Pech im Leben

Persönliche Hoffnungen, Wünsche und Lebensperspektiven

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Abendstern
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Re: Pech im Leben

Beitrag von Abendstern »

Peterchen hat geschrieben: Mittwoch 2. Januar 2019, 22:52 Dieser Eindruck entsteht wohl dadurch, dass Leute, die schon in der genetischen Lotterie den Kürzeren ziehen, meist auch im späteren Leben keinen Erfolg haben.

Ein geringer IQ oder ein schwacher Antrieb führt zu beruflichem Versagen, was wiederum den sozialen und sexuellen Marktwert (gerade bei Männern) nach unten drückt. Was wiederum zu einer Depression führen kann.


Hässlichkeit führt oft zu Misserfolg in sozialer und sexueller Hinsicht. Sozialer Misserfolg führt zu einem schlechten Selbstbewusstsein, das die ganze Lebensführung beeinträchtigt.

Insofern: Ich glaube nicht an Glück und Pech als geheimnisvolle Kräfte, die ungleich verteilt sind. Ich denke einfach, dass das, was am Anfang des Lebens festgelegt wurde - vor allem die Genetik - einen gewaltigen Einfluss auf das ganze Leben hat. Durch diesen Zusammenhang sind manche Menschen auf allen Ebenen bestraft: Geringe Begabung, fehlende Attraktivität, scheußlicher Job, miese Bezahlung, geringer Status, wenig Freunde, kein sexueller Erfolg.
Na ja, ich kann nur immer wieder sagen, daß Schönheit auch nicht unbedingt glücklich macht. Und daß sich hartnäckig dieses Gerücht hält, Schöne hätten es besser als andere, macht es auch nicht gerade einfacher. Ich hatte ja vor einigen Tagen "Faces of suicide" gepostet. Man frage sich, warum da so viele schöne junge Frauen dabei sind, wenn es die doch so viel einfacher im Leben haben. Die Forscher, die so einen Blödsinn postulieren, gehen einfach ihren eigenen Denkschemata auf den Leim. Mag ja sein, daß Schönheiten begehrter sind, aber die Kehrseite davon ist eben auch weniger positive Begehrtheit in Form von Belästigung und Mißbrauch und dies dann obendrein noch mit Stutenbissigkeit und Neid garniert. Entgegen aller Annahmen kann eben auch dies zu sozialer Isolation und Depression führen. Eine neue Studie hat auch kürzlich erst den Mythos widerlegt, daß schöne Menschen angeblich besser verdienen. Der Studie nach sind es ganz im Gegenteil eher ausgesprochen häßliche Menschen, die hier in auffälliger Weise Spitzenwerte erreichen.

Und auch geringe Begabung oder geistige Behinderung muß nicht zwangsläufig ein unglückliches Leben bedeuten. Hier kommt es schlicht auch auf die soziale Einbettung an. In der richtigen Familie mit der richtigen Betreuung kann ein minder Begabter durchaus glücklicher sein als manch ein Intelligenzbolzen. Am Ende ist alles eben relativ.

Man glaubt halt auch immer gerne das, was man glauben möchte. Selbst Forscher sind nie davor gefeit. Denn allein schon Studienaufbau und Interpretation der Ergebnisse sind dafür anfällig, die Denkmuster des Erfinders zu bestätigen.
alleine
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Re: Pech im Leben

Beitrag von alleine »

Wobei ich von einem ganz grundsätzlichen Standpunkte aus das "Parteiisch-Sein" für absolut richtig halte. Ich meine, sonst kannst du ja auch irgend ein Antifa-Penner werden, der sich für "offene Grenzen" einsetzt.
Abendstern
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Re: Pech im Leben

Beitrag von Abendstern »

Parteilichkeit führt aber überhaupt erst zur Notwendigkeit von Grenzen. Würde jeder einmal etwas Abstand von seinem eigenen Blickwinkel nehmen, dann würde es auf dieser Welt jedenfalls sehr viel friedlicher aussehen ...
schlauwiener
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Re: Pech im Leben

Beitrag von schlauwiener »

Allem, was Peterchen in diesem Thread geschrieben hat, stimme ich zu 100% zu. Sehr scharfsinnig erkannt und gut formuliert.

