Nichtigkeit plus Leid gleich Unerträglichkeit

Themenbezogene Diskussionen, die sich nicht nur auf eine Person beziehen; Ursachen und Auslöser für Depressionen und Daseins-Ängste; Bewältigungsstrategien bei Lebensmüdigkeit; psychische Krankheitsformen; Suchtkrankheiten; Alkohol-, Drogen- und Medikamenten-Abhängigkeit; Beziehungsprobleme

Moderatoren: Ludwig A. Minelli, Mediator

Starless Aeon
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Nichtigkeit plus Leid gleich Unerträglichkeit

Beitrag von Starless Aeon »

Eine leidvolle Existenz die keinen objektiven Sinn hat ist durch nichts zu rechtfertigen. Gäbe es einen objektiven Sinn, so könnte man auch ein gewisses Mass an Schmerz erdulden. Gäbe es anders herum kein Leiden, so könnte man auch auf einen objektiven Sinn verzichten, denn eine absolut schmerzfreie Existenz braucht keinerlei Rechtfertigung. Die menschliche Existenz hat nun aber überhaupt keinen objektiven Sinn UND ist gleichzeitig geprägt von subtilen bis extremen körperlichen und seelischen Schmerzen, man leidet und dann stellt man sich die eine fatale, alles vernichtende Frage WOZU? Dieses WOZU? fräst sich durch alle angeblich sinnstiftenden Ebenen hindurch bis nichts mehr bleibt. Es gibt keine objektive Antwort auf diese Frage und deshalb ist diese Existenzform, meiner subjektiven und damit falschen Ansicht nach, verurteilt. Denn es gibt nur subjektive und somit falsche Ansichten zur Auswahl, das ist nur ein weiterer Baustein in der endlosen Mängelliste dieses Daseins, dass nämlich Objektivität überhaupt nicht denkbar ist. Allem mangelt es an echter Substanz. Die Wirklichkeit dieser Welt ist keine wirkliche Wirklichkeit und das realste was es gibt ist noch der Schmerz. In eine solche Welt sollte man keine Kinder setzen, denn wie gesagt WOZU?
Lovecraft
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Re: Nichtigkeit plus Leid gleich Unerträglichkeit

Beitrag von Lovecraft »

Starless Aeon hat geschrieben:Eine leidvolle Existenz die keinen objektiven Sinn hat ist durch nichts zu rechtfertigen. Gäbe es einen objektiven Sinn, so könnte man auch ein gewisses Mass an Schmerz erdulden. Gäbe es anders herum kein Leiden, so könnte man auch auf einen objektiven Sinn verzichten, denn eine absolut schmerzfreie Existenz braucht keinerlei Rechtfertigung. Die menschliche Existenz hat nun aber überhaupt keinen objektiven Sinn UND ist gleichzeitig geprägt von subtilen bis extremen körperlichen und seelischen Schmerzen, man leidet und dann stellt man sich die eine fatale, alles vernichtende Frage WOZU? Dieses WOZU? fräst sich durch alle angeblich sinnstiftenden Ebenen hindurch bis nichts mehr bleibt. Es gibt keine objektive Antwort auf diese Frage und deshalb ist diese Existenzform, meiner subjektiven und damit falschen Ansicht nach, verurteilt. Denn es gibt nur subjektive und somit falsche Ansichten zur Auswahl, das ist nur ein weiterer Baustein in der endlosen Mängelliste dieses Daseins, dass nämlich Objektivität überhaupt nicht denkbar ist. Allem mangelt es an echter Substanz. Die Wirklichkeit dieser Welt ist keine wirkliche Wirklichkeit und das realste was es gibt ist noch der Schmerz. In eine solche Welt sollte man keine Kinder setzen, denn wie gesagt WOZU?
Das Wohl dümmste Element dieser ganzen unzulässiges Wort "Lebenslogik" (vgl.Jean Amery) ist die Logik der Reproduktion: Leben, um weiteres Leben zu erschaffen = weiteren Schmerz und weiteres Leid, weitere Sinnlosigkeit...wer sich dem mit gutem Gewissen unterzieht, und selber Kinder in die Welt unzulässiges Wort, die irgendwann sowieso sterben und in der Erde verrotten, um nach einem ebenso sinnlosen, dafür aber umso schmerzvolleren - Leben die Würmer zu füttern...der muß wirklich nicht alle Tassen im Schrank haben...

