Buchtipp

Private Interessensgebiete, Hobbies, Freizeit, Soziales, Berufliches, Umwelt; eigene Überlebens- und Problembewältigungs-Strategien; empfehlenswerte Literatur- und Medienbeiträge zum Thema Suizid, Selbstbestimmung, freier Wille usw.

Moderatoren: Ludwig A. Minelli, Mediator

Thanatos
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Neue Bücher?

Beitrag von Thanatos »

Hat vielleicht jemand in letzter Zeit ein neues interessantes Buch zum Thema Freitod, Sterbehilfe oder ähnliches in dieser Richtung gelesen? Ich fürchte nämlich, ich habe mittlerweile alle bekannten Bücher zum Thema durch.
Beste Grüße,
Thanatos
Mediator
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Re: Neue Bücher?

Beitrag von Mediator »

Prosinger, Wolfgang
Tanner geht - Ein Mann plant seinen Tod
FISCHER (Taschenbuch), FRANKFURT - ISBN 3596179319


Fricker, Gabriele
Aus freiem Willen - Der Tod als Erlösung
Erfahrungen einer Freitodbegleiterin
Oesch Verlag AG, Zürich, 1999
ISBN 3858335312

(nur noch antiquarisch erhältlich - z.B. auf ZVAB.com)
Thanatos
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Re: Neue Bücher?

Beitrag von Thanatos »

Danke für den Tipp.
Thanatos
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Buchtipp

Beitrag von Thanatos »

Für diejenigen, die schon alle aktuellen Bücher zum Thema Sterbehilfe und Freitod gelesen haben, kann ich „Die Freiheit zum Tode“ von Paul Moor empfehlen. Ich entdeckte letzthin diesen alten Schinken von 1973. Vom medizinischen Standpunkt ist das Buch zwar teilweise überholt und auch einige andere Punkte werden dem heutigen Leser ziemlich antiquiert vorkommen, aber ich fand im Text viele Argumente, die mir bisher unbekannt waren. Außerdem lässt sich durch das Buch ersehen, welche Fragen zum Thema damals schon aktuell waren, welche Probleme seither gelöst wurden und welche immer noch bestehen.
Auch wenn es nicht gerade ein „Thriller“ ist, so lohnt sich die Lektüre, finde ich. Antiquarisch lässt sich das Buch für wenig Geld erwerben, schon ab eins bis zwei Euro inklusive Porto bei booklooker.de. Also wäre nicht viel verloren, sollte es jemandem partout nicht gefallen. :wink:
Beste Grüße,
Thanatos
Deadly Snowflake

Re: Neue Bücher?

Beitrag von Deadly Snowflake »

Borasio "Über das Sterben".
so-lebt-der-lurch
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Re: Neue Bücher?

Beitrag von so-lebt-der-lurch »

Schopenhauer: Über den Tod

hier gibt es eine Leseprobe (Einleitung, Seite 13-19)

http://www.chbeck.de/fachbuch/zusatzinf ... en-tod.pdf

Ich finde, ein treffender Untertitel wäre noch: "Anleitung zu einem glücklichen Sterben" und kann das schmale Buch wirklich sehr empfehlen.
Deadly Snowflake

Re: Neue Bücher?

Beitrag von Deadly Snowflake »

Für alle an anthropofugalem Denken Interessierten:

Martin Neuffer "Nein zum Leben" (1992).
http://www.amazon.de/Nein-zum-Leben-Ein ... roduct_top

Nicht eigentlich neu, aber vielleicht geniesst jemand das immer wieder Käuen ähnlicher Nahrung ohne dessen überdrüssig zu werden. Der Inhalt: von Argumenten für das besser nicht-Seinsollen der Menschheit hin zur Suizid/Sterbehilfeproblematik (Wenn aufgezeigt werden konnte, dass die Menschheit besser nicht wäre, so folgt daraus auch das individuelle Recht auf ein Nein zu seinem eigenen Leben).
Im Vergleich zu Benatar, argumentiert Neuffer zurückhaltender und masst sich kein objektiv gültiges Urteil zu.

