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Re: Freundschaften im Forum

Verfasst: Freitag 29. Juli 2016, 15:43
von Thorsten3210
alycat hat geschrieben:Aber die meisten hier sterben doch nicht od zumindest ni sofort wie man sich das vorgestellt hat...
Ja, leider, ich hatte eigentlich 2009 bei meiner Anmeldung hier gehofft, mit dem neuen Wissen, das man sich hier aneignen kann, nicht mehr lange auf dieser Welt zu sein. Aber nix da, immer noch hier *seufz* :?
alycat hat geschrieben:...Da bieten sich Freundschaften an .... was soll man denn dann noch tun im Forum wenn man " alles" erkundet hat^^^
Freundschaften suche ich hier eigentlich nicht, allenfalls unverbindlichen Austausch. Habe in den letzten Jahren auch schon einige nette Leute hier über PN kennengelernt. Mir tut das Lesen und Schreiben hier gut, denn die Beschäftigung mit Tod und Sterben nimmt bei mir Druck aus dem Kessel, der durch Schwermut, Niedergeschlagenheit und Traurigkeit immer gut gefüllt ist. Es wird einem dabei auch noch mal klar, dass eben dieser Notausgang jederzeit existiert, und man nicht ein subjektiv als unerträglich empfundenes Leben bis zum St. Nimmerleintag fortsetzen muss (Auch wenn ich noch nicht auf eine Methode festgelegt bin).

Re: Freundschaften im Forum

Verfasst: Freitag 29. Juli 2016, 16:40
von Agnetha
Ich bin froh, dass du hier bist @Thorsten

Re: Freundschaften im Forum

Verfasst: Freitag 29. Juli 2016, 17:03
von Thanatos
Thorsten3210 hat geschrieben:...
Mir tut das Lesen und Schreiben hier gut, denn die Beschäftigung mit Tod und Sterben nimmt bei mir Druck aus dem Kessel, der durch Schwermut, Niedergeschlagenheit und Traurigkeit immer gut gefüllt ist. Es wird einem dabei auch noch mal klar, dass eben dieser Notausgang jederzeit existiert, und man nicht ein subjektiv als unerträglich empfundenes Leben bis zum St. Nimmerleintag fortsetzen muss (Auch wenn ich noch nicht auf eine Methode festgelegt bin).
Das ist auch bei mir der Grund, warum ich doch immer mal wieder hier reinschaue – derzeit sogar wieder fast täglich. Lauter nette „Kollegen“. :wink:

Re: Freundschaften im Forum

Verfasst: Freitag 29. Juli 2016, 22:19
von alycat
Ja stimmt Thorsten...sehe auch so...
Jedoch habe ich mich an eine familiäre Atmosphäre im engl. Chat so gewöhnt so dass mir hier die Nähe fehlt...
Weiss ich auch nicht.... man kann ja auch Menschen helfen...

Ich weiss um ehrlich zu sein selber nicht was ich will...
ich hab eigentlich auch genug Freunde...
Aber ich glaub ich muss erst Nähe zu Menschen aufbauen um mich zu öffnen...

Re: Freundschaften im Forum

Verfasst: Montag 1. August 2016, 20:39
von Thorsten3210
Finsternis hat geschrieben:Ich würde das nicht lustig finden, wenn dann dieser Jemand "Hilfe" vorbeischickt, weil ich mein Vorhaben in die Tat konkret umsetzen will.
Das ist wirklich ein Problem, und wenn ich mich recht erinnere, kam das hier im Forum (vor langer Zeit) auch schon mal genauso vor. Derjenige konnte dieses Wissen um den geplanten Suizid mit seinem Gewissen nicht vereinbaren und hat denjenigen verpfiffen. Der fuhr dann prompt ein in die "Geschlossene". Das alles kam raus und hier im Forum gabs eine heftige Diskussion "Pro" und "Contra" dieses Verrats.

Re: Freundschaften im Forum

Verfasst: Dienstag 2. August 2016, 01:59
von alycat
Ja verstehe...aber was soll denn passieren wenn man den Namen u Ort nicht preisgibt?
Nur bei nem Pakt besteht die Gefahr dass der andere selbst ni kommt u dafür die Polizei ruft..

Re: Freundschaften im Forum

Verfasst: Montag 22. August 2016, 22:23
von SSchluSS2
Finsternis hat geschrieben:Nun, im Forum gibt es auch viele Mitleser. Ich kann mir schon vorstellen, dass man trotz allem den Suizidenten ausfindig machen kann. Inwiefern dieser ohne Schäden gerettet werden kann steht auf einem anderen Blatt. Glaub mir, das kann alles schneller gehen, als man denkt.
Über suizid kann man doch schreiben. Wichtig ist nur, dass bevor mans dann macht nichts schreibt.

Re: Freundschaften im Forum

Verfasst: Mittwoch 24. August 2016, 01:48
von alycat
Hmm ja gut. Im engl Chat war das einfach schlecht möglich jmd zu verpfeifen ...wenn jmd in Australien lebt da ruft man ja nicht die austr Polizei mal an ...wenn man keine Angaben hat.
Ja hier im Forum würde vllt ein Polizeimitarbeiter das selbst lesen
Würde mich nicht überraschen ...

