Erweiterter Suizid

Meinungs- und Erfahrungsaustausch zum Thema Suizid; Berichte über gescheiterte Suizidversuche; suizidales Verhalten; Leben mit Suizidgedanken; Hilfestellungen

Moderatoren: Ludwig A. Minelli, Mediator

Sadness
Beiträge: 209
Registriert: Donnerstag 29. April 2010, 10:26

Erweiterter Suizid

Beitrag von Sadness »

Mich würde mal interessieren, wie ihr das seht. Was denkt ihr über erweiterten Suizid? Es ist ein heikles Thema, ohne Frage.
Ich habe für mich schon oft darüber nachgedacht, also wie ich insgesamt zu dem Thema stehe. Ich würde keinen erweiterten Suizid umsetzen, weil ich mir klar darüber bin, dass ich nicht das Recht habe, das Leben eines anderen Menschen zu beenden, nur weil ich es hier nicht aushalte und gleichzeitig aber genau nur ein Mensch der Erlösung im Weg steht. Das wäre reiner Egoismus der übelsten Art. Ich finde es schrecklich, wenn z.B. Eltern ihre Kinder mit in den Tod nehmen, aber ich kann es gleichzeitig auch verstehen.
Die Frage: "Was, wenn ich ihn einfach mitnehme?", manchmal kommt sie mir. Aber die Antwort kann nur nein sein. Man kann und darf sein eigenes Leben beenden, aber nicht das eines anderem. Das steht keinem Menschen zu. Aber was ist mit dem Leid, dass man durch den Suizid verursacht? Es hinterlässt mindestens genauso viel Leid, wie man selbst ertragen hatte, bis es zum Suizid kam. Es ist, also hinterließe man ein Erbe aus Leid...
Mich zerreißt dieser Zwiespalt. Auf der einen Seite einfach nicht mehr zu können und wirklich sterben zu wollen, und gleichzeitig aber zu sehen und zu wissen, dass es ein anderes Leben zerstören wird. Weil es da diesen einen Menschen gibt, der mir nicht egal ist, und dem man blöderweise eben auch nicht egal ist. Ich wünsche mir oft, ich hätte ihn nie getroffen, er wäre einfach weg aus meinem Leben, die gemeinsame Vergangenheit ausgelöscht. Mir liegt nicht viel an Menschen, ich könnte gut ohne. Aber ich habe mich da vor vielen Jahren von meinem Hormonen ? lassen und mich verliebt. Ich habe mich gebunden, obwohl nichts in mir das jemals wollte. Und nun sitzt ich da, habe einen Partner und fühle mich dadurch ans Leben gefesselt, dass ich nicht leben will.
Mein Papa wollte mich mitnehmen, da war ich 13. Aber er war dann doch zu schwach und wir leben beide immer noch, so viele Jahrzehnte später.
Ich wünschte, er hätte uns beide erlöst. :cry:
bluebanana_51
Beiträge: 33
Registriert: Dienstag 17. Juli 2018, 11:45

Re: Erweiterter Suizid

Beitrag von bluebanana_51 »

Falls man sich selbst umbringen will und gute Gründe hat, okay. Aber anderen darf man das nie antun und man sollte jedem Menschen diese Entscheidung selbst überlassen. Man ist dann nichts besseres als ein Mörder falls man andere zuerst umbringt und dann sich selbst.
Lovecraft
Beiträge: 293
Registriert: Montag 26. Juni 2017, 12:09

Re: Erweiterter Suizid

Beitrag von Lovecraft »

Ist wirklich eine schwierige Frage...ich habe grundsätzlich etwas dagegen, andere da mit hineinzuziehen...die Entscheidung für oder gegen das Leben kann und darf nur jeder für sich alleine treffen, das ist auch mein Standpunkt... andererseits denke ich aber nicht, daß man auch auf sämtliche möglichen "Kollateralschäden", die der eigene Tod bei anderen hinterlassen wird, Rücksicht nehmen kann und muß....denn ansonsten müßte man den Suizid als solchen grundsätzlich verwerfen, da er - fast immer - Auswirkungen auf andere Menschen, auf die Hinterbliebenen, haben wird...es sei denn, man lebt bereits völlig isoliert und vereinsamt, was sicher bei nicht wenigen, so auch bei mir, der Fall ist...bis auf meine Eltern glbt es da niemanden mehr...
bluebanana_51
Beiträge: 33
Registriert: Dienstag 17. Juli 2018, 11:45