Hier die Zusammenfassung seiner Argumente für sein Nein zum Leben (Zitat):
"Ich halte die Bedingungen menschlichen Lebens für unzumutbar. Intelligente Lebewesen mit einem Todesurteil für eine befristete Zeit ins Leben zu rufen, sie schwersten Leiden auszusetzen, ihre Existenz vom Verzehr anderer Organismen abhängig zu machen, sie isoliert und ohne Perspektive als Entwicklungsform auszuprobieren und ins Leere laufen zu lassen, ihnen eine Moral zu geben ohne jede Chance, schuldlos zu bleiben, ihr Scheitern und ihren Untergang auch als Kollektiv fest zu programmieren - das sind Konditionen, die auch durch eine gehörige Zugabe spontaner Lebensfreude nicht annehmbar werden." (Diese einzelnen Aspekte behandelt er je gesondert und ausführlicher im Buch).
Zuletzt geändert von Deadly Snowflake am Dienstag 30. April 2013, 18:32, insgesamt 1-mal geändert.
Plato
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Re: Neue Bücher?

Beitrag von Plato »

Lesenswert:
Marie-France Hirigoyen
Die Masken der Niedertracht – Seelische Gewalt im Alltag und wie man sich dagegen wehren kann
Deadly Snowflake

Re: Neue Bücher?

Beitrag von Deadly Snowflake »

Hier eine gute kurze Rezension des Buches "Better never to have been" von D.Benatar:

http://www.akerma.de/Akerma_Benatar_Rezension.html

Abgesehen davon, dass Akerma u.a. das Asymmetrie-Argument als fraglich kennzeichnet, scheint er weitere Fehler in Benatars Argumentation nicht zu sehen. Empfehlenswert Akermas Buch "Verebben der Menschheit" in der er ausführlich philosophische Begründungen (und ihr Scheitern) aus der Geschichte der Philosophie für die Perpetuierung der Menschheit diskutiert.
Thanatos
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Re: Neue Bücher?

Beitrag von Thanatos »

Kennt jemand dieses Buch?
„Vom Tod der Sonne“ von Manlio Sgalambro
Deadly Snowflake

Re: Neue Bücher?

Beitrag von Deadly Snowflake »

Zum Thema Sterbehilfe, assistierter Suizid:

http://www.faz.net/aktuell/feuillton/bu ... 85931.html
Thanatos
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Buchtipp

Beitrag von Thanatos »

Ein interessantes Buch über ein Thema, von dem der „Normale“ gewiss nichts hören möchte: „Confessions of an Antinatalist“ von Jim Crawford. Vielleicht mag es jemand von euch lesen.
Im Grunde ist es „Benatar light“, aber mit zusätzlichen klugen Gedanken. Überdies wurde es nicht von einem analytischen Philosophen geschrieben, sondern von einem Menschen, der mitten im Leben steht, dem Koch eines mexikanischen Schnellrestaurants.
Ein Gedanke daraus, der mir besonders gefällt: „....it just might be that depression is actually the result of seeing life for what it really is, perhaps accompanied by the inability to filter existence through the various layers of fantay and illusion that seem to be the cultural norm.“
Es grüßt,
Thanatos
Deadly Snowflake

Re: Buchtipp

Beitrag von Deadly Snowflake »