Abendstern hat geschrieben: Allerdings gibt es ja auch das Gegen-Sprichwort "Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt."
Wieso das das "Gegensprichwort" zu "Jeder ist seines Glückes Schmied." sein soll, verstehe ich nicht. Für mich wäre es vom Sinn her eher sowas wie "Alles im Leben ist Zufall."
Abendstern hat geschrieben: Na ja, ich kann nur immer wieder sagen, daß Schönheit auch nicht unbedingt glücklich macht.
Das behauptet auch niemand. Es geht immer nur um Wahrscheinlichkeiten, nicht um Garantien. Und die Wahrscheinlichkeit, dass man zumindest kein sehr unglückliches Leben führen muss, weil man z.B. keinen passenden (Sexual-)Partner findet, ist deutlich geringer, wenn man mit körperlicher Schönheit gesegnet ist.
Abendstern hat geschrieben: Und daß sich hartnäckig dieses Gerücht hält, Schöne hätten es besser als andere, macht es auch nicht gerade einfacher.
Das ist kein Gerücht, sondern eine Tatsache, siehe z.B. https://www.wdr.de/tv/applications/fern ... enheit.pdf
Dass es Schöne besser haben (statistisch gesehen), ist in der Attraktivitätsforschung unumstritten. Die einzigen, die das in Frage stellen, sind die Schönen selbst, weil sie die Vorteile, die sie auf Grund ihres guten Aussehens genießen, als selbst erarbeitet und somit verdient angesehen haben wollen. (So ist es natürlich leider auch bei den Reichen, wie man weiß).
Abendstern hat geschrieben: Ich hatte ja vor einigen Tagen "Faces of suicide" gepostet. Man frage sich, warum da so viele schöne junge Frauen dabei sind, wenn es die doch so viel einfacher im Leben haben.
Einzelfälle sagen wenig bis gar nichts aus. Vielleicht wurden ja auch gerade die bestaussehendsten Suizidentinnen in der Aufzählung berücksichtigt, um bestimmte Emotionen hervorzurufen.
Abendstern hat geschrieben: Die Forscher, die so einen Blödsinn postulieren, gehen einfach ihren eigenen Denkschemata auf den Leim.
Ah ja. Welche Denkschemata sind das, deiner Meinung nach, und woher weißt du, dass die Denkweisen der "Forscher" tatsächlich in diese Schemata passen? Vielleicht erliegst du ja selbst genau dem Irrtum, den du bei anderen vermutest?
Abendstern hat geschrieben: Mag ja sein, daß Schönheiten begehrter sind,
Isso.
Abendstern hat geschrieben: aber die Kehrseite davon ist eben auch weniger positive Begehrtheit in Form von Belästigung und Mißbrauch und dies dann obendrein noch mit Stutenbissigkeit und Neid garniert.
Die Vorteile körperlicher Schönheit dürften die aufgezählten Nachteile in der Mehrzahl der Fälle deutlich überwiegen.
Abendstern hat geschrieben: Entgegen aller Annahmen kann eben auch dies zu sozialer Isolation und Depression führen.
Mobbing und Missbrauch können selbstverständlich zu sozialer Isolation und Depression führen, aber dass attaktive Menschen allein wegen ihrer Attraktivität gemobbt werden, dürfte eher selten der Fall sein. Und selbst wenn die Wahrscheinlichkeit, missbraucht zu werden, für schöne Menschen höher sein sollte, so würden wohl nur die von Missbrauch tatsächlich Betroffenen auf ihre Schönheit verzichten wollen, wenn überhaupt.

Zwar geht die Mär um, dass es für körperlich attraktive Menschen schwerer sei, einen Partner zu finden, als für durchschnittlich aussehende. Das stimmt aber nicht, denn der einzige Grund, weshalb attraktive Menschen kaum Anfragen von durchschnittlich aussehenden Menschen erhalten (könnten), ist der, dass letztere von vornherein mit einer Zurückweisung rechnen. Anderenfalls würden sich nämlich deren Interessen fast ausschließlich auf die schönen Menschen konzentrieren, siehe https://is.gd/s1HmdO

Attraktive Menschen haben es also selbst in der Hand und somit die Wahl. Das einzige, was für sie hinderlich ist, ist ihr eigener Anspruch. Insgesamt ist das aber ein reines Luxusproblem, was zurecht keinerlei Mitgefühl erwecken dürfte.