...so etwas ähnliches hat im übrigen damals bereits der Typ aus Emsdetten in seinem Abschiedsbrief geschrieben, der sich nach einem sogenannten "Amoklauf" das Leben nahm - von ihm stammt übrigens auch der herrlich zutreffende Begriff "SAART" (Schule-Ausbildung-Arbeit-Rente-Tod) - den ich an dieser Stelle gerne mal wieder zitiere - wie auch überhaupt alles, was er schrieb, die Wahrheit ist, so auch sinngemäß, daß Reproduktion wohl so ziemlich das dümmste ist, wozu der Mensch fähig ist - da die Kinder ohnehin bereits in dem Moment zu Wurmfuttter bestimmt sind, wo der Spermafaden in die Eizelle dringt...oder, wie es in einem Lied von Deine Lakaien heißt "Life is a sexually transmitted Disease"....denn genau das ist Leben: eine Krankheit...
Starless Aeon
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Re: Nichtigkeit plus Leid gleich Unerträglichkeit

Beitrag von Starless Aeon »

Lovecraft hat geschrieben: Das Wohl dümmste Element dieser ganzen unzulässiges Wort "Lebenslogik" (vgl.Jean Amery) ist die Logik der Reproduktion: Leben, um weiteres Leben zu erschaffen = weiteren Schmerz und weiteres Leid, weitere Sinnlosigkeit...wer sich dem mit gutem Gewissen unterzieht, und selber Kinder in die Welt unzulässiges Wort, die irgendwann sowieso sterben und in der Erde verrotten, um nach einem ebenso sinnlosen, dafür aber umso schmerzvolleren - Leben die Würmer zu füttern...der muß wirklich nicht alle Tassen im Schrank haben...

...so etwas ähnliches hat im übrigen damals bereits der Typ aus Emsdetten in seinem Abschiedsbrief geschrieben, der sich nach einem sogenannten "Amoklauf" das Leben nahm - von ihm stammt übrigens auch der herrlich zutreffende Begriff "SAART" (Schule-Ausbildung-Arbeit-Rente-Tod) - den ich an dieser Stelle gerne mal wieder zitiere - wie auch überhaupt alles, was er schrieb, die Wahrheit ist, so auch sinngemäß, daß Reproduktion wohl so ziemlich das dümmste ist, wozu der Mensch fähig ist - da die Kinder ohnehin bereits in dem Moment zu Wurmfuttter bestimmt sind, wo der Spermafaden in die Eizelle dringt...oder, wie es in einem Lied von Deine Lakaien heißt "Life is a sexually transmitted Disease"....denn genau das ist Leben: eine Krankheit...
Wobei aber dazu gesagt werden sollte dass die meisten Leute gerne leben. Deshalb lehne ich persönlich mittlerweile einen generalisierten Weltpessimismus ala Schopenhauer eigentlich ab. Cioran mit seinem skeptischen subjektiven Pessimismus trifft es da schon eher. Manche Menschen sind einfach zum Leiden geboren, eine Art negative Erwähltheit. Die rosa Brille gehört einfach zum normalen Leben dazu und wenn diese fehlt dann hat man einen Defekt. Und gegen einen solchen Defekt gibt es nur eine Medizin, nämlich einen Becher Nembutal. Wieso kann Dignitas eigentlich bei solchen Fällen nicht helfen? Dürfen sie nicht oder wollen sie nicht? Sind wie in meinem Fall fast zwei Jahrzehnte psychisches Leid nicht auch eine unzumutbare Behinderung, welche bei Dignitas als Grund für eine Freitodbegleitung genannt wird.

