Suizidmethode bezogen auf Akutsymptomatik

Meinungs- und Erfahrungsaustausch zum Thema Suizid; Berichte über gescheiterte Suizidversuche; suizidales Verhalten; Leben mit Suizidgedanken; Hilfestellungen

Moderatoren: Ludwig A. Minelli, Mediator

Vögelchen
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Suizidmethode bezogen auf Akutsymptomatik

Beitrag von Vögelchen »

Hallo Ihr,
ich habe mich gestern bei diesem Forum frisch angemeldet. Nachdem ich bereits mehrere depressive Phasen durchlebt habe und ich im Jahr 2011 nichts lieber getan hätte als mich zu töten (ich wollte meinen vernichtenden Gefühlen ein Ende setzen), war es mir nicht möglich. Der Grund dafür: Wenn es mir psychisch sehr schlecht geht, bin ich nicht in der Lage mich zu bewegen. Das Einzige wozu ich eventuell noch fähig wäre, ist mir eine Waffe an den Kopf zu halten und abzudrücken. Aber auch nur, wenn diese bereits in greifbarer Nähe liegen würde.

In diesem Forum werden oft Suizidmethoden diskutiert, die effektiv und nicht schmerzhaft sind. Aber sind sie aufgrund der Akutsymptomatik für den Einzelnen auch passend? Wie sieht das bei Euch aus? Seit Ihr bei schlechter Verfassung eher unruhig und aktiv?

viele Grüße
Vögelchen
Vanitas
Beiträge: 48
Registriert: Montag 6. November 2017, 22:01

Re: Suizidmethode bezogen auf Akutsymptomatik

Beitrag von Vanitas »

Vögelchen hat geschrieben:Hallo Ihr,
ich habe mich gestern bei diesem Forum frisch angemeldet. Nachdem ich bereits mehrere depressive Phasen durchlebt habe und ich im Jahr 2011 nichts lieber getan hätte als mich zu töten (ich wollte meinen vernichtenden Gefühlen ein Ende setzen), war es mir nicht möglich. Der Grund dafür: Wenn es mir psychisch sehr schlecht geht, bin ich nicht in der Lage mich zu bewegen. Das Einzige wozu ich eventuell noch fähig wäre, ist mir eine Waffe an den Kopf zu halten und abzudrücken. Aber auch nur, wenn diese bereits in greifbarer Nähe liegen würde.

In diesem Forum werden oft Suizidmethoden diskutiert, die effektiv und nicht schmerzhaft sind. Aber sind sie aufgrund der Akutsymptomatik für den Einzelnen auch passend? Wie sieht das bei Euch aus? Seit Ihr bei schlechter Verfassung eher unruhig und aktiv?

viele Grüße
Vögelchen
Hallo, Depressionen würde ich mit ausgiebigen Wanderungen in der Natur bekämpfen.
Zuletzt geändert von Vanitas am Montag 27. November 2017, 12:18, insgesamt 1-mal geändert.
sugarandspice
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Re: Suizidmethode bezogen auf Akutsymptomatik

Beitrag von sugarandspice »

gelöscht
Vanitas
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Re: Suizidmethode bezogen auf Akutsymptomatik

Beitrag von Vanitas »

Meint ihr Depressionen sind hauptsächlich wegen anderer Menschen, also das man sich nicht wohlfühlt unter den Menschen?
Zuletzt geändert von Vanitas am Montag 27. November 2017, 12:19, insgesamt 1-mal geändert.
Vögelchen
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Re: Suizidmethode bezogen auf Akutsymptomatik

Beitrag von Vögelchen »

Hallo Ihr,
Danke für Eure Antworten. Ich habe mich in meinem Schreiben wohl nicht deutlich genug ausgedrückt. Es geht mir nicht um die Erkrankungen, die Menschen in dieses Forum gebracht haben. Und auch nicht darum, woher diese kommen. Es geht mir darum, wie Ihr Euch fühlt, wenn Ihr am liebsten SOFORT sterben wollt und Ihr das Leiden (welches auch immer) nicht mehr ertragen könnt oder wollt. Ich möchte wissen, ob Ihr in solchen Situationen in der Lage seid Euch zu bewegen und zu handeln. Also Seil besorgen, irgendwo anbinden, Schlinge bilden, auf den Stuhl steigen usw.... oder auf das Dach eines Hochhauses gehen usw..... Vorallem die Kohlenmonoxidmethode erfordert schon ein gehöriges Maß an Vorbereitung. Und genau das könnte ich nicht bewerkstelligen, wenn ich akut aus dem Leben verschwinden wollte. Es wäre mir schlicht und einfach nicht möglich mich zu bewegen. Ich liege da, meist auf dem Sofa und bin erst nach ca. 1 bis 2 Stunden wieder in der Lage aufzustehen. Dann geht es mir psychisch aber auch wieder nicht mehr so schlecht, dass ich mich noch töten wollte.