Natürlich gibt es dann noch die ehemals Schönen, die darüber verbittert sind, dass ihre Schönheit nicht ewig währt. Aber muss man über diese Leute reden?
Abendstern hat geschrieben: Eine neue Studie hat auch kürzlich erst den Mythos widerlegt, daß schöne Menschen angeblich besser verdienen. Der Studie nach sind es ganz im Gegenteil eher ausgesprochen häßliche Menschen, die hier in auffälliger Weise Spitzenwerte erreichen.
Vermutlich sind das auch wieder nur Einzelfälle oder Minderheiten (oder betrifft nur Gehälter von Beschäftigten in Geisterbahnen :roll: ).
Abendstern hat geschrieben: Und auch geringe Begabung oder geistige Behinderung muß nicht zwangsläufig ein unglückliches Leben bedeuten. Hier kommt es schlicht auch auf die soziale Einbettung an. In der richtigen Familie mit der richtigen Betreuung kann ein minder Begabter durchaus glücklicher sein als manch ein Intelligenzbolzen.
Muss nicht... kann... Es geht, wie gesagt, nicht um Einzelfälle, sondern um Wahrscheinlichkeiten.
Abendstern hat geschrieben: Am Ende ist alles eben relativ.
Wie man es nimmt. So manchen Menschen würde es vermutlich "heilen", wenn er tatsächlich einmal temporär die Probleme hätte, die sein bitteres Klagen darüber rechtfertigten. Aber wer soll das beurteilen? Letztlich ist (besonders seelisches) Leiden kaum objektivierbar und meist nur für Nichtbetroffene relativ.
Abendstern hat geschrieben: Man glaubt halt auch immer gerne das, was man glauben möchte.
Frau auch.
Abendstern
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Re: Pech im Leben

Beitrag von Abendstern »

Ich werde jetzt nicht auf jeden einzelnen Deiner Punkt eingehen, auch wenn Du Dir seeehr viel Mühe gegeben hast, meine Argumentation zu widerlegen...

Lediglich möchte ich zu bedenken geben, daß auch jeder Einzelfall eben ein Fall ist, den man in die Gesamtschau einbeziehen muß. Mal ganz abgesehen davon, daß sich bei näherem Hinsehen meist herauskristallisiert, daß es sich eben keineswegs um Einzelfälle handelt, sondern nur allzu oft lediglich um das beliebte Totschlagargument Einzelfall. Auch ist es nunmal Fakt, daß diese Frauen – ganz egal, ob sie nun gezielt zusammengestellt worden sind oder nicht – offenbar mehr Unglück über ihre Lage verspürt haben als manch ein mit weniger Schönheit begüterter Mensch, der sich nicht das Leben genommen hat. Also kann man nicht sagen, daß wer in der Gen-Lotterie gewonnen hat, automatisch ein besseres Leben hat.

Jedenfalls habe ich mich sehr eingehend mit dem Thema beschäftigt. Und zwar fernab von reinen Medienberichten, sondern insbesondere mit der tatsächlichen und vermeintlichen Studienlage zum Thema. Andernfalls würde ich es auch kaum wagen, der allgemeinen Meinung zu widersprechen.

Bei der Studie, von der ich oben sprach, handelt es sich übrigens im Gegensatz zu vielen anderen Studien zum Thema um eine großangelegte Langzeitstudie mit 20.000 Probanden. Dagegen kenne ich Studien, die tatsächlich auch etwas zum Thema sagen wollen, obgleich sie lediglich zwei Dutzend Probanden aus der Studentenschaft zusammenkratzen konnten. Und wie ich oben schon erwähnte, untersuchen die meisten Studien lediglich partielle Zusammenhänge und liefern keine Gesamtsicht der Lage.

Wer sich außerdem ein wenig mit Wissenschaft auskennt, dem sagen auch Begriffe wie Confirmation Bias bzw. Bestätigungsfehler etwas. Also kein Grund, sich über meine diesbezügliche Argumentation aufzuregen. Und ja, natürlich könnte ich selbst auch einem solchen Confirmation Bias unterliegen, aber in der Regel bin ich eher für meine knallharte Objektivität auch mir selbst gegenüber bekannt. Auch legt meine eigene Geschichte eher nahe, daß ich ein objektives Interesse am Thema habe. Denn im Laufe meines Lebens habe ich mich bereits in sehr unterschiedlichen Kategorien befunden und kann auch aus dieser Sicht nur sagen, daß jede Situation ihre eigenen Vor- und Nachteile hat.

