FREIES LEBEN

Persönliche Hoffnungen, Wünsche und Lebensperspektiven

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Peterchen
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Re: FREIES LEBEN

Beitrag von Peterchen »

Thorsten3210 hat geschrieben:
Peterchen hat geschrieben:Man kann Hartz IV als staatliches Suizidbeförderungsprogramm bezeichnen.
So sieht es aus. Und ich glaube auch, dass viele Sanktionen auf dem Nichterkennen von psychischen Krankheiten beruhen, die Leute werden fälschlich als arbeitsfaul eingestuft und schikaniert. Woher sollen auch z.B. ehemalige Telekom-Mitarbeiter, die als angelernte Arbeitsvermittler arbeiten, sowas erkennen?
So ist es. Die Leute haben keine psychologische oder medizinische Ausbildung und sind trotzdem befugt, potenziell kranke Menschen unter das Existenzminimum fallen zu lassen.

Und natürlich haben psychisch kranke Menschen eine stark erhöhte Wahrscheinlichkeit, arbeitslos zu werden und im H4-System zu landen, weshalb die Angabe, dass jeder 3. H4-Empfänger psychisch krank ist, durchaus zutreffen könnte.
Das Sozialgericht Gotha hat sogar geurteilt, dass Sanktionen gleich gegen mehrere Artikel des Grundgesetzes verstoßen, weil das Existenzminimum unterschritten wird.
Ich finde das offensichtlich: Wenn H4 das Minimum ist, das man braucht, um ein menschenwürdiges Leben zu führen, dann bedeutet jede Sanktion den Zwang zu einem menschenunwürdigen Leben. Und das sollte in Deutschland nicht möglich sein, theoretisch nicht mal bei strafrechtlichen Sanktionen. Bei H4 geht es aber nicht um Verbrecher, sondern um Menschen, die einen Termin verpassen oder nicht bereit sind, jeden Billigjob anzunehmen.
chris84

Re: FREIES LEBEN

Beitrag von chris84 »

Als ich vor drei Jahren meinen allerersten Suizidversuch hatte (genauer gesagt es sollte ein Versuch werden aber aufgrund eines „technischen“ Problems konnte ich erst gar nicht damit anfangen) habe ich meine Eltern danach aufgeklärt. Sowohl über meine Depression als auch über die Gedanken und Lebenseinstellung (die mich ja erst depressiv werden lässt). Somit habe ich ihnen auch meine Einstellung zu Arbeit erklärt und sie haben alle meine Gründe verstanden und akzeptiert.
Das Dumme an der Sache ist nur, dass sie das nach meiner Erklärung irgendwie so abgehakt haben. So nach dem Motto „Jetzt hat er mit uns drüber geredet und nun ist alles wieder gut“. Irgendwie haben die kurze Zeit später wohl alles wieder vergessen was ich so gesagt habe und sind zu ihrer alten Einstellung zurück gegangen. Die glauben nämlich ernsthaft wenn ich einen Job usw. bekomme dass es mir dann wieder besser gehen würde. Also habe ich sie in diesen Glauben gelassen und tue die ganze Zeit so als würde ich Jobs und Wohnungen suchen.
Es wäre zu umfangreich und auch zu off topic wenn ich jetzt noch erklären würde mit welchen Tricks und Lügen ich meine Eltern solange hinhalten konnte. Das Ganze ist moralisch gesehen sicherlich fragwürdig. Aber ich tue das ja nicht weil ich es geil und lustig finde. Meine Eltern würden ALLES tun um mich von einen Suizid abzuhalten. Deswegen muss ich dieses Spielchen treiben. Hier sind Tarnung und Täuschung die Strategien der Stunde.
Allerdings musste ich jetzt doch mal den Weg zum Arbeitsamt antreten, da ich diese Lügen irgendwann nicht weiter führen kann. Aber nicht um da Geld abzugreifen. Es ist ein reines Zeitschindungsprojekt. Solange mein H4-Antrag in Bearbeitung ist sind meine Eltern erstmal ruhig gestellt. Ob ich da Geld kriege oder nicht ist mir so was von egal. Aber ewig kann ich da auch nicht bleiben. Früher oder später werden die ja auch versuchen mich in Arbeitsmaßnahmen zu zwängen. Aber für den Moment reichts erstmal. Methodenwahl ist noch mal ein anderes Thema. Vielleicht schreibe ich später noch was dazu.
Thorsten3210
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Re: FREIES LEBEN

