alles Möchtegern-Tote?

Meinungs- und Erfahrungsaustausch zum Thema Suizid; Berichte über gescheiterte Suizidversuche; suizidales Verhalten; Leben mit Suizidgedanken; Hilfestellungen

Moderatoren: Ludwig A. Minelli, Mediator

sam_snead
Beiträge: 2
Registriert: Samstag 3. August 2013, 11:27

alles Möchtegern-Tote?

Beitrag von sam_snead »

Vorab: ich gehöre dazu. Bin anscheinend unheilbar depressiv und die Sinnlosigkeit überrollt mich täglich, aber mir fehlen die Eier, endlich die Konsequenz zu ziehen.

Ich sehe hier gelegentlich nach und klatsche mir ans Hirn, wenn jemand "das Gas zu teuer" ist, der 10. Stock zu kompliziert oder einem der Zugfahrer leid tut. Es geht um den Tod und die Kommentare sagen aber "hilft mir denn keiner", "hört niemand meinen Hilferuf".

Suizid als Drohgebärde funktioniert leider nicht. Die Familie belastet man nur, den Rest interessiert es nicht.

Auto, Mauer, fertig.
Stickstoff, technisches Equipment, fertig.

Beides schnell, schmerzfrei und für jeden zugänglich ... aber wir tun es nicht. Stattdessen lesen wir andere Ideen, hoffen insgeheim auf eine Lösung, die man nicht selbst entscheiden muss. Ich hoffe immer wieder auf eine schwere Krankheit. Ironischerweise erleichtert dies das Leben. Ich habe keine Angst vor Krebs, keine Angst vor Einbrechern, keine Bedenken beim Fliegen. Nur trifft es immer die anderen.

Schade. Und jetzt: hetzt die Hunde auf mich, damit es endlich vorbei ist.
dysthymo1
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Re: alles Möchtegern-Tote?

Beitrag von dysthymo1 »

u.a. ganz einfach Teil der mit der Depression einhergehenden Antriebslosigkeit. Auch mental muss man da mitunter, etwa beim Urteilsvermögen, Abstriche machen, wäre hier wohl auch die naheliegendste Erklärung für diese Verallgemeinerungen...
Den von dir behaupteten "schnellen, schmerzfreien und für jeden zugänglichen" Freitod gibt es natürlich höchstens in der Theorie, ansonsten wäre auch längst etwas dagegen unternommen worden.
Grundsätzlich haben ja auch viele nicht in erster Linie den möglichst idealen Tod, sondern ein derartiges Leben im Sinn, ob sie wollen oder nicht. Und je nach Leidensfähigkeit, Macht der Gewohnheit, persönliche Wahrnehmung, und diversen äußeren Faktoren, kann sich das in verschiedene Richtungen entwickeln und sehr in die Länge ziehen.
Lebensmüde

Re: alles Möchtegern-Tote?

Beitrag von Lebensmüde »

...
Zuletzt geändert von Lebensmüde am Sonntag 21. Februar 2016, 12:17, insgesamt 1-mal geändert.
Balduin
Beiträge: 633
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Re: alles Möchtegern-Tote?

Beitrag von Balduin »

Altes Auto ohne Airbags nehmen oder Airbags deaktivieren und dann los. Keine schlechte Idee, nicht so richtig sicher, aber es klappt oft.

http://forum.dignitas.ch/viewtopic.php? ... 21&p=82693
glycerine
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Re: alles Möchtegern-Tote?

Beitrag von glycerine »

sam_snead hat geschrieben:Vorab: ich gehöre dazu. Bin anscheinend unheilbar depressiv und die Sinnlosigkeit überrollt mich täglich, aber mir fehlen die Eier, endlich die Konsequenz zu ziehen.

Ich sehe hier gelegentlich nach und klatsche mir ans Hirn, wenn jemand "das Gas zu teuer" ist, der 10. Stock zu kompliziert oder einem der Zugfahrer leid tut. Es geht um den Tod und die Kommentare sagen aber "hilft mir denn keiner", "hört niemand meinen Hilferuf".