Ich würde nicht mal sagen dass ich das Angebot sofort annehmen würde. Energie für ein paar Jahre hab ich schon noch. Mehr aber nicht. Denn ich betreibe permanenten Raubbau an meiner Energie. Alleine was in meinem Fall an Energie für diese schrecklichen Zwangsgedanken und Kontrollzwänge draufgeht ist unglaublich. Ich schätze mal, dass dafür schon minimum zehn Jahre Lebensenenergie draufgegangen sind, die dann irgendwann einfach fehlen werden. Und spätestens dann, wenn die Batterie leer ist, würde ich mir gerne ein Gläschen Nembutal gönnen. Noch lieber wäre mir eine Injektion wie es in Belgien gemacht wird, weil das wirklich die tausendprozentig sichere Methode ist, im Gegensatz zum Drink, den man erbrechen könnte und dann nur teilweise wirkt und man selbst diese Methode mit Folgeschäden überleben könnte. Deshalb ist die einzige perfekte Methode auf diesem Planeten Nembutal sehr hoch dosiert, intravenös. Belgier müsste man sein, die wenden das sogar bei harmloseren Fällen wie dem meinigen an.
Programmer
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Re: Nichtigkeit plus Leid gleich Unerträglichkeit

Beitrag von Programmer »

Starless Aeon hat geschrieben:
Lovecraft hat geschrieben: .Denn ich betreibe permanenten Raubbau an meiner Energie.
Ich bin mir sicher, dass du nicht weisst, was tatsächlicher Raubbau am Körper ist.
Starless Aeon
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Re: Nichtigkeit plus Leid gleich Unerträglichkeit

Beitrag von Starless Aeon »

Programmer hat geschrieben: Ich bin Mir sicher, das du nicht weisst was tatsächlicher raubbau am körper ist.
Ich sagte Raubbau an meiner Energie, nicht an meinem Körper. Körperlich bin ich topfit und könnte hundert Jahre alt werden, abgesehen davon dass ich rauche und trinke. Aber diesbezüglich mache ich mir keine Gedanken, weil mir die psychische Energie, die geistige vitälität als erstes ausgehen wird. So wie du vermutlich deinen Körper überlastest so überlaste ich permanent meinen Geist. Ich bin ständig im Alarmstufe Rot modus und fühle mich subtil oder auch akut bedroht und das seit fast zwei Jahrzehnten. Das kann man nicht sehr viel länger mental aushalten.
Lovecraft
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Re: Nichtigkeit plus Leid gleich Unerträglichkeit

Beitrag von Lovecraft »

Starless Aeon hat geschrieben:
Lovecraft hat geschrieben: Das Wohl dümmste Element dieser ganzen unzulässiges Wort "Lebenslogik" (vgl.Jean Amery) ist die Logik der Reproduktion: Leben, um weiteres Leben zu erschaffen = weiteren Schmerz und weiteres Leid, weitere Sinnlosigkeit...wer sich dem mit gutem Gewissen unterzieht, und selber Kinder in die Welt unzulässiges Wort, die irgendwann sowieso sterben und in der Erde verrotten, um nach einem ebenso sinnlosen, dafür aber umso schmerzvolleren - Leben die Würmer zu füttern...der muß wirklich nicht alle Tassen im Schrank haben...

...so etwas ähnliches hat im übrigen damals bereits der Typ aus Emsdetten in seinem Abschiedsbrief geschrieben, der sich nach einem sogenannten "Amoklauf" das Leben nahm - von ihm stammt übrigens auch der herrlich zutreffende Begriff "SAART" (Schule-Ausbildung-Arbeit-Rente-Tod) - den ich an dieser Stelle gerne mal wieder zitiere - wie auch überhaupt alles, was er schrieb, die Wahrheit ist, so auch sinngemäß, daß Reproduktion wohl so ziemlich das dümmste ist, wozu der Mensch fähig ist - da die Kinder ohnehin bereits in dem Moment zu Wurmfuttter bestimmt sind, wo der Spermafaden in die Eizelle dringt...oder, wie es in einem Lied von Deine Lakaien heißt "Life is a sexually transmitted Disease"....denn genau das ist Leben: eine Krankheit...
Wobei aber dazu gesagt werden sollte dass die meisten Leute gerne leben. Deshalb lehne ich persönlich mittlerweile einen generalisierten Weltpessimismus ala Schopenhauer eigentlich ab. Cioran mit seinem skeptischen subjektiven Pessimismus trifft es da schon eher. Manche Menschen sind einfach zum Leiden geboren, eine Art negative Erwähltheit. Die rosa Brille gehört einfach zum normalen Leben dazu und wenn diese fehlt dann hat man einen Defekt. Und gegen einen solchen Defekt gibt es nur eine Medizin, nämlich einen Becher Nembutal.
Mit Vanille-, Erdbeer-, oder Waldmeistergeschmack? ...Wenn man den in diesen - und vielleicht auch noch anderen Geschmacksrichtungen, wie z.B. Banane - in jeder Eisdiele bekommt, dann wäre ich sofort dabei...nur so - wie es im Moment aussieht - ist das kaum aussichtsreich - und extra deswegen nach Belgien fahren halte ich für sinnlos-...dieses Privileg lassen die ganz bestimmt nur ihren "eigenen" Leuten zukommen, wetten...
Peterchen
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Re: Nichtigkeit plus Leid gleich Unerträglichkeit