Beitrag von Thorsten3210 »

Ich glaube, Deine Eltern haben geglaubt und gehofft, dass Du eine Arbeit findest, die zu Dir passt und die Dir Spass macht. (Das Studium hast Du ja auch geschafft, nicht jeder schafft das). Und dann würdest Du ja jeden Tag gerne zur Arbeit gehen, und die Argumente in Deinem "Geständnis" wären hinfällig. So dachten Deine Eltern. Aber so einen Job finde erstmal, erst recht wenn Du ein paar Monate schon arbeitslos bist, meist muss man da das erstbeste nehmen, das einigermaßen passt. Wenn ich da an meine Zeit als Absolvent zurückdenke, ich war 27, es hagelte Absagen, irgendwann wurde der Druck so groß, auch finanziell, dass ich das nächtsbeste Angebot, das irgendwie mit meinem Studium zu tun hatte, genommen habe.......Wenn ich Du wäre, würde ich klare Fronten schaffen, und zur Ehrlichkeit gegenüber Deinen Eltern zurückkehren. Das ganze Versteckspiel wäre mir zu anstrengend. Vielleicht eine eigene Bude inkl. Einrichtung zulegen, finanziell hilft Dir das Amt (Umzugskosten, Erstausstattung).
chris84

Re: FREIES LEBEN

Beitrag von chris84 »

Kann sein, dass die das so gehofft haben. Vielleicht habe ich denen das nicht deutlich genug erklärt dass es eben keinen passenden Job für mich gibt. Aber selbst wenn ich so einen Chillerjob hätte wie Schrankenwärter Laumann: https://www.youtube.com/watch?v=jnB_w1CGWso

Selbst das würde mich nerven. Weil ich ja trotzdem 8h meines Tages unter Zwang stehen würde auch wenn ich da nix zu tun hätte.

Außerdem hatte ich eher ein Spaßstudium wo sich Zwänge und Verpflichtungen in Grenzen hielten. Studieren und arbeiten sind doch zwei unterschiedliche Sachen.

Nee, also mit dem Arbeitsamt das wird nicht lange gut gehen. Spätestens wenn die mich in Jobs rein zwängen wollen werde ich mich da eh wieder abmelden. Egal ob die mir nun eine Bude finanzieren oder nicht. Das wird nicht lange gut gehen. Außerdem war das ja auch nicht geplant dass ich meine Eltern drei Jahre zum Narren halte. Nur bei den Methoden…, also entweder klappt es nicht (die Story von meinem überlebten CO-Versuch kennt ihr ja bereits) oder es gibt andere Gründe warum ich es abbrechen oder verschieben muss.
Thorsten3210
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Re: FREIES LEBEN

Beitrag von Thorsten3210 »

Chris84 hat geschrieben:Chillerjob hätte wie Schrankenwärter Laumann
Mein Opa war Schleusenwärter am Kanal, der musste am Tag nur 2 Schiffe durchlassen. Ansonsten hatte er hinter dem Schleusenhäuschen einen kleinen Garten, in dem er die Dienstzeit zwischen den "Einsätzen" verbrachte. Er verdiente, da er nach BAT im öffentlichen Dienst bezahlt wurde, aber gar nicht mal schlecht :D
Jay2016
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Re: FREIES LEBEN

Beitrag von Jay2016 »

chris84 hat geschrieben: ......einen Chillerjob hätte wie Schrankenwärter Laumann: https://www.youtube.com/watch?v=jnB_w1CGWso

Selbst das würde mich nerven. Weil ich ja trotzdem 8h meines Tages unter Zwang stehen würde auch wenn ich da nix zu tun hätte.

Außerdem hatte ich eher ein Spaßstudium wo sich Zwänge und Verpflichtungen in Grenzen hielten. Studieren und arbeiten sind doch zwei unterschiedliche Sachen.
:lol: Das ist kein Job. Ich habe noch keine Definition dafür, was es ist.
Es kann aber auch sein, dass ich jahrelang einfach nur die falschen Berufe gewählt habe... :mrgreen:

Chris, verstehe ich es richtig.
Wenn jemand oder ein Unternehmen bestimmt, wo und wann du 8 Stunden zu sein hast am Tag, fühlst du dich unter Druck gesetzt?
Aber auch bei einem Spaßstudium gibt es Vorlesungen und Fristen (z.B. Klausuren/Hausarbeiten ).
Peterchen
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Re: FREIES LEBEN

Beitrag von Peterchen »