Aber noch einmal zurück zur Wissenschaft: Es herrscht unter Laien leider der fatale Glaube, daß alles, was heute als wissenschaftliche Erkenntnis propagiert wird, in der Tat auch als manifestiertes Wissen angesehen werden kann. Dem ist leider nicht so. Auch die Wissenschaft irrt sich lediglich voran. Jeder ernsthafte Wissenschaftler weiß, daß die Erkenntnisse von heute morgen schon lange überholt sein können. Allein über den allseits bekannten Marshmallow-Test ist man sich heute gar nicht mehr so einig. Und gerade in puncto Hirnforschung kann man geradezu jeden Tag über neue bahnbrechende Ergebnisse wissenschaftlicher Studien lesen, die unterschiedlicher gar nicht sein könnten. Von den ganzen Schummeleien in der Wissenschaft einmal ganz zu schweigen. Ich erinnere nur an Diederik Stapel. Und leider ist der Mann kein Einzelfall, sondern lediglich die Spitze eines Eisbergs. Was in der Wissenschaft mittlerweile ebenfalls bekannt ist. Ganze pseudo-wissenschaftliche Magazine gibt es inzwischen als systemimmanenten Teil des Problems. Aber nur, weil ein Wissenschaftler dies oder jenes gesagt hat, quatschen alle Autoritätsgläubigen ohne eigenes Gehirn dann alles nach. Das hatten wir hier in diesem Land ja übrigens schon einmal. Und insbesondere die Medienlandschaft schlachtet gerne jede Publikation aus, die sensationslüstern aufbereitet große Publikumswirksamkeit und hohe Klickzahlen verspricht. Denn hier geht es am Ende des Tages um sehr viel Geld. Von einem Claas Relotius wollen wir da mal erst gar nicht reden.

Ich kann jedenfalls nur vor allzu blinder Wissenschafts- und Mediengläubigkeit warnen. Allein im medizinischen Bereich besagen entsprechende Metastudien, daß ein Großteil der Studienergebnisse schlichtweg falsch ist. Und wenn ich mir so einige Schicksale hier ansehe, inklusive meinem eigenen, dann führen derlei Irrwege der Medizin Betroffene offenbar häufiger an diesen Ort. Zum Nachlesen empfehle ich an dieser Stelle Professor Ioannidis.
schlauwiener
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Re: Pech im Leben

Beitrag von schlauwiener »

Abendstern hat geschrieben: Also kann man nicht sagen, daß wer in der Gen-Lotterie gewonnen hat, automatisch ein besseres Leben hat.
Noch immer hat das niemand behauptet. Als jemand, der sich angeblich mit Wissenschaft auskennt und sogar weiß, was "Confirmation Bias" bedeutet, müsstest du das jetzt aber mal verstanden haben... :?

Abendstern hat geschrieben: aber in der Regel bin ich eher für meine knallharte Objektivität auch mir selbst gegenüber bekannt
Tatsächlich... :wink:

Abendstern hat geschrieben: Bei der Studie, von der ich oben sprach, handelt es sich übrigens im Gegensatz zu vielen anderen Studien zum Thema um eine großangelegte Langzeitstudie mit 20.000 Probanden.
Du meinst sicher folgende Studie:

https://www.spiegel.de/karriere/karrier ... 35713.html
https://www.jolie.de/leben/studie-unatt ... -mehr-geld
https://www.abendblatt.de/vermischtes/a ... -Geld.html
https://www.wiwo.de/erfolg/beruf/schoen ... 26184.html

An dieser Studie wurde allerdings sehr viel Kritik geübt, z.B. die folgende im Spiegel (s. erster Verweis):

Kritik: Zahl der Betroffenen zu klein

Für den Pionier der Attraktivitätsforschung, den US-Ökonomen Daniel Hamermesh ("Beauty Pays") von der University of London, lässt die Studie einige strukturelle Fragen offen. Andere Arbeiten seien ebenfalls auf Basis der "Add Health"-Daten zu Ergebnissen gekommen, die die These der "Schönheitsprämie" voll stützten.

"Das einzige 'ungewöhnliche' Ergebnis ist ein Blick auf die winzige Fraktion der jungen Leute, die als sehr unattraktiv eingeschätzt werden - eine viel zu kleine Gruppe", sagt Hamermesh. Dieser Gruppe wurden höchstens 280 Teilnehmer zugeordnet, während in anderen mehr als 4500 zu finden sind.