Beitrag von Peterchen »

Starless Aeon hat geschrieben:
Wobei aber dazu gesagt werden sollte dass die meisten Leute gerne leben.
Woher willst du das wissen? Die relative Seltenheit von Suiziden ist kein Beleg dafür, dass die meisten Menschen gerne leben. Dafür ist ein Suizid mit zu großen inneren und äußeren Schwierigkeiten verbunden. Das erwähnt auch Schopenhauer an einer Stelle:

"Vielleicht lebt Keiner, der nicht schon seinem Leben ein Ende gemacht hätte, wenn dies Ende etwas rein Negatives wäre, ein plötzliches Aufhören des Daseyns. - Allein es ist etwas Positives dabei: die Zerstörung des Leibes. Diese scheucht zurück (...)"

Das ist vielleicht übertrieben, aber es geht in die richtige Richtung. Der Ausnahmecharakter des Freitods beruht nicht darauf, dass fast alle Menschen vom Leben begeistert sind, sondern auf den großen Widerständen, die überwunden werden müssen, um es zu beenden.

Angenommen, wir hätten nicht diesen Überlebenstrieb, der ja nur ein biologischer Automatismus ist und keine bewusste Wertschätzung des Lebens. Nehmen wir außerdem an, man bräuchte für einen Suizid keine Hilfsmittel, sondern könnte sich einfach hinlegen und durch einen bloßen Willensakt für immer einschlafen... dann wäre der Suizid ein Massenphänomen in ganz anderer Größenordnung.

Ich bezweifle jedenfalls, dass die meisten Menschen Vorfreude empfinden, wenn sie abends im Bett an den nächsten (Arbeits)Tag denken. Oder dass die meisten Menschen am Ende ihres Lebens eine positive Bilanz ziehen und den Wunsch haben, das alles in gleicher Form noch einmal zu erleben.
Starless Aeon
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Re: Nichtigkeit plus Leid gleich Unerträglichkeit

Beitrag von Starless Aeon »

Lovecraft hat geschrieben: Mit Vanille-, Erdbeer-, oder Waldmeistergeschmack? ...Wenn man den in diesen - und vielleicht auch noch anderen Geschmacksrichtungen, wie z.B. Banane - in jeder Eisdiele bekommt, dann wäre ich sofort dabei...
Also frei erhältlich sollte das Zeug nicht sein, das wäre langfristig kontraproduktiv, weil nach den ersten Morden mit Nembutal, und die würden sicher kommen, das Mittel irgendwann komplett verboten wird und dann ist die Situation noch schlechter als heute. Aber natürlich stimmt es, dass momentan die Hürden exorbitant zu hoch sind. Eine ganz normale fachärztliche verschreibung sollte genügen, aber um eine Einnahme des Mittels unter Aufsicht wird man wohl nicht herumkommen, aus oben genannten Gründen.
Peterchen hat geschrieben:
Starless Aeon hat geschrieben: Woher willst du das wissen? Die relative Seltenheit von Suiziden ist kein Beleg dafür, dass die meisten Menschen gerne leben. Dafür ist ein Suizid mit zu großen inneren und äußeren Schwierigkeiten verbunden. Das erwähnt auch Schopenhauer an einer Stelle:

"Vielleicht lebt Keiner, der nicht schon seinem Leben ein Ende gemacht hätte, wenn dies Ende etwas rein Negatives wäre, ein plötzliches Aufhören des Daseyns. - Allein es ist etwas Positives dabei: die Zerstörung des Leibes. Diese scheucht zurück (...)"