Jay2016 hat geschrieben:
Chris, verstehe ich es richtig.
Wenn jemand oder ein Unternehmen bestimmt, wo und wann du 8 Stunden zu sein hast am Tag, fühlst du dich unter Druck gesetzt?
Ich kann das nachvollziehen und sehe es eigentlich genauso. Man ist einfach kein freier Mensch, wenn man jeden Tag die Hälfte der wachen Lebenszeit den Anweisungen anderer Menschen gehorchen muss. Abzüglich Fahrtzeiten und anderen Erledigungen bleiben da oft nur 4 - 5 Stunden Freizeit. Und in denen ist man oft so müde, dass man mit der Zeit nicht mehr viel anfangen kann. Das Leben findet eigentlich nur an den Wochenenden und an den wenigen Urlaubstagen statt.

Also ich kann diesem Leben auch nicht viel abgewinnen. Das ist auch der Grund, wieso der Neid auf meine gesunden Altersgenossen heute nicht mehr so ausgeprägt ist wie in meiner Studienzeit :mrgreen:
Aber auch bei einem Spaßstudium gibt es Vorlesungen und Fristen (z.B. Klausuren/Hausarbeiten ).
Ja, aber erstens hält sich die Arbeitsbelastung je nach Studienfach schon sehr in Grenzen. Und zweitens studiert man ja möglicherweise, was einen interessiert und begeistert. Lernen ist aus meiner Sicht erfüllender als zum Profit eines Unternehmens beizutragen.
Thorsten3210
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Re: FREIES LEBEN

Beitrag von Thorsten3210 »

Peterchen hat geschrieben:Und zweitens studiert man ja möglicherweise, was einen interessiert und begeistert
Das schon, aber Du wirst Dich sicherlich an die Klausurenzeit am Semesterende und die Lern-Wochen davor erinnern, das war weniger begeisternd. Ich fand es sehr stressig, man wollte auf keinen Fall durchrasseln. Das gute war, man konnte sich die Zeit selber einteilen im Semester. Das ist im Arbeitsleben nicht so leicht möglich, da gibt der Chef den Takt vor :wink:
chris84

Re: FREIES LEBEN

Beitrag von chris84 »

Ich will mal kurz einen Vergleich starten. Einen Vergleich zwischen meiner Studienzeit und einem Arbeitsleben.

Ein Arbeitsleben sieht ungefähr so aus: Früh morgens aufstehen damit man so um 8Uhr auf Arbeit ist. Mit normaler Arbeitszeit und Pausen hat man also 17Uhr Feierabend. Da sind Überstunden (die ja eher die Regel als die Ausnahme sind) noch gar nicht mitgerechnet. Mit Pendeln und einkaufen und so hat man vielleicht erst ab 19Uhr seine reale Freizeit. Diese kann man aber gar nicht genießen weil man schon bald wieder ins Bett muss. Und warum? Um dann nächsten Tag wieder arbeiten zu gehen und der Ablauf von vorne beginnt. Und das 5 Tage die Woche. Das Wochenende kann man dann auch nicht wirklich genießen. Am Samstag hat man auch noch andere Dinge zu tun wie einkaufen und Wohnung in Schuss halten. Und Sonntag Abend muss man dann schon wieder früh ins Bett um am Montag wieder früh arbeiten zu gehen. Nee also das wäre echt kein Leben für mich. Für mich ist das eine unzumutbare Zumutung für die ich sehr gerne Sterbehilfe beantragen würde um so was umgehen zu können. Nur wird mir kein Arzt der Welt dafür grünes Licht geben. Das fällt dann unter selbstsüchtige Beweggründe.