Re: Freundschaften im Forum

Verfasst: Donnerstag 25. August 2016, 17:47
von Thorsten3210
Ich würde much auch auf keinen Fall verabschieden, weder hier noch im privaten Umfeld. Das erinnert mich an die sehenwerte Doku "Tod nach Plan", in dem sich der lebensmüde Protagonist in seinem Freundeskreis jeweils mit einem persönlichen Besuch verabschiedete und jedem eine Vase schenkte. Er plante ja mit Hilfe einer Sterbehilfeorganisation aus dem Leben gehen, er war nicht todkrank, aber seit 20 Jahren manisch-depressiv. Er mutete seinen Freuden da sehr viel zu, die seine Entscheidung zu akzeptieren oder zumindest zu respektieren hatten.

Re: Freundschaften im Forum

Verfasst: Donnerstag 25. August 2016, 19:42
von Jay2016
Thorsten3210 hat geschrieben:Ich würde much auch auf keinen Fall verabschieden, weder hier noch im privaten Umfeld. Das erinnert mich an die sehenwerte Doku "Tod nach Plan", in dem sich der lebensmüde Protagonist in seinem Freundeskreis jeweils mit einem persönlichen Besuch verabschiedete und jedem eine Vase schenkte. Er plante ja mit Hilfe einer Sterbehilfeorganisation aus dem Leben gehen, er war nicht todkrank, aber seit 20 Jahren manisch-depressiv. Er mutete seinen Freuden da sehr viel zu, die seine Entscheidung zu akzeptieren oder zumindest zu respektieren hatten.
Man kann sich doch verabschieden ohne sich zu verabschieden.
Wenn ich in der Lage wäre, würde ich meine Freunde und Familie besuchen
und Ihnen sagen, was sie mir bedeuten.
Das wäre dann auch ein Abschied.

Re: Freundschaften im Forum

Verfasst: Donnerstag 25. August 2016, 23:54
von chris84
Ich hatte mich letztes Jahr im Sommer hier angemeldet (habe aber schon so 2-3 Jahre vorher hier bereits mitgelesen). Der Grund für meine damalige Anmeldung war ein erfolgloser Suizidversuch. Da ich mir das Scheitern nicht erklären konnte hatte ich meinen Versuchsablauf damals hier geschildert. In der Hoffnung irgendwelche Antworten zu finden. Die Gründe für das damalige Scheitern sind mir bis heute immer noch unbekannt. Kurz nach meiner Anmeldung hatte sich ein User bei mir gemeldet der dieselbe Methode (CO) gewählt hatte.

Inzwischen dürfte ich natürlich auch viele andere User kennen lernen. Von Freundschaften würde ich da aber nicht reden, eher von Email-Bekanntschaften. Bei den Gesprächen (bzw. beim Schriftverkehr) geht’s ja auch nicht nur um Suizidtipps. Bei manchen Usern entdeckt man häufig Gemeinsamkeiten bzgl. Problemen und Lebenseinstellung. Man schwimmt also häufig auch auf einer gemeinsamen Wellenlänge miteinander. Letztens hatte ich auch einen User kennen gelernt der denselben Studienabschluss wie ich hatte.

Nun ist es ja häufig so, dass man meistens nur den Usernamen (und vielleicht noch sein Alter) kennt. Aber manchmal versuche ich mir ein Bild bzw. Gesicht vorzustellen welches sich hinter dem Usernamen verbergen könnte. Geht’s euch auch manchmal so?

Re: Freundschaften im Forum

Verfasst: Montag 29. August 2016, 13:56
von Thorsten3210
Konkret ein Gesicht versuche ich mir zwar nicht vorzustellen, und manchmal muss man ja auch erstmal rausfinden bzw.- raushören, ob das Gegenüber männlich oder weiblich ist, wenn man es an dem Usernamen nicht erkennt. Nicht dass das Geschlecht eine allzugroße Rolle bei den Themen hier spielt, aber man versteht denjenigen oder diejenige einfach besser in dem jeweiligen Lebensumfeld, z.B. wenn er/sie von den Problemen erzählt. Von Freundschaften würde ich nicht reden, nur von (anonymen) Bekanntschaften, ist vielleicht auch ganz gut so. Wenn man Freundschaften sucht, da gibt es andere Foren.