Re: Erweiterter Suizid

Beitrag von bluebanana_51 »

Man weiß aber nicht welche Auswirkung sein Suizid haben wird und falls die anderen wollen, können sie sich ja immer noch im Extremfall selbst umbringen.
Deswegen: klares nein!!!!
MyWaye
Beiträge: 11
Registriert: Samstag 28. April 2018, 17:44
Wohnort: Oberhausen

Re: Erweiterter Suizid

Beitrag von MyWaye »

Es gibt ja auch diese Amokläufer, die meist ja auch Suizid begehen, da kann man doch auch von erweitertem Suizid sprechen. Die wollen sich wohl einfach mit einem großen Knall verabschieden.
Sadness
Beiträge: 209
Registriert: Donnerstag 29. April 2010, 10:26

Re: Erweiterter Suizid

Beitrag von Sadness »

Was mich berührt und traurig macht ist, wie viele alte Menschen gemeinsam Suizid begehen. Oft ja wohl im Einvernehmen. Das fällt ja auch unter erweiterten Suizid, hat für mich aber eine ganz andere Dimension als das "jemand" mitreißen. Ich kann gut verstehen, dass wenn zwei Menschen ihr Leben miteinander verbracht haben und einer wird z.B. schwer krank oder beide erleben nicht mehr eine Lebensqualität, die sie erfüllt, dass sie dann gemeinsam gehen.
Vor kurzem erst gab es so einen Doppelsuizid erst wieder in der Nähe...
Erloesung
Beiträge: 282
Registriert: Montag 26. Januar 2009, 00:00

Re: Erweiterter Suizid

Beitrag von Erloesung »

Sadness hat geschrieben:Was mich berührt und traurig macht ist, wie viele alte Menschen gemeinsam Suizid begehen. Oft ja wohl im Einvernehmen. Das fällt ja auch unter erweiterten Suizid, hat für mich aber eine ganz andere Dimension als das "jemand" mitreißen. Ich kann gut verstehen, dass wenn zwei Menschen ihr Leben miteinander verbracht haben und einer wird z.B. schwer krank oder beide erleben nicht mehr eine Lebensqualität, die sie erfüllt, dass sie dann gemeinsam gehen.
Vor kurzem erst gab es so einen Doppelsuizid erst wieder in der Nähe...
Warum soll es traurig sein, wenn alte Menschen (vermutlich auch in vielen Fällen körperlich krank), gemeinsam Suizid begehen?

Aber das ist kein sog. "erweiterter Suizid". Denn von erweitertem Suizid spricht man, wenn kein Einverständnis der anderen Person/en vorliegt.

Übrigens gab es auch, ich glaube es war sogar ein deutscher großer TV-Privatsender, ein Filmbeitrag, wo ein sehr altes Ehepaar gemeinsam Suizid begangen hat, per Sterbehilfe-Organisation.
Lebensmüder
Beiträge: 128
Registriert: Dienstag 6. Juni 2017, 12:50

Re: Erweiterter Suizid

Beitrag von Lebensmüder »

Erloesung hat geschrieben:Übrigens gab es auch, ich glaube es war sogar ein deutscher großer TV-Privatsender, ein Filmbeitrag, wo ein sehr altes Ehepaar gemeinsam Suizid begangen hat, per Sterbehilfe-Organisation.
Gibt es einige. Erinnere mich da an ein älteres Ehepaar, das mit einer Überdosis Insulin Schluss gemacht hat.