Meine Studienzeit liegt ein paar Jahre zurück. Ich will auch nicht ewig dieser Zeit hinterher trauern aber trotzdem mal einen kleinen nostalgischen Einblick geben.
Mein Leben sah damals so aus: Mittags gemütlich aufstehen, erstmal chillen und mit meiner WG Frühstück und Mittag gegessen. Nachmittags mal ein oder zwei Vorlesungen besucht (a 90 Minuten). Am späten Nachmittag bzw. Abends wieder gekommen. Dann wieder mit der WG gechillt oder sonstigen Blödsinn gemacht. Ab und zu auf Partys. Insgesamt hatten wir so ca. 4-5 Monate Semesterferien im Jahr…
Zu den meisten Vorlesungen musste ich noch nicht mal hingehen. Denn es gab selten Anwesenheitspflicht. Zumal manche Vorlesungen auch gefilmt und dann ins Uninetz gestellt wurden. Also konnte man sich das frühe Aufstehen sparen und sich die Vorlesung nachmittags auf den heimischen PC anschauen.
Dann gab es zwar nervige Klausuren. Aber manchmal hat es ausgereicht eine Woche vorher mit lernen anzufangen. Das schöne war, dass es ausgereicht hat die Klausur nur zu bestehen. Die Klausurnoten flossen nicht in das Endzeugnis mit ein. Es war also völlig egal ob man die Klausur mit einer 1 oder knapp mit einer 4 bestanden hat. So konnte ich oft auch einen Tag vorher mit lernen anfangen. Ich brauchte ja nur das nötigste zum bestehen lernen. Der Slogan „Vier gewinnt“ bekam da eine ganz neue Bedeutung. Vor allem Vier heißt Bestanden. Bestanden ist Gut. Gut heißt Zwei. Und eine Zwei ist schon wieder fast eine Eins. :wink:

Nun hat man ja am Ende des Studiums ein großes Projekt vor sich, die Diplomarbeit. Aber auch da hatte ich meine Tricks um mir das etwas einfach zu gestalten. Erstmal habe ich ganz gemütlich alle benötigten Daten und Literatur gesammelt. Bis ich von meinem Betreuer grünes Licht bekam. Ab da hatte ich 6 Monate Zeit diese fertig zu schreiben. Wie ich halt so bin habe ich natürlich 5 Monate gechillt und den Rest in so einer Hauruck-Aktion fertig gestellt.
Eine Diplomarbeit hat ja meist so 120 Seiten. Nun gibt es zwar keine genaue Festlegung wie viel Seiten man haben muss aber ich hatte so knapp 70 Seiten geschrieben. Sehr wenig und selbst da habe ich noch geschummelt in dem ich z.B. Bilder größer gemacht habe als sie wirklich waren. Somit konnte ich Bilder strecken und mehrere Seiten damit füllen um irgendwie überhaupt ein paar Seiten zustande zu kriegen. Obwohl meine Arbeit am Ende viele inhaltliche und formale Fehler hatte wurde sie dennoch mit 1,7 bewertet. Daraus schließe ich dass der Dozent (der sehr streng benotet) meine Arbeit gar nicht gelesen haben kann. Sonst hätte er meine Arbeit niemals durchkommen lassen. Wahrscheinlich hat er nur mal kurz durchgeblättert, sich die schönen Bilder angeschaut und das wars dann. :mrgreen:

Wie ihr also sehen könnt, war ich schon immer der Typ der versucht hat den geringsten Widerstand zu gehen. Aber im Arbeitsleben ist so was nicht mehr möglich. Übrigens ich muss morgen zum Arbeitsamt. Eigentlich muss ich nur ein paar Unterlagen abgeben und gehe dann wieder. Aber selbst da beschleicht mich wieder ein ungutes Gefühl. Weil ich gehe ja auch wieder aus einem Zwang heraus dahin.
Abendstern
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Re: FREIES LEBEN

Beitrag von Abendstern »

Jay2016 hat geschrieben:Chris, verstehe ich es richtig. Wenn jemand oder ein Unternehmen bestimmt, wo und wann du 8 Stunden zu sein hast am Tag, fühlst du dich unter Druck gesetzt? Aber auch bei einem Spaßstudium gibt es Vorlesungen und Fristen (z.B. Klausuren/Hausarbeiten ).
Ist ja auch ein hausgemachter Quark. Nachdem ich persönlich davon überzeugt bin, daß Menschen auch nur Tiere sind, muß man sich einmal überlegen, welch krankes System wir uns da zusammengebastelt haben. Wo gibt es denn bitte im Tierreich solche Restriktionen? Im Zeitalter der Robotik muß man sich ohnehin mal langsam überlegen, ob es noch Sinn macht, den Verdienst eines Lebensunterhalts nach dem 8 Stunden-Modell weiterzuverfolgen. Abgesehen davon ist kein Mensch 8 Stunden am Stück produktiv. Es gibt bereits andere Modelle, die beweisen, daß weitaus weniger Stunden ebenso effizient sein können - wenn nicht sogar effizienter sind. Es sei denn, es handelt sich vielleicht um Fließbandarbeit. Aber gerade die wird ja in absehbarer Zeit höchstwahrscheinlich wegfallen. Geschichtlich gesehen sollte man überdies in das Zeitalter des Calvinismus zurückblicken. Erst ab da wurde Arbeit aus religiösem Eifer heraus zu einem definierten Hauptlebensinhalt. Dem Zeitalter der Industrialisierung konnte das Aufrechterhalten eines solchen Dogmas ja nur recht sein. Und bis heute profitieren die Großkapitalisten davon. Oder für wen oder was glaubt Ihr, zu arbeiten? Für Euren Lebensunterhalt? Nope. Am Ende der Kette fließt alles schön beim Großkapital zusammen. Das ist der Grund, weshalb es noch immer 8 Stunden-Tage gibt, und warum arbeitende Menschen heute Human Ressources heißen. Das meiste, das heute produziert wird, dient doch schon lange nicht mehr einer verbesserten Lebensqualität, sondern rein der Gewinnmaximierung; und zwar für die, die am Ende der Kette davon profitieren. Denn wer braucht schon im Jahrestakt ein neues Handy, ein neues Auto oder was auch immer? Unser System ist mehr als absurd und es lohnt sich, sich einmal näher mit den Hintergründen zu beschäftigen. Dann wird auch noch dem Letzten auffallen, daß es höchste Zeit wird, unsere fragwürdigen Lebensstrukturen einmal tiefergehend zu hinterfragen und nachhaltig etwas daran zu verändern.
Horla
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Re: FREIES LEBEN