Das ist vielleicht übertrieben, aber es geht in die richtige Richtung. Der Ausnahmecharakter des Freitods beruht nicht darauf, dass fast alle Menschen vom Leben begeistert sind, sondern auf den großen Widerständen, die überwunden werden müssen, um es zu beenden.
Die meisten Leute die ich persönlich kenne, leben gerne. Ihr Geheimnis ist vermutlich, dass sie gar nicht über das Leben nachdenken, sondern es einfach leben. Wenn die Mehrheit gegen das Leben wäre, gäbe es längst überall staatlich finanzierte Sterbehilfe, weil der Druck der Massen auf die Regierungen zu hoch wäre. Glaube ich zumindest. Solche Sachen sind schwer abschätzbar.
Peterchen
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Re: Nichtigkeit plus Leid gleich Unerträglichkeit

Beitrag von Peterchen »

Starless Aeon hat geschrieben: Eine ganz normale fachärztliche verschreibung sollte genügen
Warum sollten Ärzte darüber bestimmen, ob jemand sterben darf? Es ist doch keine medizinische Frage, ob ein Leben lebenswert ist. Außerdem würde damit etwas, das ein einklagbares Recht sein sollte, wieder von der Willkür einer exklusiven Personengruppe abhängen.

Besser wäre es, man könnte einen Antrag stellen und nach einer Wartefrist das NaP aus der Apotheke beziehen.
aber um eine Einnahme des Mittels unter Aufsicht wird man wohl nicht herumkommen, aus oben genannten Gründen.
Finde ich übertrieben. NaP schmeckt so bitter und muss in so großer Menge eingenommen werden, dass heimliche Giftmorde kaum möglich sind. Außerdem würde man ja in jedem Fall eine Dokumentationspflicht einführen. Wenn dann die Mutter durch NaP stirbt, obwohl sie kein NaP beantragt hat, während die quicklebendige Tochter ein paar Wochen vorher NaP für sich selbst beantragt und aus der Apotheke geholt hat, dann ist der Fall geklärt.
Die meisten Leute die ich persönlich kenne, leben gerne. Ihr Geheimnis ist vermutlich, dass sie gar nicht über das Leben nachdenken, sondern es einfach leben.
Diese Gedankenlosigkeit führt aber vielleicht auch dazu, dass sie es sich nicht eingestehen würden, wenn ihr Leben doch nicht so toll wäre.

Es gibt außerdem psychische Mechanismen wie das Pollyanna Principle, die dazu beitragen, dass Menschen sich für glücklicher halten als sie eigentlich sind. Die Evolution hat sich manches einfallen lassen, um die Leute bei der Stange zu halten.
Zuletzt geändert von Peterchen am Dienstag 2. Oktober 2018, 06:52, insgesamt 1-mal geändert.
Lovecraft
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Re: Nichtigkeit plus Leid gleich Unerträglichkeit

Beitrag von Lovecraft »

Starless Aeon hat geschrieben:Also frei erhältlich sollte das Zeug nicht sein, das wäre langfristig kontraproduktiv, weil nach den ersten Morden mit Nembutal, und die würden sicher kommen, das Mittel irgendwann komplett verboten wird und dann ist die Situation noch schlechter als heute. Aber natürlich stimmt es, dass momentan die Hürden exorbitant zu hoch sind. Eine ganz normale fachärztliche verschreibung sollte genügen, aber um eine Einnahme des Mittels unter Aufsicht wird man wohl nicht herumkommen, aus oben genannten Gründen.
...eine Serie von "Nembutal-Morden" halte ich für sehr unwahrscheinlich, da man es vermutlich rechtzeitig bemerken würde - zumindest wenn man es in ausreichend hoher Dosis irgendwo untermischt...das halte ich für kaum aussichtsreich, da wird jemand, der das wirklich vorhat, vermutlich an die 100 bessere Methoden kennen, bei denen das Opfer keinen Verdacht schöpft...und wer sich auskennt, kann auf so viele Gifte pflanzlicher oder tierischer Herkunft zurückgreifen, daß Nembutal sicher eine schlechte Wahl für den Zweck wäre...nach einem "Natürlichen ToD" dürfte das kaum aussehen, und auch nicht nach einem Suizid...denn wenn ein Mensch, der deiner Theorie zufolge ja gerne lebt, sich aus heiterem Himmel und inmitten dieser wunderbaren Welt eine tödliche Substanz zum Nachtisch gönnt - um sich Halleluja-jauchzend daraus zu verabschieden? -wäre das nicht sofort in höchstem Maße verdächtig...? eine andere - und deutlich realistischere - Variante wäre hier allerdings die Gefahr von staatlich legimierten Euthanasie-Morden an Kranken und hilflosen alten Menschen wie im 3. Reich...