Alt werden ist in den meisten Fällen einfach die Hölle
Man muss nur in ein beliebiges Altenheim (furchtbares Wort) oder auf eine geriatrische Station gehen.
Nein danke! :roll:
Balduin
Beiträge: 631
Registriert: Donnerstag 30. September 2010, 17:24
Wohnort: Deutschland

Re: Erweiterter Suizid

Beitrag von Balduin »

Für mich im Grunde indiskutabel. Das geschieht ja, gefühlt und laut Medienberichten, alle paar Tage. Wie kann man andere, Kinder gar, ermorden, wenn man selbst nicht mehr leben möchte? -- Der Extremfall war 2015, der Germanwings-Massenmörder.
TraurigER
Beiträge: 147
Registriert: Samstag 27. März 2010, 12:12

Re: Erweiterter Suizid

Beitrag von TraurigER »

Man kann und darf ja nicht für andere entscheiden. Klar, erstmal wird der eigenen Suizid die Angehörigen oder wen auch immer man mitnehmen möchte, schockieren. Aber stärkere Gemüter als man selbst, kommen darüber hinweg und wenn nicht, haben auch sie die Option selbst zu gehen.

Die wirklich einzige Option, die ich sehe ist die, wenn man einen schwerkranken Angehörigen hat, der im Idealfall auch noch alt ist und dieser einen bittet, man möge ihn töten, da er selbst es nicht mehr kann und bei dem nur noch ein Leben mit Schmerzen oder dahin vegetieren möglich ist.

Aber für den "klassichen" erweiterten Suizid gibt es wahrhaft nicht einen einzigen Grund.
Balduin
Beiträge: 631
Registriert: Donnerstag 30. September 2010, 17:24
Wohnort: Deutschland

Re: Erweiterter Suizid

Beitrag von Balduin »

Was Du beschreibst, der schwerkranke Angehörige, das ist dann eher Tötung auf Verlangen. Ein Straftatbestand.
Scotti
Beiträge: 587
Registriert: Donnerstag 3. Juni 2010, 10:34

Re: Erweiterter Suizid

Beitrag von Scotti »

Balduin hat geschrieben: Dienstag 22. Dezember 2020, 11:21 Was Du beschreibst, der schwerkranke Angehörige, das ist dann eher Tötung auf Verlangen. Ein Straftatbestand.
Exakt, mein Lieber. Wobei... wenn man sich danach selber erlöst, würde nicht mal wirklich ermittelt werden, da Ermittlungen gegen Tote, Gott sei Dank, in D und der Schweiz verboten sind.
Balduin
Beiträge: 631
Registriert: Donnerstag 30. September 2010, 17:24
Wohnort: Deutschland

Re: Erweiterter Suizid

Beitrag von Balduin »

Hurlinger
Beiträge: 136
Registriert: Donnerstag 19. Oktober 2017, 19:41

Re: Erweiterter Suizid

Beitrag von Hurlinger »

Balduin hat geschrieben: Dienstag 26. Januar 2021, 11:08 Ziemlich fies

https://www.berliner-kurier.de/panorama/unzulässiges Wort.134694


Das ist einfach nur richtig krank. Wenn man mit senem Leben nicht klar kommt soll man die Entscheidung ob man sein Leben lebenswert betrachtet seinen Mitmenschen, auch Kindern, die irgendwann selbst entscheiden wollen/können, selbst überlassen und hat sich da rauszuhalten meiner Meinung nach. Die einzige Erklärung für mich ist:
"Krank, Heftig krank"!
Igel
Beiträge: 32
Registriert: Freitag 22. Januar 2021, 20:36
Wohnort: Norddeutschland

Re: Erweiterter Suizid

Beitrag von Igel »

Hallo,

ich empfinde den erweiterten Suizid eindeutig und ohne Zweifel als Mord.
Niemand hat das Recht, das Leben eines anderen Menschen, zu beenden, nur weil man selber nicht mehr leben will.

Wenn man sich selber das Leben nimmt, hinterläßt man, wie Sadness schon schrieb,
ein Erbe aus Leid.
Dieses Leid ist unbeschreiblich. Dennoch sollte man diese Entscheidung versuchen zu verstehen. Leider können das nicht viele Menschen.

Ich habe meine Tochter durch Suizid verloren. Sie auch gefunden.

Leider sind Depression wohl doch irgendwie vererblich. Sie wollte mein Leben nicht leben und das verstehe ich nur zu gut.

Gruß
Igel
Antworten