Da sich jedoch viele Menschen jährlich das Leben nehmen, muss es ihnen anders ergehen als mir. Also beweglich sein. Meine Frage können wohl nur Leute beantworten, die einen Suizidversuch hinter sich haben. Was geht in Euch in dieser Situation durch den Kopf? Woher nehmt Ihr die Kraft zu handeln?

Viele Grüße
Vögelchen
Vanitas
Beiträge: 48
Registriert: Montag 6. November 2017, 22:01

Re: Suizidmethode bezogen auf Akutsymptomatik

Beitrag von Vanitas »

Vögelchen hat geschrieben: Was geht in Euch in dieser Situation durch den Kopf? Woher nehmt Ihr die Kraft zu handeln?

Viele Grüße
Vögelchen
Das ist eine rationale Abwägung bei vielen Leuten, würde ich vermuten. So wie z.B. bei Gunter Sachs der kein Leben mit Alzheimer führen wollte. Wenn das und das geschieht entscheide ich mich in einem bestimmten Zeitrahmen das zu tun. Also wenn man nach Unfall seit 2 Jahren erheblich Beschwerden hat, fasst man den Entschluss das noch 1 Jahr mitzumachen und bei ausbleibender Besserung und wenig Hoffnung das zu tun. Da muss nicht unbedingt was in einem vorgehen, man kann beste Laune haben (zum Beispiel weil man sich drauf freut keine Schmerzen mehr zu haben) und einfach nur einen Plan und einen schon lange vorher gefassten Entschluss umsetzen.

Wenn man natürlich anfängt sich Gedanken zu machen artet das sehr schnell in bodenlosen Weltschmerz und Melancholie aus. Da wären wir dann auch schon bei den Leuten die kurzentschlossen genau daraus den Entschluss fassen. Naja, die halt alle zwei Wochen oder so mal den Strick übern Dachbalken werfen und sich dann drunter setzen und ordentlich heulen und dann geht's aber auch wieder. :D :(

Also die typische Novalis Stimmung... https://www.lyrik.ch/lyrik/spur3/novalis/novalis1.htm
Peterchen
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Re: Suizidmethode bezogen auf Akutsymptomatik

Beitrag von Peterchen »

Meine Suizidgedanken sind überhaupt nicht "anfallsartig". Es ist nicht so, dass ich in schlimmen Stunden den Zwang spüre, mich sofort umzubringen, und zwei Stunden später geht es mir besser und ich möchte nicht mehr sterben. Ich habe die ganze Zeit einen stabilen, reflektierten Suizidwunsch. Und es ist auch nicht die Schwierigkeit der Umsetzung, sondern die Rücksicht auf meine Familie, die mich (noch) zurückhält.
Vanitas hat geschrieben:Wenn man natürlich anfängt sich Gedanken zu machen artet das sehr schnell in bodenlosen Weltschmerz und Melancholie aus. Da wären wir dann auch schon bei den Leuten die kurzentschlossen genau daraus den Entschluss fassen. Naja, die halt alle zwei Wochen oder so mal den Strick übern Dachbalken werfen und sich dann drunter setzen und ordentlich heulen und dann geht's aber auch wieder. :D :(
Im besseren Fall. Im schlechteren Fall nehmen sie ungeeignete Medikamente oder ritzen sich ein bisschen die Arme, landen in der Psychiatrie und bilden dann die 90% der missglückten Suizidversuche, welche diejenigen mit Argumenten versorgen, die Suizidversuche nur für "Hilferufe" halten.

