Nach Anruf das LKA informiert - dann Amtsarzt

Meinungs- und Erfahrungsaustausch zum Thema Suizid; Berichte über gescheiterte Suizidversuche; suizidales Verhalten; Leben mit Suizidgedanken; Hilfestellungen

Moderatoren: Ludwig A. Minelli, Mediator

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Egal1969
Beiträge: 1
Registriert: Freitag 19. März 2021, 08:55
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Nach Anruf das LKA informiert - dann Amtsarzt

Beitrag von Egal1969 »

Hallo an alle :-)

Ich möchte Euch gerne etwas zur Info mitteilen, damit es Euch nicht auch unverhofft trifft.
Zu einer Diskussion fehlt mir die Kraft, daher werde ich wohl nicht mehr viel dazu schreiben. Ich möchte nur durch diesen Beitrag, den ein oder anderen "schützen".

Da bei mir so langsam die "Luft raus ist", fasse ich mich kurz:

Ich hatte ein telefonisches Gespräch (habe dabei meine Rufnummer unterdrückt) mit einem Polizeiseelsorger (Theologe).
Ich erzählte ihm von meinem Plan, mir das Leben zu nehmen und bezog mich auf den gekippten §217. Er hatte daraufhin ein Gespräch mit einem Polizeibeamten um etwas für mich abzuklären. Bitte nun keine Fragen, warum weshalb, das ist grad nicht wichtig. Ein Kollege bekam das mit, informierte (um sich selbst abzusichern und nicht als "Mitwisser" dazustehen) das LKA und bat darum, dass das Telefon des Seelsorgers geprüft wird, wer denn dort angerufen hat.
Kurzfassung:
LKA lehnte das Recht zum Erfragen ab, dann ging es zum OLG. Das OLG machte einen Beschluss, erlaubt den Zugriff auf das Handy vom Seelsorger, sie bekamen meine Nummer raus, erfragten bei meinem Telefonanbieter meine Daten und ZACK.... Amtsarzt war involviert. Die gute Dame wollte mich direkt einweisen lassen. Nach einem Gespräch mit ihr, machte ich ihr klar, das es "nur" ein Moment der Taurigkeit war und ich natürlich nicht vor hätte, mir das Leben wirklich zu nehmen. Dabei bekam ich mega tolle Unterstützung vom Seelsorger, der sich für mich einsetzte! Ihr könnt euch die Angst (in der Psychiartrie zu landen), gar nicht vorstellen. Ich hatte Ängste bei jedem Auto, das langsam am Haus vorbei fuhr, dass sie kommen und mich wochenlang wegsperren und mir meine Freiheit nehmen. Ich dachte schon daran, einfach von einer Brücke zu springen, was ja nicht mein Plan war. Ich hatte das Gefühl, regelrecht in den Tod getrieben zu werden. Es waren schreckliche und anstrengende Tage.

Das Gras wird gebeten über sie Sache zu wachsen....das Gras bitte......

Nach ein paar Tagen bin ich nun etwas zur Ruhe gekommen, die Ängste (abgeholt zu werden) haben nachgelassen.

Ich möchte hier keine Diskussion entfachen, ob was rechtens oder falsch gelaufen ist!

Ich habe es nur aus dem Grund geschrieben, dass es euch nicht auch widerfährt!

Also, immer dran denken, egal wo ihr anruft und auf "Hilfe" oder einfach nur gute Gespräche hofft,....wer weiß, welcher Trottel am anderen Ende einen Antrag beim LKA/OLG stellt, um eure Daten zu erfragen.

Das traurigste an der ganzen Situation ist, dass wenn man Gespräche oder Hilfe sucht, .....man sich öffnet und ehrlich heraus redet..... man krasse Schwierigkeiten bekommen kann. Die Freiheit des offenen Redens wurde mir genommen und das ist absolut traurig, da fehlen mir die Worte.

Daher schreibe ich jetzt hier mal, wie super gut es mir doch mittlerweile geht und wie schön doch das Leben sein kann ;-)
(Wer weiß, wer mitliest und meine IP erfragt)

Ich wünsche Euch alles Gute und dass dieser Kelch an Euch vorüberzieht.
Hurlinger
Beiträge: 148
Registriert: Donnerstag 19. Oktober 2017, 19:41

Re: Nach Anruf das LKA informiert - dann Amtsarzt

Beitrag von Hurlinger »

Aus genau dieser Angst heraus habe ich mir es bisher auch verkniffen die Telefonseelsorge anzurufen, obwohl ich das in manchen Situationen wirklich gebraucht hätte.