Suizid als Drohgebärde funktioniert leider nicht. Die Familie belastet man nur, den Rest interessiert es nicht.

Auto, Mauer, fertig.
Stickstoff, technisches Equipment, fertig.

Beides schnell, schmerzfrei und für jeden zugänglich ... aber wir tun es nicht. Stattdessen lesen wir andere Ideen, hoffen insgeheim auf eine Lösung, die man nicht selbst entscheiden muss. Ich hoffe immer wieder auf eine schwere Krankheit. Ironischerweise erleichtert dies das Leben. Ich habe keine Angst vor Krebs, keine Angst vor Einbrechern, keine Bedenken beim Fliegen. Nur trifft es immer die anderen.

Schade. Und jetzt: hetzt die Hunde auf mich, damit es endlich vorbei ist.
Was willst du damit eigentlich bezwecken?
Willst du dass die unzulässiges Wort nach oben geht?
Rasiel
Beiträge: 1380
Registriert: Freitag 26. November 2010, 14:23

Re: alles Möchtegern-Tote?

Beitrag von Rasiel »

Also ich finde das eine ehrliche Ansage !
Nicht übertrieben, nicht untertrieben.
Aber nur dem Anschein nach.
Denn.....es ist nicht wahr.

Möchtegern- Tote gibt es nicht - nur "So nicht mehr leben wollen - Tote".

Nun der Überlebenswille hat nun mal große Auswirkungen, was ja erst mal gut ist.
Und dieser Beitrag wird die Suizidrate nicht steigern. Der Mensch ist ein denkendes Wesen und wird immer abschätzen und sich dabei oft auch unsicher sein...wenn der richtige Zeitpunkt gekommen ist.... wenns den überhaupt gibt.

Bei diesem Thema die richtigen Worte zu finden ist schwer, möchte ja niemanden verletzen. Ich denke es gibt unglaublich viele "Möchtegern -Tote ( also "nicht mehr so leben wollen Tote) zumindest zeitweise, manchen kann man helfen....sogar unbewusst, manche fristen ein unglückliches Dasein und nicht scheint zu helfen.

Aber nun einfach zu sagen: Auto-Mauer-fertig ist naiv bis dumm, denn auch hier kann es Folgen geben, die man beachten muss.
Genauso Methode Zug. Als suizidaler Mensch darf ich mir doch Gedanken machen, wie gehe ich, was für Folgen hat das für meine Angehörige, Freunde, Partner, was ist für mich würdig, wie fühle ich mich sicher.
Auch die Auseinandersetzung mit meinem eigenen Tod, den richtigen Zeitpunkt, Todesart usw. gehört nun mal noch zum Leben.

Und wenn sich ein Mensch auch nur an den kleinsten Funken Hoffnung klammert, ist das doch in Ordnung, denn sterben tust du sowieso, das ist sehr verlässlich, du bestimmst nur nicht den Zeitpunkt.

Dann gibt es Leute, die bereits eine Methode gefunden haben und gerade deshalb noch in der Lage sind zu leben. Deshalb der Zeitpunkt ist etwas ganz persönliches, individuelles, keiner sollte sich von Mensch und Zeit drängen lassen.

Ich glaube auch, dass dein eigener Beitrag hier ein Zeichen von Unschlüssigkeit ist, denn was veranlasst dich denn, hier zu schreiben ? Das Leben oder :?
glycerine
Beiträge: 951
Registriert: Mittwoch 9. Mai 2012, 16:13

Re: alles Möchtegern-Tote?