Deshalb bitte keine Affekthandlungen.
Vanitas
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Re: Suizidmethode bezogen auf Akutsymptomatik

Beitrag von Vanitas »

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Vanitas
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Re: Suizidmethode bezogen auf Akutsymptomatik

Beitrag von Vanitas »

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Zuletzt geändert von Vanitas am Donnerstag 30. November 2017, 08:18, insgesamt 1-mal geändert.
Vanitas
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Re: Suizidmethode bezogen auf Akutsymptomatik

Beitrag von Vanitas »

Depressionen können ja auch körperliche Ursachen haben und daher auch eine (schwere) Krankheit. Ärzte werden einem da kaum helfen befürchte ich, nicht mit den zur Verfügung stehenden Medikamenten. Da würde ich lieber Gras rauchen als mich mit dem Chemie Cocktail wegzuballern. Oder alternative Methoden testen, von Sitzungen vor der Taglichtlampe bis zur Anschaffung einer Katze und einer Muse, also einer bezahlten Dame zur Stimmungsanhebung, zugegeben aber auch eine Geldfrage.

Allgemein ist es wahrscheinlich im Kern die Thematik rund ums Geld, was viele Leute verzweifeln lässt, vermute ich. Denn Geld bestimmt letztlich die ganze Lebenssituation und die Zwänge in denen wir uns bewegen. Vor dem Geld stehen andere Dinge, die aber letztlich am Geld hängen.

Interessant finde ich auch das Thema der kollektiven Neurose.

http://board.netdoktor.de/beitrag/die-k ... se.189810/
Vanitas
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Re: Suizidmethode bezogen auf Akutsymptomatik

Beitrag von Vanitas »

Drogenprobleme sind auch ein Grund, von Alkohol, über Tabletten bis Opiate, einmal in so einem Prozess über viele Jahre gefangen, ist ein Entkommen schwer, unser Leben hat schon viele Tücken und Fallstricke.
Peterchen
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Re: Suizidmethode bezogen auf Akutsymptomatik

Beitrag von Peterchen »

Drogenprobleme habe ich zum Glück nicht. Auch keine Depression im engeren Sinne. Sondern eine chronische Infektion, die auch das Gehirn betrifft und meine Lebensqualität auf Null bzw. in den negativen Bereich gesenkt hat.

Das Ganze weitgehend ohne Schmerzen. Aber Schmerzen sind ja nicht die einzige Ursache von Leid. Anders gesagt: Die Abwesenheit von Schmerz ist nicht gleichbedeutend mit einem lebenswerten Leben.
Da würde ich lieber Gras rauchen als mich mit dem Chemie Cocktail wegzuballern.
Naja, strenggenommen ist alles Chemie. Und ob ein Stoff synthetischen oder natürlichen Ursprungs ist, sagt noch nichts über die Gefährlichkeit. Trotzdem kann man es mit Weed oder mit Kratom versuchen. Mit Kratom hatte ich mal einen sehr schönen Tag... hat leider mein Immunsystem ein bisschen runtergefahren und dadurch meine Krankheit verstärkt.
Vanitas
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Re: Suizidmethode bezogen auf Akutsymptomatik

Beitrag von Vanitas »

Peterchen hat geschrieben:Drogenprobleme habe ich zum Glück nicht. Auch keine Depression im engeren Sinne. Sondern eine chronische Infektion, die auch das Gehirn betrifft und meine Lebensqualität auf Null bzw. in den negativen Bereich gesenkt hat.

Das Ganze weitgehend ohne Schmerzen. Aber Schmerzen sind ja nicht die einzige Ursache von Leid. Anders gesagt: Die Abwesenheit von Schmerz ist nicht gleichbedeutend mit einem lebenswerten Leben.
Da würde ich lieber Gras rauchen als mich mit dem Chemie Cocktail wegzuballern.
Naja, strenggenommen ist alles Chemie. Und ob ein Stoff synthetischen oder natürlichen Ursprungs ist, sagt noch nichts über die Gefährlichkeit. Trotzdem kann man es mit Weed oder mit Kratom versuchen. Mit Kratom hatte ich mal einen sehr schönen Tag... hat leider mein Immunsystem ein bisschen runtergefahren und dadurch meine Krankheit verstärkt.
Ja Kratom, bildet aber schnell Toleranz, soll man nicht mehr als 1 mal in der Woche nehmen. Hatte mal einen Beutel bestellt bisher aber nicht genommen. Hab mich schlau gelesen, was bringt es mir, hab ja Opioide als Tabletten. Mir geht's nicht um schöne Tage sondern um Schmerzreduktion. Das Zeug ist halt kein genormtes Medikament, Wirkstoffgehalt drei Fragezeichen. Cannabis, auch hochdosiert, reduziert meine Nervenschmerzen nicht, es verändert sich nur die Wahrnehmung, teils sogar noch unangenehmer. Ist das richtige Medikament für magersüchtige Mädchen. Aber eigentlich auch bei Depression, ist doch gemütlich wenn man high ist. Naja bei mir ist wegen Auto, ich brauche das fast jeden Tag, man muss den Wagen mindest 3 Tage stehen lassen, man spielt sonst mit dem Führerschein, deshalb konsumiere ich auch nicht, hatte es nur 3-4 mal für Schmerzen durchgetestet, davor war ich über 15 Jahre abstinent.