Thanatos hat geschrieben:
Ein Gedanke daraus, der mir besonders gefällt: „....it just might be that depression is actually the result of seeing life for what it really is, perhaps accompanied by the inability to filter existence through the various layers of fantay and illusion that seem to be the cultural norm.“
Das gehört zum Thema "Ent-Euphemisierung", also zum Verdacht, dass jeder sein Leben schönredet, schöndenkt etc. und dem Bemühen solches zu Entlarven. Nun, was ist das Leben "really" ? Weder gut noch schlecht wenn und solange man es nicht bewertet (dass auch ein tierisches Leben schlecht sein kann, auch wenn das Tier sein Leben nicht bewusst bewertet, steht dazu nicht im Widerspruch). Solche Bewertung wurzelt in Wünschen/Interessen. "Really" schlecht wäre das (menschliche) Leben dann wenn es an sich Anlass böte es als schlecht zu bewerten. Wann wäre das der Fall? Wenn trotz umfassender oder zumindest recht vollständiger Wunschbefriedigung (oder aber bei Fehlen jeglichen Wunsches) das Leben dennoch als schlecht empfunden, bewertet würde. Potenziert bzw. eine conditio humana wäre dies wenn bei allen Menschen an sich unerfüllbare Wünsche existierten (oder gar paradoxer Weise Wünsche die zu einem erfüllten Leben notwendig wären fehlten...) , deren Befriedigung aber für eine positive Lebensbewertung notwendig wäre (und allenfalls auch nicht verdrängt/schöngeredet werden könnten). Bei Fällen wo solches nicht der Fall ist, scheint eine negative Lebensbewertung fast immer damit erklärbar, dass das Leben, wegen ungenügender Wunschbefriedigung abgelehnt wird (hier wäre dann die entscheidende Antwort, jene auf die Frage, ob man sein/das Leben auch dann ablehnen würde wenn es ein ideales wäre, d.h. ein unter irdischen Bedingungen optimales...was auch ein völlig anderes Ich implizieren könnte, auch ein solches welches durch psychische Abwehrmechanismen so beschaffen wäre, dass es nicht durch Anfechtungen lebensverwerfender Natur ausgesetzt werden würde).
Eine Depression zeichnet sich übrigens nicht durch ein `das Leben sehen wie es ist` aus, sondern in der Regel durch ein evidentes Schlechtreden desselben (z.B. typisch als wahnhafte Schuldgefühle): es scheint mir typisch bei diesem (Entlarvungs-)Argument, dass hier mit selektiver Wahrnehmung argumentiert wird. Die Kehrseite der Depression wäre die Manie, aber da wird ja auch nicht davon geredet, dass solche Zustände darauf beruhen, dass man die Welt sieht wie sie ist...(solches gibt es allerdings in `diesseitigen` Lehren wie dem Zen-Buddhismus der explizit sagt, dass der unerleuchtete Zustand ein uneigentlicher sei, unsere wirkliche Natur aber die Buddha-Natur sei, die jenseits der Dualität (auch des Wünschens: Neigung - Abneigung) und keinesfalls lebensverneinend oder trübsinnig sei).
Dass die grosse Mehrzahl der Menschen (zumindest dort wo basale Bedürfnisse gestillt werden) ihr Leben als lebenswert bewerten würden, dürfte schwer zu widerlegen sein. Das nur auf Grund kultureller Normen? Wohl kaum. Wenn überhaupt, dann wäre es Teil der menschlichen Natur das Leben schönzureden, aber was Teil der Natur ist, ist schlecht geeignet um das Leben als schlecht zu entlarven. Denn ansonsten würde man nicht mehr vom Menschen wie er von Natur aus ist reden, sondern von einer anderen Lebensform. Dass die lebensbejahende Einstellung die natürliche ist, sieht man an Kleinkindern deren Grundbedürfnisse befriedigt werden, da sieht man so viel an Lebensneugierde etc., so dass der Schluss unplausibel ist: zu behaupten, dass eine lebensbejahende Einstellung kulturell indoktriniert wurde...was wären denn diese Lehren? Und im speziellen bei Kleinkindern? Hingegen kann man sich lebensverneinende Indoktrinationen und/oder Erfahrungen viel plausibler vorstellen und auch historisch dingfest machen. Dies illustriert z.B. die weltverneinende Religionen der Gnosis: erst schwierige Lebensbedingungen und/oder eine kulturelle weltverneinende Indoktrination kann die natürlich gegebene Lebensbejahung unterminieren und überwinden...wobei bei religiösen Vorstellungen irgend ein besseres Leben angestrebt wird und nicht das Nichtsein, was wiederum auf das Motiv verweist: dass das Leben nicht an sich verneint wird sondern bestimmte unbefriedigende Lebensformen.
Mir scheint solche selektive Wahrnehmung und daraus folgendes Urteil selber die Funktion zu haben das schlechte (oder als schlecht wahrgenommenes) Leben des so Argumentierenden (durch geschönten Sozialvergleich auf Grund entsprechender Interpretation) erträglicher zu machen ("die Glücklichen sind eigentlich auch unglücklich", "ihr Glück ist illusorisch, gar nicht erstrebenswert, ein Glück für Narren und Kinder"). Dass also solche Argumentation selber ein Schönreden ist (ein Schönreden durch Schlechtreden...Stichwort: kognitive Dissonanz oder `Der Fuchs und die Trauben`)! Das würde die These irgendwie bestärken, dass jeder sein Leben schönredet (auch der der es zu durchschauen vorgibt), aber eben nicht auf Grund der Kultur sondern der Natur.