Auch Arbeitsökonom Thomas Bauer vom RWI Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in Essen hält die allgemeine Aussage, dass sehr unattraktive Menschen mehr verdienen als viele besser aussehende, auf dieser geringen Datenbasis für schwer haltbar.

Aussagekraft des angeführten Einkommens zweifelhaft

Zudem habe das angeführte mittlere Einkommen der einzelnen Gruppen keine wirkliche Aussagekraft. "Es berücksichtigt zum Beispiel nicht, wie viele unattraktive Menschen gar keinen Job finden", sagt Arbeitsökonom Bauer. Auf Deutschland übertragbar seien US-Ergebnisse ohnehin nicht.


In der nächsten o.g. Quelle wird u.a. folgende Kritik geäußert:

Viele halten die Ergebnisse für nicht haltbar. Die Gruppe der "sehr unattraktiven" Menschen sei viel zu klein, zudem gebe es zahlreiche Gegenstudien, die genau das Gegenteil belegen. Außerdem sollte man bedenken, dass die Studie in den USA durchgeführt wurde, wo man von Tarifverträgen, Gleichstellungsbeauftragten oder Betriebsräten noch nie was gehört hat. Die Daten sind damit nicht eins zu eins auf Deutschland übertragbar.

Du führst diese Studie als Unterstützung für deine Aussagen an, verschweigst aber die Quellen und damit die massiven Kritiken. Nicht sehr seriös von dir, Abendstern.

Für mich erhärtet es die in meinem vorherigen Beitrag geschriebenen Thesen - inklusive der, dass ganz besonders DU das glaubst, was du glauben möchtest. :roll:
Abendstern
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Re: Pech im Leben

Beitrag von Abendstern »

Glaube von mir, was Du willst. Du bist ja auch von Deiner Überzeugung nicht abzubringen, ich sei ein anderer User. Ich heiße aber nicht Sebastian oder für wen Du mich auch immer hältst.

Aber wie Du schon sagst: Studien und Gegenstudien.

Daß jeder Wissenschaftler seine Ansicht verteidigen will, ist klar.

Was davon wahr ist, wirst auch Du hier nicht herausfinden können.

Wie man auf die 280 bzw. 4.500 kommt, wird auch nicht erläutert. Vermutlich war das Studiendesign schlicht und einfach unterschiedlich. Das macht die eine Studie aber noch nicht richtiger als die andere. Vielleicht waren die 280 ausgesprochen häßlich, die 4.500 lediglich häßlich. Kein Mensch kann das aus den zitierten Zeilen herauslesen. Und 4.500 Menschen von 20.000 als sehr (!) häßlich einstufen zu wollen – das ist knapp ein Viertel – schreit jedenfalls auch geradezu nach einer Gegenkontrolle.

Auch der Satz "Es berücksichtigt zum Beispiel nicht, wie viele unattraktive Menschen gar keinen Job finden" ist per se schon mit Bias gespickt. Denn neutral formuliert müßte es heißen "Es berücksichtigt zum Beispiel nicht, wie viele attraktive oder unattraktive Menschen gar keinen Job finden".

Im Übrigen gibt es auch noch Studien zur Unterscheidung von schönen und ausgesprochen schönen Menschen. Hier trifft eben jeder Wissenschaftler noch mal eigene Unterscheidungen. Mal ganz davon abgesehen, daß man auch zwischen Mann und Frau unterscheiden muß. Extrem schöne Frauen sollen zum Beispiel eben gerade wieder keinen Schönheitsbonus in Gehaltsfragen bekommen, weil man sie in der Tendenz eher als dumm einstuft. Und da bleibt immer noch die Frage offen, inwiefern sich dies auch je nach Beruf und Kultur unterscheidet. Aber das Beste an all dem ist, daß es bis heute noch nicht mal eine wissenschaftlich unzweifelhaft haltbare Definition von Schönheit gibt. Es gibt Annäherungen, aber keine Formel. Selbst beliebte Thesen wie der Goldene Schnitt - sehr beliebt auch in der Medienpublikation - haben sich immer wieder als falsch herausgestellt. Man forscht nach wie vor daran. Und solange es noch Grund zum Forschen gibt, kann nunmal keine wissenschaftliche These als endgültige Wahrheit postuliert werden.