Re: Freundschaften im Forum

Verfasst: Donnerstag 1. September 2016, 02:43
von Abendstern
chris84 hat geschrieben:Nun ist es ja häufig so, dass man meistens nur den Usernamen (und vielleicht noch sein Alter) kennt. Aber manchmal versuche ich mir ein Bild bzw. Gesicht vorzustellen welches sich hinter dem Usernamen verbergen könnte. Geht’s euch auch manchmal so?
Diese Frage stelle ich mir in der Tat auch schon länger, wie all die Menschen hier wohl aussehen, denen das Leben so unerträglich geworden ist, daß sie den Tod vorziehen würden. Aber auch, was sie beruflich machen, wo sie wohnen, wie sie leben. Das interessiert mich deshalb so sehr, weil ich glaube, daß sich Otto Normalbürger einen Suizidenten allgemeinhin als ziemlich heruntergekommenen Menschen vorstellt. Aber die Wahrheit ist, man sieht es den wenigsten an. Auf Youtube gibt es einige Gedenk-Compilations, die sehr deutlich darauf aufmerksam machen... Es sind Menschen wie Du und ich (im wahrsten Sinne des Wortes...). Man kann oft gar nicht begreifen, daß all diese fröhlich wirkenden Menschen das Leben als zu schrecklich empfanden, um damit weitermachen zu wollen... Ja, sogar Kinder sind darunter... Immer wieder denke ich mir: Wie kann eine ganze Gesellschaft nur so wegsehen?!?! Ich begreife das nicht.

Es kann der stets höfliche Junge von nebenan sein, der lustige Party-Kumpel, die nette Bäckereiverkäuferin, der Sportwagen fahrende Rechtsanwalt, die adrette Kollegin... ja, sicherlich auch viele Menschen, die ironischerweise sogar beneidet werden. Und dabei tragen sie ein so schweres Los. Ich finde es unglaublich schlimm, daß wir uns alle verstecken müssen. Wie Aussätzige. Dabei könnte man auch im realen Leben Freundschaften auf ganz neuer Basis schließen, wenn man nur wüßte... Ich habe es stets als sehr befreiend erlebt, offen darüber sprechen zu können. Und ich habe auch erlebt, daß andere sich befreit fühlten, als die merkten, da gibt es noch jemand anderen, dem es genau so ergeht... Erst diese Offenheit läßt doch wahre Nähe zu. Und genau diese Nähe braucht man doch, um leben zu wollen.

Re: Freundschaften im Forum

Verfasst: Donnerstag 1. September 2016, 13:10
von Thorsten3210
Abendstern hat geschrieben:Ich habe es stets als sehr befreiend erlebt, offen darüber sprechen zu können
Dieses Gefühl findest Du ja auch häufig in Selbsthilfegruppen, nur lokale (also vor Ort) "Sterbehilfe - SHGs" habe ich in unserer Gegend noch nicht gesehen. Also muss man ja auf Internet-Foren wie dieses hier zurückgreifen, wenn man sich über das Thema austauschen möchte. Im Freundes- und Verwandtenkreis stößt man bei Erwähnung von Suizudgedanken nur auf Ablehnung, und bekommt den (gutgemeinten) Rat, dringend einen Psychiater aufzusuchen. Verständnis = Fehlanzeige.

Re: Freundschaften im Forum

Verfasst: Samstag 3. September 2016, 10:46
von Abendstern
Thorsten3210 hat geschrieben:Dieses Gefühl findest Du ja auch häufig in Selbsthilfegruppen, nur lokale (also vor Ort) "Sterbehilfe - SHGs" habe ich in unserer Gegend noch nicht gesehen.
Oder eine Suizidentenselbsthilfegruppe - SSG ;-) Und ich glaube auch nicht, daß sich dort dann alle lustig zum Gemeinschaftssuizid verabreden würden, wie sich das Otto Normalbürger vielleicht so vorstellen würde. Ganz im Gegenteil würde es meines Erachtens vielen wieder ins Leben helfen. Es sei denn, man möchte aus einem Gebrechen heraus nicht mehr...

Allein diese Bigotterie: In der medialen Berichtserstattung ist man wohl übereingekommen (von wo das auch immer ausging), aufgrund des "Nachahmereffekts" nicht mehr über Suizide zu berichten - oder zumindest nur in Ausnahmefällen. Aber im TV-Nachmittagsprogramm da gibt es Mord und Totschlag schon zu Kaffee und Kuchen. Und das soll dann tendenziell nicht zum Nachahmereffekt führen...? :roll: Auch spät abends kann man ja toll lernen, wie man das perfekte Verbrechen begeht - oder zumindest, wie man es nicht macht...

Jedenfalls wird die ganze Problematik unter fadenscheinigen Begründungen totgeschwiegen (apropos tot) ... Und so sieht es so aus, als wären nur punktuell Menschen davon betroffen. Aber ich glaube ganz im Gegenteil, daß man schon fast von einer "Volkskrankheit" sprechen kann...

Immerhin geht man von einer weltweiten Suizidrate von 1 Mio. pro Jahr aus... Allein in Deutschland sind es 10.000. Das ist eine ganze Kleinstadt! Und bei Suizidversuchen soll es sich um 100.000 pro Jahr handeln... Das heißt, weltweit umgerechnet lägen wir somit bei 10.000.000 (!) Suizidversuchen pro Jahr... Und weiß Gott, wieviele suizidal sind, es aber noch nicht versucht haben... Vermutlich liegen wir da dann bei Summen von 100.000.000 bis 1.000.000.000...

Aber alles schön unter den Teppich kehren... Da könnte man glatt auf die Idee kommen, daß der kleine Bürger eben doch nur Kanonenfutter für die Großkopferten ist...