Aussichtslos

Für alle, die ihre Lebensprobleme und Schickale mit anderen teilen möchten

Moderatoren: Ludwig A. Minelli, Mediator

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Inka
Beiträge: 1
Registriert: Montag 16. November 2020, 08:32

Aussichtslos

Beitrag von Inka »

Hallo, ich habe einfach keine Kraft mehr!
Seit einem Jahr empfinde ich kaum mehr Freude am Leben.
Ich habe schon eine lange medizinische Vorgeschichte hinter mir :| von Geburt an habe ich CF , eine Erkrankung, die das Lungengewebe zerstört. Seit ich zehn Jahre bin, hatte ich immer wieder lange Krankenhausaufenthalte, Jugendliche Unbeschwertheit kannte ich nie. So ging es, bis ich 28 war, da wurde ich lungentransplantiert. Die ersten Jahre waren wunderschön, bis ich letztes Jahr einen bösartigen Tumor bekam. Er wurde entfernt, aber mit ihm auch ein Teil vom Lungengewebe und fünf Rippen. Seither vergeht kaum ein Tag ohne Schmerzen, und auch mein geliebtes Hobby, dass ich mir nach der Transplantation aufgebaut habe, nämlich das Wandern, kann ich nicht mehr machen, ohne total aus der Puste zu kommen.
Meinen Kinderwunsch kann ich mir abschminken und ich lebe seither in ständiger Angst, dass der Tumor bei der nächsten Kontrolle wieder da sein könnte.
Kurz gesagt: ich hasse mein Leben nur noch, so wie es jetzt ist. Meine Freundinnen und Kolleginnen bekommen Kinder, bauen sich ihre Zukunft auf...all das werde ich nie tun können und es tut jeden Tag von neuem weh. Manchmal denke ich, ich hätte mich niemals transplantieren lassen sollen, ich habe mir nur etwas vorgemacht, dass das Leben danach besser ist.

Bei dignitas bin ich schon seit letztem Jahr Mitglied. Der Wunsch, den Freitod dort in Anspruch zu nehmen, wird immer stärker. Befindet sich jemand in einer ähnlichen Situation?
suchender
Beiträge: 24
Registriert: Mittwoch 18. April 2012, 22:08

Re: Aussichtslos

Beitrag von suchender »

Dass du überhaupt soviel Kraft hattest, dieses Leben soweit durchzustehen ... das braucht schon eine riesige Energie, Willen und Durchhaltevermögen.

Mir geht's im Prinzip ähnlich, wie du es beschreibst, auch wenn ich nicht die gleiche Krankheits- und Leidensgeschichte hinter mir habe, mache mir schon seit Jahren Gedanken um das Thema Sterbehilfe, bzw. wie ich das im Notfall selbst tun könnte. Ich halte es so, dass ich nichts überstürze und nicht im Affekt handeln will, obwohl die Sehnsucht nach Befreiung von allen Leiden manchmal groß ist. Es ist etwas beruhigend zu wissen, dass es diese Möglichkeit gibt, freiwillig aus dem Leben zu gehen, wenn es einfach nicht mehr zu ertragen ist.

Bezüglich Sterbehilfe bei einem entsprechenden Verein, kann ich nichts Genaues sagen. Die Rechtslage hat sich ja geändert, so dass Sterbehilfe auch in Deutschland erlaubt ist. Die organisatorischen und bürokratischen Hürden sind aber recht hoch, in den Niederlanden scheint der "legale Zugang" zu Sterbehilfe noch am "leichtesten" bzw. am wenigsten schwierig zu sein.
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