Beitrag von Horla »

Kiri_HH hat geschrieben:Wie wäre es wohl mit allen Zwängen userer Gesellschaft zu brechen. ...
Ich glaube für viele Depressionsgeplagte,hochsensible Menschen könnte das eine wirkliche Alternative sein.Natürlich bedarf es dazu eine Menge Mut und inwieweit so eine Lebensführung geduldet wird bei voranschreitender Privatisierung von Land und Ressourcen ist auch nicht abzusehen.Aber es gibt Sie noch-die Freigeister,Aufgewachten,Mutigen... Und das motiviert ! Vielleicht traue ich mich ja mir das ganze mal vor Ort anzusehen ...
Märchen von den Bremer Stadtmusikanten hat geschrieben:zieh lieber mit uns fort, etwas Besseres als den Tod findest du überall
;)

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@chris84: Aber was ist mit Kants "kategorischem Imperativ"? Klar, "Wer die Arbeit kennt und sich nicht drückt, der ist verrückt." - Mache ich auch, irgendwie ... Aber, wenn alle das täten, würde doch nichts funktionieren. Das kann doch irgendwie auch nicht richtig sein, oder? Oder würdest Du sagen, Du bist krank? Ich meine, ernsthaft unzulässiges Wort zu planen (wie Du es ja tust), dafür muß man doch sehr verzweifelt sein. Ist dieses blöde 9 to 5-Arbeitsleben so eine Verzweiflung wert?
Abendstern
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Re: FREIES LEBEN

Beitrag von Abendstern »

Horla hat geschrieben:@chris84: Aber was ist mit Kants "kategorischem Imperativ"? Klar, "Wer die Arbeit kennt und sich nicht drückt, der ist verrückt." - Mache ich auch, irgendwie ... Aber, wenn alle das täten, würde doch nichts funktionieren. Das kann doch irgendwie auch nicht richtig sein, oder? Oder würdest Du sagen, Du bist krank? Ich meine, ernsthaft Selbsttötung zu planen (wie Du es ja tust), dafür muß man doch sehr verzweifelt sein. Ist dieses blöde 9 to 5-Arbeitsleben so eine Verzweiflung wert?
Ich heiße zwar nicht Chris, aber ich antworte trotzdem einmal. ;-)