Infektion ist schlecht, Borreliose oder sowas, kann auch in die Nerven gehen, dann hat man ein gravierendes Problem.
Vögelchen
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Re: Suizidmethode bezogen auf Akutsymptomatik

Beitrag von Vögelchen »

Hallo Peterchen:
Ich habe festgestellt, dass meine Depressionen von Phase zu Phase verschiedene Quatitäten aufweisen. Auch ich kenne Zeiten, in denen ich fast ununterbrochen daran gedacht habe nicht mehr leben zu wollen. Aber ich habe es trotzdem nicht geschafft mich zu töten. Der Grund dafür ist, dass ich keine Waffe besitzen darf. Dies Privileg haben komischer Weise viele Reiche, so auch Gunter Sachs. Sich zu erschießen geht schnell, bedarf keine große Vorbereitung und ist, richtig durchgeführt, zu 100 % erfolgreich. Alle anderen Methoden sind nicht so einfach und sicher auszuführen oder erfordern ein Aktivitätsniveau, welches ich nicht aufbringen kann.
Peterchen, welche Familie hält Dich von der Selbsttötung ab? Deine Ursprungsfamilie oder Deine eigene Kleinfamilie?

Hallo Vanitas,
meine derzeitige Depression hat eine vollkommen andere Qualität als die Zuvorigen. Mittlerweile bin ich 53 Jahre alt. Ich ziehe derzeit Bilanz über mein Leben und wäge ab, welche positiven Dinge ich eventuell noch erwarten kann. Vor einem Jahr habe ich den Entschluss gefasst aus meiner jahrelangen Einsamkeit zu fliehen und wieder in meine Heimat zurück zu ziehen. Ich dachte, falls mir diese Aktion nicht weiterhelfen würde, könne ich mir ja immer noch das Leben nehmen. Aber ich hätte es wenigstens versucht. Dafür musste ich meinen relativ gut bezahlten und sicheren Job aufgegeben. Diesen Schritt habe ich nur gewagt, weil ich in meiner Heimat einen ebenfalls gut bezahlten Job gefunden hatte. Aufgrund meiner Depression habe ich jedoch die Probezeit nicht überstanden. Nun bin ich zwar nicht mehr so einsam, aber erwerbslos. Damit kann ich überhaupt nicht umgehen, zumal ich aufgrund meiner Krankheit in meinem alten Job wohl nicht mehr arbeiten gehen kann/sollte. Ich würde sehr gerne eine neue Ausbildung machen, aber mit 53 werde ich wohl kaum eine Chance dafür haben. Ich habe eine wahnsinnige Angst vor Harz IV. Unter solchen Umständen möchte ich auf keinen Fall leben. Momentan sieht es aber so aus, dass ich meiner Horrorvorstellung täglich näher komme. Ich weiß nicht woran es liegt, aber ich habe den Eindruck, je mehr ich mich bemühe mein Leben zu verbessern, umso mehr verschlechtern sich meine Umstände. Wohin soll das noch führen?

Ein weiteres Problem ist: In meinem Freundeskreis gibt es niemanden, der sich in einer solchen Situation befindet. Ganz im Gegenteil. Sie haben Eigentum, sind Doppelverdiener und können sich fast jeden Traum erfüllen. Auch niemand von Ihnen kann sich ein Singleleben vorstellen oder wie es ist, wenn man gezwungen ist, nur von sich selbst umgeben sein zu müssen, weil man eben keine Kinder oder Tiere hat. Ich fühle mich daher nicht nur wegen meiner Erkrankung, sondern auch wegen meines Singledasein und der nun zusätzlich aufgetretenden Erwerblosigkeit an den Rand gedrängt. Ohne mein Antidepressivum könnte ich im Übrigen nicht leben. Nur ihm habe ich zu verdanken, dass es mir (noch) einigermaßen gut geht.

Viele Grüße
Marlies
Vanitas
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Re: Suizidmethode bezogen auf Akutsymptomatik

Beitrag von Vanitas »

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Zuletzt geändert von Vanitas am Donnerstag 30. November 2017, 08:08, insgesamt 1-mal geändert.
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