmte "Warp-Antrieb" zahlreicher SF-Romane und Filme existiert in der theoretischen Physik bereits als Konzept, das mathematisch bewiesen ist, schau mal unter dem Stichwort Miquel Alcubierre nach, dem in den späten Neunzigern der Nachweis gelang...nur fehlt es noch an der nötigen Technologie, sie praktisch umzusetzen...ich wage zu behaupten, daß es sie in spätestens 1000 Jahren ebenfalls geben wird ...und das ist vermutlich noch längst nicht das Ende der Fahnenstange...wem es gelingt, die Realität auf der Quantenebene zu beherrschen, wäre praktisch allmächtig und in der Lage, alles zu tun - so wie jene Superwesen Q und seinesgleichen, man könnte nur durch Gedankenkraft an jedem beliebigen Ort im Raum und in der Zeit auftauchen und verschwinden und Dinge buchstäblich aus dem Nichts entstehen lassen, indem man dem "Quantenschaum" einfach die Form gibt, die man haben möchte...aber bis dieser Stand der Evolution erreicht sein wird, wird es vermutlich eher noch eine Million Jahre dauern...

...auf der elementarsten Ebene der Dinge sind Begriffe wie Raum, Zeit, Entfernung und Geschwindigkeit vermutlich ohnehin gegenstandslos, nicht existent, eine reine Illusion, eine Barriere die nur auf unserer sehr eingeschränkten Existenxebene von Bedeutung ist...

Die Frage ist auch, ob die Menschen der Zukunft überhaupt Lust hätten, einige tausend oder am Ende vielleicht gar Millionen tiefgekühlte "Neandertaler" zum Leben zu erwecken. Vielleicht würde man ein paar Zeitzeugen zwecks Befriedigung historischer Neugierde auftauen, aber zigtausend reiche Egomanen, die sich einfrieren ließen, weil sie mehr Lebensjahre wollten als in ihrer eigenen Zeit üblich und normal gewesen ist?

Ein Sujet der Science Fiction, von dem ich selbst überzeugt bin, dass es Wirklichkeit werden wird, ist ja die genetische Verbesserung des Menschen. Ich vermute, dass der Mensch in diesem Jahrhundert anfangen wird, seine Evolution mit Hilfe der Gentechnik in die eigene Hand zu nehmen. Es kann daher sein, dass unsere Nachfahren sich von der heutigen Menschheit ähnlich stark unterscheiden werden wie wir vom Australopithecus. Vielleicht werden die Menschen mit Hilfe der Gentechnik auch ihren moralischen Charakter verbessern und z.B. weniger egoistisch und gewalttätig werden. In diesem Fall hätten unsere Nachfahren wohl erst recht keine Lust, ihre brutalen Vorfahren zum Leben zu erwecken.

...das mit dem Auftauen der "reichen Säcke" sehe ich ähnlich, das wäre insbesondere für eine Gesellschaft, die das "egomanische Gen" im Menschen - vielleicht mittels Gentechnik - überwunden hat, wenig wünschenswert, allenfalls aus Neugier oder zu Studienzwecken ein oder zwei Exemplare aufzutauen wäre vielleicht denkbar...
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