Beitrag von glycerine »

Rasiel:
Ich muss dir gestehen dass ich den Beitrag ausgegraben habe und er nicht ganz neu ist, ich kämpfe wohl manchmal um Aufmerksamkeit und weiß keinen besseren Weg als alte Themen auszugraben und dort meinen Senf abzugeben.
Der Beitrag ist nicht voll alt, er wurde im Juli geschrieben, aber der Beitragsverfasser hat sich seit Juli nicht mehr angemeldet.
Nur zur Erklärung.
Natürlich kann man mir sagen dass ich das nicht tun darf, weil ich dadurch Menschen täusche und diejenigen sich Schreiberisch den A****** aufreißen, bis jetzt hat sich aber noch keiner bei mir beschwert dass das nicht zulässig ist
Peterchen
Beiträge: 738
Registriert: Freitag 30. Januar 2015, 13:02

Re: alles Möchtegern-Tote?

Beitrag von Peterchen »

Ich versuche aus Mitgefühl den Tod meiner Eltern abzuwarten. Wenn es nur um mich ginge, wäre ich längst weg.
chris84

Re: alles Möchtegern-Tote?

Beitrag von chris84 »

Peterchen hat geschrieben:Ich versuche aus Mitgefühl den Tod meiner Eltern abzuwarten. Wenn es nur um mich ginge, wäre ich längst weg.

Das ist sehr löblich. Das würde ich auch tun wenn meine Eltern bereits im hohen Alter wären. Aber sie sind erst Mitte 50 und ich werde sicher nicht noch 20 – 30 Jahre warten.
Rasiel
Beiträge: 1380
Registriert: Freitag 26. November 2010, 14:23

Re: alles Möchtegern-Tote?

Beitrag von Rasiel »

Ich muss dir gestehen dass ich den Beitrag ausgegraben habe und er nicht ganz neu ist, ich kämpfe wohl manchmal um Aufmerksamkeit und weiß keinen besseren Weg als alte Themen auszugraben und dort meinen Senf abzugeben.
Viele denken auch heute so, der Beitrag ist interessant, und man muss ihn immer von zwei Seiten sehen.
Manche, die vielleicht nur mitlesen, denken tatsächlich so, ich wurde über dieses Thema auch mal angeschrieben. Jemand meinte, dass hier im Forum niemand wirklich suizidal ist und alle lediglich darüber reden wollen, was natürlich Quatsch ist.

Beim einen oder anderen mag das zutreffen, aber wer will das beurteilen.
glycerine
Beiträge: 951
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Re: alles Möchtegern-Tote?

Beitrag von glycerine »

Ja der Beitrag ist echt treffend, es sind wohl viele unterwegs die so manchen vorwerfen er wäre ein "Möchtegern-Toter", das finde ich wohl mehr als komisch uns vorzuwerfen dass wir noch nicht Schluß gemacht haben, ich meine es darf doch wohl noch darüber geredet werden dass man mit dem Leben hadert, dass man vielleicht schon weg wäre wenn die Umstände besser/schlechter wären bezüglich Risiko eines Fehlschlages, und ich wäre wohl auch schon zur Tat geschritten wenn ich nicht Angehörige hätte die man nicht im Stich lassen kann.

Was soll denn das heißen?
glycerine
Beiträge: 951
Registriert: Mittwoch 9. Mai 2012, 16:13

Re: alles Möchtegern-Tote?

Beitrag von glycerine »

Auto > Mauer > fertig ist wohl ein bisschen unrealistisch einfach.
Da kann immer was schief gehen!
Lebensmüde

Re: alles Möchtegern-Tote?

Beitrag von Lebensmüde »

...
Zuletzt geändert von Lebensmüde am Sonntag 21. Februar 2016, 12:18, insgesamt 1-mal geändert.
glycerine
Beiträge: 951
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Re: alles Möchtegern-Tote?

Beitrag von glycerine »

Ich will bis zu einem Zeitpunkt in der Zukunft gerüstet sein, es darf dann einfach nichts schief gehen, momentan geht es mir gar nicht so schlecht
glycerine
Beiträge: 951
Registriert: Mittwoch 9. Mai 2012, 16:13

Re: alles Möchtegern-Tote?

Beitrag von glycerine »

Alle Jahre wieder wirft man manchen vor, dass er noch lebt
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