Mir persönlich hat es immer Spaß gemacht, zu arbeiten. Und ich glaube, es geht auch vielen anderen so. Beruf und Berufung hängen ja von der Wortschöpfung nicht umsonst so eng zusammen. Ein Beruf kann ja auch sehr identitätsstiftend sein. Insofern ist die Wahrscheinlichkeit meines Erachtens recht gering, daß sich alle vor der Arbeit drücken würden. Aber natürlich kommt es darauf an, was für ein Beruf es ist und ob man einen Sinn darin finden kann. Das von Chris beschriebene Szenario finde ich auch sehr erdrückend. Dieses Zwanghafte, Reglementierte dabei. Für mich war es stets elementar wichtig, Freiräume in meinem Beruf zu haben und eben auch einen Sinn darin zu finden. Wenn ich das Gefühl hätte, ich müßte etwas nur tun, weil es mir irgendein Boss aufdrückt, dann würde ich auch sehr leiden. Daß dies zu Resignation und Sinnentleertheit führt, kann ich insofern gut nachvollziehen. Und nachdem ich die letzten Jahre intensiv damit zubringen durfte, die Sinnhaftigkeit unserer Welt und unseres Daseins darin zu hinterfragen, kommt es mir ohnehin so vor, als hätte ich Morpheus Kapsel geschluckt und wäre infolge dessen aus einer tiefen Gehirnwäsche aufgewacht. Seither kommt mir unser gesamtes Gesellschafts- und Wirtschaftssystem wirklich nur noch völlig absurd vor. Siehe oben. Ich hatte schon immer den Hang zum Freigeist, aber daß es so schlimm um unsere Gesellschaft bestellt ist, war mir vorher noch nicht so ganz klar. Mittlerweile bin ich so derart desillusioniert, daß dieses Rad einfach nicht mehr zurückzudrehen ist. Insofern kann ich es nur allzu gut verstehen, wenn man das Gefühl hat, sich nicht mehr einfügen zu können. Oder dies auch nicht mehr zu wollen. Und daß man vor die Wahl gestellt, lieber das Zeitliche segnen würde, als dieses absurde Theater weiter mitzumachen.
Rasiel
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Re: FREIES LEBEN

Beitrag von Rasiel »

Lieber Chris,

dir ist schon klar, dass du auf Kosten arbeitender Menschen lebst.

Es wäre schön, wenn unser Staat endlich solchen Menschen Mehrbettenunterkünfte und nur noch Essensgutscheine zur Verfügung stellt, ausgenommen natürlich Menschen, die durch Krankheit und nicht durch Faulheit in diese Lage gekommen sind, und auch nicht für Menschen, die jahrelang gearbeitet haben und unverschuldet in die Arbeitslosigkeit gerutscht sind.

Ein paar Zitate, die ausdrücken was ich bei einer solchen menschenverachtenden Ansicht denke.

"Denken ist die schwerste Arbeit, die es gibt. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum sich so wenig Leute damit beschäftigen."

"Faulheit ist die Furcht vor bevorstehender Arbeit."

(Marcus Tullius Cicero)

"Man gibt Almosen, um der Not abzuhelfen, aber nicht, um die Faulheit auf die Weide zu treiben."
(Aurelius)

"Ein Faulpelz ist ein Mensch, der sich keine Arbeit damit macht, sein Nichtstun zu begründen."
(Laub)

"Eine Stunde konzentrierter Arbeit facht die Lebensfreude besser an als ein Monat dumpfen Brüten."
(Benjamin Franklin 1706-1790)

"Es ist unglaublich, welche Arbeiten der Mensch auf sich nimmt, um nicht arbeiten zu müssen."
(Miguel de Unamuno 1864-1936)

Vielleicht solltest du dich bei deinem Termin auf dem Arbeitsamt mal um Arbeit bemühen, dann müsstest du nicht stundenlang hier im Forum verbringen und über deine Lebensmüdigkeit zu erzählen.

Lebensmüdigkeit - passt irgendwie !
Thorsten3210
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Re: FREIES LEBEN

Beitrag von Thorsten3210 »

Ich heisse zwar nicht Chris, aber ich finde, anstatt Chris den Wert von Arbeit zu erklären solltest Du lieber etwas dankbarer sein, dass Du arbeiten und Geld verdienen DARFST. Das ist heutzutage nicht mehr selbstverständlich bei 3,5 Millonen Arbeitslosen (Stand Okt. 2016, Unterbeschäftigung) gegenüber nur 652.633 offenen Stellen (Stand 2016). Also ist gar nicht für alle Arbeit da, sondern nur für jeden 5. Arbeitslosen. Ich vermisse hier die Dankesbekundungen :wink:.
Rasiel
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Re: FREIES LEBEN

Beitrag von Rasiel »

Hallo Thorsten,

da gebe ich dir Recht, viele Menschen suchen Arbeit.
Um so trauriger die offene Bekennung zur Unlust.

Was wäre denn wenn jeder so denken würde, wo kämen wir hin, spinnen wir den Gedanken doch mal weiter !
Nur weil der Herr zu wenig Freizeit hat - bei einer geregelten Beschäftigung muss er nicht auf Kosten der Allgemeinheit leben.

Ich habe nicht verallgemeinert, sondern die offensichtlichen Drückeberger, Müßiggänger, Hobbyarbeitslosen usw. gemeint.
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