Gruß
Hurlinger
Hoffnungslose
Beiträge: 15
Registriert: Donnerstag 25. Februar 2021, 12:49

Re: Nach Anruf das LKA informiert - dann Amtsarzt

Beitrag von Hoffnungslose »

Das ist das schlimme daran weder bei der Telefonseelsorge oder ähnlichem noch in diversen Foren darf man erzählen wie schlecht es einem wirklich geht. Meine Hausärztin zu der ich halbwegs ehrlich war, hat mir auch gleich mit Klinik gedroht. Solche Situationen wie du es jetzt erlebt hast, nehmen nur das Vertrauen. Es wäre viel besser ehrlich reden zu können.
Onyx
Beiträge: 4
Registriert: Mittwoch 20. Januar 2021, 19:45

Re: Nach Anruf das LKA informiert - dann Amtsarzt

Beitrag von Onyx »

wer weiß, welcher Trottel am anderen Ende einen Antrag beim LKA/OLG stellt, um eure Daten zu erfragen.
Jep. Besser ist es, vorher dran zu denken.
Reden und Austausch mag ja ganz gut tun, aber man muss sich seine Gesprächspartner wirklich ganz genau aussuchen.
Daher schreibe ich jetzt hier mal, wie super gut es mir doch mittlerweile geht und wie schön doch das Leben sein kann
Aber natürlich. Hat das je einer bestritten. Wir sind uns doch da alle einig :lol:

Danke für deinen offenen Bericht.
Igel
Beiträge: 37
Registriert: Freitag 22. Januar 2021, 20:36
Wohnort: Norddeutschland

Re: Nach Anruf das LKA informiert - dann Amtsarzt

Beitrag von Igel »

Hallo,

schon krass was dieser Anruf für Wellen geschlagen hat, um dich ausfindig zu machen.
Da kannst wirklich niemanden vertrauen.
Echt traurig.

Gruß
Igel
senay75
Beiträge: 50
Registriert: Donnerstag 13. Februar 2020, 17:17

Re: Nach Anruf das LKA informiert - dann Amtsarzt

Beitrag von senay75 »

Ja geht´s noch???
Was für einen Aufwand die veranstalten!
Ich weiss wirklich nicht wo, wann, bei wem man ehrlich sagen kann wie es einem geht, ohne gleich in Verwahrung genommen zu werden.
Selbst in der Tagesklinik die ich letztes Jahr einige Wochen besucht habe, wollte man den Patienten immer weismachen, dass es doch sinnvoll wäre erst einmal auf die "geschützte" Station zu gehen um Abstand zu gewinnen.... :?
Peterchen
Beiträge: 738
Registriert: Freitag 30. Januar 2015, 13:02

Re: Nach Anruf das LKA informiert - dann Amtsarzt

Beitrag von Peterchen »

Einfach unfassbar. Dabei hatte ich gehofft, dass die Lage sich nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts gebessert hätte und es nicht mehr möglich wäre, von einer Suizidabsicht ohne weiteres auf Unzurechnungsfähigkeit zu schließen. Es ist ja vollkommen absurd, dass der Staat auf der einen Seite den Freitod als Grund- und Menschenrecht anerkennt, und andererseits jeder, der in Betracht zieht, von diesem Recht Gebrauch zu machen, immer noch damit rechnen muss, in eine Psychiatrie verschleppt und zwangsbehandelt zu werden.

Das Ganze dient offenbar nicht dem Zweck, Menschen mit Suizidgedanken zu helfen, sondern sie durch Abschreckung daran zu hindern, sich überhaupt zu "outen", damit Suizidgedanken auch in Zukunft möglichst wenig normalisiert und gesellschaftlich akzeptiert werden. Dass Menschen, die auf diese Weise gezwungen werden, aus ihrem Suizidwunsch ein Geheimnis zu machen, sich erst recht keine Hilfe suchen oder dass der TE kurz davor war, sich aus Angst vor der Abholung in den Tod zu stürzen, wird in Kauf genommen.
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