Auch weiß man nicht, welche Meinungsbildung der Spiegel verfolgt. Je nachdem, welches Modell vertreten werden soll, zitieren auch Medien gerne entsprechend unterstützende Thesen oder eben Gegenthesen. Mal ganz abgesehen davon, daß auch Texte reichlich Spielraum für Interpretationen und Fehlinterpretationen lassen. Man glaubt es kaum, was Journalisten oft für einen Müll zitieren. Viele können noch nicht mal ein Interview 1:1 wiedergeben. Oder wollen dies auch gar nicht.

Studien recherchiert man insofern eben auch nicht über Medienberichte, sondern über Wissenschaftsportale. Und wie ich schon sagte, wird man selbst dort einen Haufen Zeug finden, das sich gegenseitig widerspricht oder zumindest in eklatanter Weise unterscheidet. Deshalb gibt es eben auch so genannte Metastudien. Und noch nicht mal die müssen richtig sein.

Und noch einmal (als hätte ich es nicht bereits gesagt):

Die zitierten Studien beziehen sich auf singuläre Zusammenhänge und nicht auf eine Gesamtschau. Denn Glück und ein gutes Leben machen sich ja wohl nicht nur allein am Einkommen fest.

Alles, was ich behaupte, ist lediglich, daß es Schöne nicht zwangsläufig besser haben im Leben. Und solch bornierte Ansichten wie Deine – ich sage es auch noch einmal – machen es dabei nicht einfacher.
Lovecraft
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Re: Pech im Leben

Beitrag von Lovecraft »

Diese ganze "schön vs.hässlich"- Debatte ist ohnehin an den Haaren herbeigezogen, da es sich bei ästhetischen Wertungen wie "schön " und "hässlich" um höchst subjektive Kriterien handelt, die von Individuum zu Individuum anders wahrgenommen werden - und für die es folglich auch keinen allgemeingültigen Maßstab geben kann...

...damit sind sämtliche "wissenschaftliche" Untersuchungen zu dem Thema schon mal völliger Quatsch, da diese eine objektive Sicht der Dinge behaupten, die nicht vorhanden ist...
"Wissenschaftler" sind in der Regel ohnehin nur Sprachrohre der Medien und der Politik, die ihr Fähnchen nach dem Wind drehen - und immer gerade das behaupten, was als politisch korrekt und opportun gilt, der ganze Betrieb funktioniert nach dem Prinzip: "Wessen Brot ich freß, dessen Lied ich pfeif"...
alleine
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Re: Pech im Leben

Beitrag von alleine »

Ich kann darüber nichts mitreden. Bin ausgeschlossen von der Diskussion. :(
schlauwiener
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Re: Pech im Leben

Beitrag von schlauwiener »

Hallo Abendstern,

meine Annahme war, dass du den grundsätzlichen Vorteil äußerer Schönheit, der sich natürlich nur statistisch ermitteln lässt und keine Aussagen über Einzelfälle wie z.B. den deinen trifft, leugnest.

Deine (falsche!) Annahme ist, ich würde glauben, äußere Schönheit sei ein Garant für ein glücklich(er)es Leben.

An diesem mehr oder weniger großen Missverständnis hat sich unser Disput entzündet. Aber das Thema ist nun wohl ausdiskutiert...


Lovecraft hat geschrieben: da es sich bei ästhetischen Wertungen wie "schön " und "hässlich" um höchst subjektive Kriterien handelt, die von Individuum zu Individuum anders wahrgenommen werden - und für die es folglich auch keinen allgemeingültigen Maßstab geben kann...
Da liegst du leider falsch, Lovecraft, denn die individuellen Meinungen unterscheiden sich nur im Mittelfeld, also bei mehr oder weniger durchschnittlichem Aussehen. Je näher man den Extremen kommt (äußerst attraktiv bzw. unattraktiv), desto einhelliger werden die Beurteilungen. Heißt, sehr un/attraktive Menschen werden von fast allen anderen als un/attraktiv wahrgenommen.

alleine hat geschrieben: Ich kann darüber nichts mitreden. Bin ausgeschlossen von der Diskussion. :(
Warum??
Lovecraft
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Re: Pech im Leben

Beitrag von Lovecraft »

@schlauwiener:

Dein Einwand geht - wieder einmal - ins Leere, da ich von "Extremen" - also entweder "potthässlich" oder (extrem) schön - gar nicht gesprochen habe, sondern mich tatsächlich auf den "Durchschnitt" der Menschheit bezog, wo diese Extreme doch eher selten vorkommen, also die Ausnahme sind, und im alltäglichen Leben von daher kaum eine Rolle spielen dürften... o.k. bei den "Stars" in Hollywood zählt das vielleicht - aber was haben Herbert und Otto aus Gelsenkirchen davon...?