Starless Aeon hat geschrieben: Die meisten Leute die ich persönlich kenne, leben gerne. Ihr Geheimnis ist vermutlich, dass sie gar nicht über das Leben nachdenken, sondern es einfach leben. Wenn die Mehrheit gegen das Leben wäre, gäbe es längst überall staatlich finanzierte Sterbehilfe, weil der Druck der Massen auf die Regierungen zu hoch wäre. Glaube ich zumindest. Solche Sachen sind schwer abschätzbar.
...nicht nachdenken - und es auch nicht wollen - ist wohl die Grundvorraussetzung....denn "gerne leben" basiert zu 100% auf grundfalschen Annahmen über die Natur der Realität - hat überhaupt keinen Bezug zu dieser, sondern basiert allein auf Trugschlüssen und frommem Selbsbetrug: "man muß daran glauben" - nein, muß man nicht, und nur weil es die meisten doch tun, ist das kein Beweis für die Echtheit dieses "gerne leben wollens"-Gefühls....ich denke ebenso, daß sich Regierungen schon immer einen Dreck darum geschert haben, ob und wieviele etwas wollen oder nicht...solange sie selbst, die "Eliten", gut dabei wegkommen, d.h. davon profitieren - ist es o.k. für sie - und es bringt deutlich mehr Gewinn, wenn die meisten einfach "leben wollen"... der Tod - insbesondere der Tod der gesamten Menschheit - so sie sich denn irgendwann aus freien Stücken für die Beendigung ihrer Existenz entscheiden sollte, was wünschenswert wäre - wäre ein ziemliches Minusgeschäft...
Starless Aeon
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Re: Nichtigkeit plus Leid gleich Unerträglichkeit

Beitrag von Starless Aeon »

Peterchen hat geschrieben: Warum sollten Ärzte darüber bestimmen, ob jemand sterben darf? Es ist doch keine medizinische Frage, ob ein Leben lebenswer ist. Außerdem würde damit etwas, das ein einklagbares Recht sein sollte, wieder von der Willkür einer exklusiven Personengruppe abhängen.

Besser wäre es, man könnte einen Antrag stellen und nach einer Wartefrist das NaP aus der Apotheke beziehen.
Ich wollte damit nur sagen dass es zumindest minimale Kontrollmechanismen geben sollte. Über die Details kann man sich wie immer streiten.
Lovecraft hat geschrieben:
Starless Aeon hat geschrieben: ...nicht nachdenken - und es auch nicht wollen - ist wohl die Grundvorraussetzung....denn "gerne leben" basiert zu 100% auf grundfalschen Annahmen über die Natur der Realität - hat überhaupt keinen Bezug zu dieser, sondern basiert allein auf Trugschlüssen und frommem Selbsbetrug: "man muß daran glauben" - nein, muß man nicht, und nur weil es die meisten doch tun, ist das kein Beweis für die Echtheit dieses "gerne leben wollens"-Gefühls....
Es liegt vielleicht daran dass ich eine sehr glückliche Kindheit hatte. Ich weis dass echtes Wohlbefinden möglich ist. Seit ich erwachsen bin sehe ich zwar nur schwarz. Aber ich kenne auch das Gegenteil und es fühlt sich, wenn man es erlebt, genau so echt und unwiderlegbar an wie jetzt der Weltschmerz. Dennoch wäre es kein verlust fürs Universum wenn dieser Planet einfach in die Luft fliegen würde, weil wir nichts produzieren was von objektivem Wert wäre.
Verloren
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Re: Nichtigkeit plus Leid gleich Unerträglichkeit

Beitrag von Verloren »