PS: Das von dir erwähnte Buch habe ich, aber noch nicht gelesen. Noch zwei Tipps: Eugene Thaker: "In the dust of this planet" und Alan R. Pratt: "The dark side".
Thanatos
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Re: Buchtipp

Beitrag von Thanatos »

Wie du wohl ahnst, werde ich mich nicht auf eine Diskussion zu diesem Thema einlassen. Das hatten wir schon einmal vor zwei Jahren bei Benatar. Wir sind da unterschiedlicher Meinung.
Trotzdem ein Hinweis, um zu merken (wenn man sich darauf einlassen möchte, darüber nachzudenken), wie man sich tagtäglich etwas vormacht – ganz allgemein, nicht nur auf die Bewertung von Lebensqualität bezogen-: Verdrängungsmechanismen berücksichtigen. Völlig unpsychologisch ausgedrückt: Wir sind ständig damit beschäftigt, negative Erlebnisse zu verdrängen. Was ist Verdrängung anders als unbewusste Selbsttäuschung? Somit Verfälschung der eigenen Biographie - weshalb für viele alte Leute ja gilt „Früher war alles besser“ (weil sie die negativen Erlebnisse verdrängt oder wirklich vergessen haben). Und das gilt auch für die Einschätzung der aktuellen Lebensqualität. - Mist, jetzt habe ich mich doch darauf eingelassen.... :wink:
Noch ein Buchtipp: "The Philosophical Writings of Edgar Saltus: The Philosophy of Disenchantment & The Anatomy of Negation"
Es grüßt,
Thanatos
Deadly Snowflake

Re: Buchtipp

Beitrag von Deadly Snowflake »

Thanatos hat geschrieben:Wie du wohl ahnst, werde ich mich nicht auf eine Diskussion zu diesem Thema einlassen. Das hatten wir schon einmal vor zwei Jahren bei Benatar. Wir sind da unterschiedlicher Meinung.
Trotzdem ein Hinweis, um zu merken (wenn man sich darauf einlassen möchte, darüber nachzudenken), wie man sich tagtäglich etwas vormacht – ganz allgemein, nicht nur auf die Bewertung von Lebensqualität bezogen-: Verdrängungsmechanismen berücksichtigen. Völlig unpsychologisch ausgedrückt: Wir sind ständig damit beschäftigt, negative Erlebnisse zu verdrängen. Was ist Verdrängung anders als unbewusste Selbsttäuschung? Somit Verfälschung der eigenen Biographie - weshalb für viele alte Leute ja gilt „Früher war alles besser“ (weil sie die negativen Erlebnisse verdrängt oder wirklich vergessen haben). Und das gilt auch für die Einschätzung der aktuellen Lebensqualität. - Mist, jetzt habe ich mich doch darauf eingelassen.... :wink:
Noch ein Buchtipp: "The Philosophical Writings of Edgar Saltus: The Philosophy of Disenchantment & The Anatomy of Negation"
Es grüßt,
Thanatos
Danke für den Buchtipp.
Du magst anderer Meinung sein als ich, aber ohne meine Argumente widerlegt oder nur schon zur Kenntnis genommen zu haben (das galt schon zu früheren "Diskussionen" zu Benatar), letzteres behaupte ich mal. Kurzum: aus meiner Sicht hast du gar keine Meinung, zumindest keine begründete ("Wissen"= gerechtfertigte wahre Überzeugung), bzw. keine die mehr als ein Dogma wäre.
Bezüglich Verdrängung: Da dies eine allgemein vorkommende Tatsache ist, fällt es unter meinen Einwand, dass das was zur Natur des Menschen zählt, nicht als zu behebende oder behebbare (letzteres ist in Ansätzen zumindest ja denkbar: Psychoanalyse) Selbsttäuschung interpretiert werden kann. Etwas was zu unserer Natur gehört, ist keine Selbsttäuschung sondern Teil unserer faktischen und allenfalls unaufhebbaren Funktionsweise. Die Absicht es Aufzuheben bzw. das eigentliche Sein des Menschen als ein Dasein ohne Selbsttäuschung/Verdrängung zu definieren, hiesse zugleich den Menschen insgeheim durch eine andere Lebensform zu ersetzen. Es ist ja das Paradox der Selbsttäuschung: je umfänglicher dies existiert, desto weniger ist es als solche definierbar. Dein konkretes Beispiel der Vergangenheitsbewertung alter Menschen stimmt vermutlich in vielen Fällen (ist aber bestimmt auch korreliert mit dem Grad an Lebenswertem des gegenwärtigen Zustandes, müsste also wohl auch als Ausdruck und negative Beurteilung des gegenwärtigen Lebens gelesen werden), ist aber doch auch ein herausragendes Beispiel einer `Selbsttäuschung` welche biologisch verankert ist. Da sehe man sich beinahe genötigt den Alterungsprozess selbst als Uneigentlichkeit zu entlarven...
Grundsätzlich musst du (oder wer immer deine Position vertritt) folgendes aufzeigen können:
- dass die Selbsttäuschungen dermassen sind, dass sie entscheidend dazu beitragen das Leben als schlecht zu bewerten. Aber das ist nur bedingt der Fall: Selbsttäuschungen dienen dem Schönreden und damit oftmals dem glücklicher sein, implizierten sie letzteres nicht, wären sie ja im Kontext der Frage nach dem Seinsollen gar kein Thema. Solange Selbsttäuschungen nicht in ihrer überwiegenden Mehrzahl zum grossen Katzenjammer (danach oder aktuell) führen (durch Ent-täuschung oder neurotisierendes Wirken), ist es schlicht und einfach ein irrelevantes Argument (bzw. eines welches eher pro Leben spräche), es sei denn:
- du kannst aufzeigen dass die (auf Selbsttäuschung beruhende) je faktische Lebensbewertung die nicht massgebende ist. Aber entscheidend ist nicht wie das Leben eigentlich ist, sondern wie es faktisch erlebt wird, ein Argument welches du doch wohl in der Sterbehilfedebatte auch benutzen würdest: entscheidend ist wie der Betroffene sein Leben bewertet und nicht externe Beobachter welche `herumnörgeln`: `aber so schlecht geht es dir doch gar nicht`. Der Unterschied ist bloss ein Wort: `so gut geht es dir doch gar nicht`. Auch das ein Beispiel zum Thema selektive Wahrnehmung/Anwendung.
- Des weiteren müsstest du aufzeigen, dass das was zur Natur des Menschen gehört und dies sogar noch vielfach unbewusst, als Selbsttäuschung zu klassifizieren wäre (siehe meine obige Kritik). Mir scheint `unbewusste Selbsttäuschung` schon ein äusserst fraglicher Begriff, zumindest wenn es um Entlarvungsansprüche geht.
- Dann müsstest du aufzeigen, dass der Zustand radikaler Ent-täuschung ein depressiver wäre. Wer sagt das? Wie willst du das wissen? Wann weisst du, dass du in diesem Zustand bist? Verdrängtes ist doch gerade nie wissbar...es gibt kein Kriterium anhand dessen das nicht mehr vorhanden sein von Verdrängtem (oder anderweitig Täuschendes) erkennbar wäre. (Übrigens führt das Aufdecken von Verdrängtem oftmals zu einem besseren Leben danach...der Zen sagt sogar, dass der eigentliche Zustand der befreite ist, siehe dazu: Suzuki/Fromm: "Zen-Buddhismus und Psychoanalyse").