...die überwiegende Mehrzahl ist weder ausgesprochen schön noch absolut hässlich - und innerhalb dieses Rahmens differieren die individuellen Bewertungskriterien durchaus - also stimmt es was ich sagte...
schlauwiener
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Re: Pech im Leben

Beitrag von schlauwiener »

Lovecraft hat geschrieben: Diese ganze "schön vs.hässlich"- Debatte ist ohnehin an den Haaren herbeigezogen, da es sich bei ästhetischen Wertungen wie "schön " und "hässlich" um höchst subjektive Kriterien handelt,...
Lovecraft hat geschrieben: ...da ich von "Extremen" - also entweder "potthässlich" oder (extrem) schön - gar nicht gesprochen habe, sondern mich tatsächlich auf den "Durchschnitt" der Menschheit bezog...
Ach tatsächlich... Dann habe ich wohl in dem oberen Zitat den Hinweis auf den Durchschnitt völlig überlesen. Wie dumm von mir. :wink:

Aber es war ja eigentlich auch vorher schon klar, dass es stimmt, was du sagst. How could I dare! :lol:
alleine
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Re: Pech im Leben

Beitrag von alleine »

Hatte 'nen kleinen Aussetzer. Und wieder so der Gedanke, dass ich vom realen Leben eigentlich nichts weiß, weil ich so isoliert lebe...
schlauwiener
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Re: Pech im Leben

Beitrag von schlauwiener »

"Es gibt auch die attraktivitätsbezogene Diskriminierung" - Soziologe Ulrich Rosar im Gespräch:

https://www.ardaudiothek.de/aus-dem-leb ... h/49823842
Abendstern
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Re: Pech im Leben

Beitrag von Abendstern »

Keine Ahnung, was das schon wieder für ein Beitrag zum Thema ist. Habe ihn mir auch nicht angesehen, denn ich habe keine Lust, mich schon wieder zu ärgern. Aber Diskriminierung gibt es in jedem Fall in beide Richtungen.

Eltern können ihr Kind ablehnen, weil sie es als zu schön oder als zu häßlich betrachten.

Bewerber, und insbesondere Bewerberinnen, können einen Job erhalten oder nicht erhalten, weil sie als zu schön oder zu häßlich betrachtet werden.

Menschen, und insbesondere Menschinnen, können zu Feierlichkeiten eingeladen werden oder auch nicht eingeladen werden, weil sie als zu schön oder zu häßlich betrachtet werden.

Wissenschaftler machen zudem oft den Fehler, Dinge als erstrebenswert zu betrachten, die insbesondere schöne Frauen häufig überhaupt nicht als erstrebenswert erachten. Insbesondere die sexuelle Aufmerksamkeit, die ihnen oft in einem Übermaß zuteil wird. Und gleichzeitig auf der anderen Seite wiederum Neid und Mißgunst hervorruft.

Andere Studien wiederum legen nahe, daß gerade Attraktivität, und insbesondere wiederum bei Frauen, häufig dazu führt, daß sie bei Beschwerden geringere medizinische Aufmerksamkeit bekommen und dadurch dringend gebotende Untersuchungen und Diagnosen ausbleiben.

Die Dinge sind relativ.

Und es ist Banane, krampfhaft so zu tun, als würden sich Glück und Pech im Leben von derlei singulären Parametern ableiten.

Es gibt Kinder, die kommen mit einer optisch stark beeinträchtigenden Behinderung auf die Welt, werden aber von ihren Eltern vergöttert und versorgt. Andere kommen als kleine gesunde Goldlöckchen auf die Welt und werden vernachlässigt, gedemütigt, mißhandelt, vergewaltigt und ermordet.

Ja, jetzt frage man sich doch mal, wer es da besser hat im Leben.

Es gibt so viele Schicksale wie Menschen auf der Welt.

Und ständig einer Gruppe davon zu unterstellen, sie hätte es viel besser als die andere, ist selbst eben auch schon eine Diskriminierung.
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