Die innere Haltung zum Suizid

Meinungs- und Erfahrungsaustausch zum Thema Suizid; Berichte über gescheiterte Suizidversuche; suizidales Verhalten; Leben mit Suizidgedanken; Hilfestellungen

Moderatoren: Ludwig A. Minelli, Mediator

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Seit Jahren
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Die innere Haltung zum Suizid

Beitrag von Seit Jahren »

Anstatt über Methoden zu diskutieren könnte man doch mal darüber diskutieren, welche innere Haltung man braucht. Mal von den ganz dummen Methoden abgesehen, scheitern doch viele (nicht so dumme Methoden) im Grunde daran, dass man es nicht so richtig will. Jedenfalls bei mir. Ich vermute, es dürfte Anderen hier auch so oder ähnlich ergehen.

Was bei mir weg müsste:

-Schlechtes Gewissen
-Angst vor dem Sterbevorgang
-Angst davor, dass ich trotzdem auf eine bewusste Art weiterexistiere auch ohne Körper
-Angst davor, dass ich behindert überlebe (und dann mich misshandelnden Pflegern/Ärzten völlig ausgeliefert bin)
-Die Hoffnung, dass es nach jahrelangem Leiden (und hoffen und immer dafür kämpfen, dass es besser wird) plötzlich doch noch gut wird

Am besten sollten diesen Ängsten die Grundlagen entzogen werden. Das klingt jetzt nur zufällig wie der Werbespruch für Benzos. Ich meine natürlich in mir, auch ohne Drogen. Dass ich z.B. zu 100% weiss, dass nichts mehr kommt nach dem Tod. Eigentlich fände ich es logisch, da in der Natur alles stirbt und Neues daraus hervorgeht. Und die Idee peinlich und bescheuert. Aber es gibt ja Nahtoderfahrungen und in vielen Religionen ein Leben nach dem Tod.v :?

Was bei mir her müsste:

-Perfekte Selbstbeherrschung

Wie ich das zu erreichen gedenke:

-Sport
-Meditation
-Fasten
-Einfach Zeit vergehen lassen, bis das Leben mir ausreichend oft bewiesen hat, dass ich mich umbringen sollte

Wie sieht es bei euch aus? Was müsste da her bzw. weg? Was braucht es für einen gelungenen Suizid? Ich meine damit keine Methoden oder Hilfsmittel sondern wirklich nur die innere Haltung quasi. Kennt ihr Dinge die einem helfen sich auf den Suizid vorzubereiten? Oder vielleicht auf andere grosse Entscheidungen/Events, die Parallelen zum Suizid aufweisen.
Peterchen
Beiträge: 738
Registriert: Freitag 30. Januar 2015, 13:02

Re: Die innere Haltung zum Suizid

Beitrag von Peterchen »

Mich hindern nur die Schuldgefühle gegenüber Angehörigen. Wenn dieser Punkt nicht wäre, dann wäre ich vermutlich schon weg. Angst vor dem Sterbeprozess oder vor einem Weiterleben mit Behinderung ist bei mir kaum vorhanden. Angst vor einem Leben nach dem Tod überhaupt nicht.
TraurigER
Beiträge: 147
Registriert: Samstag 27. März 2010, 12:12

Re: Die innere Haltung zum Suizid

Beitrag von TraurigER »

Ich kann Peterchens Antwort zu 100% übernehmen. Mein Suizid wäre für meine Eltern eine Katastrophe, die sie nicht überwinden könnten.
Meine Freundin wäre traurig, würde aber bestimmt mit Hilfe ihrer drei Kinder darüber hinweg kommen.
Der Rest der Menschheit wäre mir völlig egal.
coldtime

Re: Die innere Haltung zum Suizid

Beitrag von coldtime »

Weswegen Schuldgefühle? Zwar schon verständlich aber kann doch nicht der Hauptgrund sein?!
glycerine
Beiträge: 951
Registriert: Mittwoch 9. Mai 2012, 16:13

Re: Die innere Haltung zum Suizid

Beitrag von glycerine »

Ich hätte auch furchtbare Schuldgefühle, ich glaube schon, dass manche so sozial eingestellt sind, dass sie es nicht übers Herz bringen würden
TraurigER
Beiträge: 147
Registriert: Samstag 27. März 2010, 12:12

Re: Die innere Haltung zum Suizid

Beitrag von TraurigER »

Meine Eltern haben fast 50 Jahre ihres Lebens damit verbracht, mir ein Paradies auf Erden zu schaffen.
Daher Schuldgefühle!
Wenn ich tot bin, habe ich die natürlich nicht mehr, aber so assi bin ich dann doch nicht.
Sind sie ihren natürlichen Weg gegangen, gehe ich sicherlich.
Last Escort
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Registriert: Dienstag 28. Februar 2017, 17:14
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Re: Die innere Haltung zum Suizid

Beitrag von Last Escort »

Weg müssten: Angehörige (aber nicht wegen Schuldgefühlen, sondern aus Verantwortung)
Her müsste: nichts, alles bereits da.
Horla
Beiträge: 113
Registriert: Sonntag 28. August 2016, 16:08

Re: Die innere Haltung zum Suizid

Beitrag von Horla »

Seit Jahren hat geschrieben:Anstatt über Methoden zu diskutieren könnte man doch mal darüber diskutieren, welche innere Haltung man braucht. Mal von den ganz dummen Methoden abgesehen, scheitern doch viele (nicht so dumme Methoden) im Grunde daran, dass man es nicht so richtig will.
Mir ist da in der schlimmen Zeit was aufgefallen: Nämlich die Zweischneidigkeit der Sache: Da ist einmal die technische Seite: Wie macht man das, wie baut man einen Galgen oder eine Gaskammer, usw.. Dann ist man ggf. "stolz", daß man das hinkriegen würde, bzw. machen könnte. (Manchmal wird auch hier gepostet, daß jemand stolz ist, wie toll er das alles technisch hinkriegen würde.)
Aber das ist ja nur die eine Seite der Medaille: Man würde etwas machen, man würde etwas bauen, aber man würde dann auch etwas mit sich machen. Und zwar etwas, das so destruktiv ist, daß man darauf eigentlich kaum stolz sein kann.
Der Galgen oder die Gaskammer soll dann ja gegen einen selbst wirken, einen selbst vernichten. Das ist nicht schön.

Diese mentalen Techniken, die Du beschrieben hast, erinnern mich an, weiß nicht, japanische Kampfkünste. Aber es sind Fertigkeiten im ersten Sinne, also um etwas machen zu können. Das ist die eine, die technische Seite. Aber man muß sich vor allem über die andere klar sein.
Wirklich handeln würde man meiner Meinung nach vor allem dann, wenn die Verzweiflung groß genug ist. Das ist dann aber auch etwas, auf das man nicht unbedingt stolz sein kann.
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