Nun, ich könnte weitere Einwände vorbringen, aber obige scheinen mir `knacknussig` genug (und da ich eh keine begründete Antwort zu erwarten habe...a bisserl mehr müsstest du dich schon einlassen :wink: ). Solange du obige Anfragen nicht in deinem Sinne beantworten kannst, bleibe ich bei meiner obigen Aussage: dass deine Aussage primär motiviert wird durch dein eigenes als schlecht empfundenes Leben (auf Grund von was auch immer: hohe Sinnansprüche, Verdrängtem, unglückliche Biografie...) und die Funktion hat dein Leben erträglicher zu gestalten (im Sinne einer Auflösung der zugrundeliegenden kognitiven Dissonanz: die Unfähigkeit das eigene Leben wertschätzen zu können steht in Spannung zum Wunsch nach einem lebenswerten Leben. Diese Dissonanz wird aufgehoben durch Schlechtreden des Lebens grundsätzlich: es sei in keinem Fall lebenswert und als solches erstrebenswert, nichts dessen Nichtexistenz zu betrauern wäre). Übrigens lässt sich Ciorans Schaffensweise (Schreiben in Zeiten der `Depression`) bestens mit der Idee der kognitiven Dissonanz erklären...wie man sieht (so man nicht verdrängt): Selbsttäuschung überall (und daher: nirgends).

ps: Ein Letztes: eine der grössten Täuschungen (auch deiner Ansicht nach, in anderer Hinsicht auch des Zen) wäre das Ich, das Ego. Aber wenn das Ich eine Täuschung ist, dann auch alles Reden welches das Ich voraussetzt: ich täusche mich, ich werde getäuscht, ich leide...alles Illusion, und damit auch dein Reden von Verdrängungen und Selbsttäuschungen (es sei denn wiederum: du nimmst als relevant wie etwas erlebt wird und nicht wie die Dinge eigentlich beschaffen sind und ziehst die Grenze nicht willkürlich genau dort wo es deinem Argument zupass kommt).
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