Starless Aeon hat geschrieben:Seit ich erwachsen bin sehe ich zwar nur schwarz. Aber ich kenne auch das Gegenteil und es fühlt sich, wenn man es erlebt, genau so echt und unwiderlegbar an wie jetzt der Weltschmerz. Dennoch wäre es kein verlust fürs Universum wenn dieser Planet einfach in die Luft fliegen würde, weil wir nichts produzieren was von objektivem Wert wäre.
Hättest du das in deiner glücklichen Phase genauso gesehen?
Peterchen hat geschrieben: Das erwähnt auch Schopenhauer an einer Stelle:

"Vielleicht lebt Keiner, der nicht schon seinem Leben ein Ende gemacht hätte, wenn dies Ende etwas rein Negatives wäre, ein plötzliches Aufhören des Daseyns. - Allein es ist etwas Positives dabei: die Zerstörung des Leibes. Diese scheucht zurück (...)"

Das ist vielleicht übertrieben, aber es geht in die richtige Richtung.
Ich komme mir gerade so dumm vor. Ich verstehe das Zitat von Schopenhauer überhaupt nicht. Ich interpretiere das so, dass die Menschen sich suizidieren würden, wenn das Ende (Sterben/Tod) etwas rein Negatives wäre. Das Positive, die Zerstörung des Leibes, hält sie aber davon ab. Häähh??
Starless Aeon
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Re: Nichtigkeit plus Leid gleich Unerträglichkeit

Beitrag von Starless Aeon »

Verloren hat geschrieben:
Starless Aeon hat geschrieben:Seit ich erwachsen bin sehe ich zwar nur schwarz. Aber ich kenne auch das Gegenteil und es fühlt sich, wenn man es erlebt, genau so echt und unwiderlegbar an wie jetzt der Weltschmerz. Dennoch wäre es kein verlust fürs Universum wenn dieser Planet einfach in die Luft fliegen würde, weil wir nichts produzieren was von objektivem Wert wäre.
Hättest du das in deiner glücklichen Phase genauso gesehen?
In der glücklichen Phase war ich ein Kind, da kommt man gar nicht auf solche Gedanken.
Verloren hat geschrieben: Ich komme mir gerade so dumm vor. Ich verstehe das Zitat von Schopenhauer überhaupt nicht. Ich interpretiere das so, dass die Menschen sich suizidieren würden, wenn das Ende (Sterben/Tod) etwas rein Negatives wäre. Das Positive, die Zerstörung des Leibes, hält sie aber davon ab. Häähh??
In moderner Sprache würde das Zitat wohl so lauten:

"Vielleicht lebt Keiner, der nicht schon seinem Leben ein Ende gemacht hätte, wenn dies Ende etwas rein Passives wäre, ein plötzliches Aufhören des Daseyns. - Allein es ist etwas Aktives dabei: die Zerstörung des Leibes. Diese scheucht zurück (...)"

Jetzt sollte es einleuchten, oder?
Hurlinger
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Re: Nichtigkeit plus Leid gleich Unerträglichkeit

Beitrag von Hurlinger »

Ich bin zu blöd zum zitieren:
Zitat: Starless Aeon
"In der glücklichen Phase war ich ein Kind, da kommt man? gar nicht auf solche Gedanken."

Hast du eine Ahnung!

Starless Aeon
"Jetzt sollte es einleuchten, oder?"
Neee, Immer noch Häää!
Verloren
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Re: Nichtigkeit plus Leid gleich Unerträglichkeit

Beitrag von Verloren »

Starless Aeon hat geschrieben: In moderner Sprache würde das Zitat wohl so lauten:

"Vielleicht lebt Keiner, der nicht schon seinem Leben ein Ende gemacht hätte, wenn dies Ende etwas rein Passives wäre, ein plötzliches Aufhören des Daseyns. - Allein es ist etwas Aktives dabei: die Zerstörung des Leibes. Diese scheucht zurück (...)"

Jetzt sollte es einleuchten, oder?
Danke. So verstehe ich das. Quasi wie bei den Lokführern, die ständig einen Knopf drücken müssen, um zu signalisieren, dass sie noch arbeitsfähig sind, anstatt nur im Notfall einen Knopf zu drücken.

Ich finde aber, dass Schopenhauer nicht ganz Recht hatte. Denn wenn man nichts tut, stirbt man. Man verdurstet, verhungert, erfriert, ... . Nur ist der Mensch darauf programmiert dieses zu verhindern.
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