Grübeln und die Unfähigkeit zu Leben

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Moderatoren: Ludwig A. Minelli, Mediator

lunar-x7
Beiträge: 140
Registriert: Mittwoch 11. März 2015, 22:54

Re: Grübeln und die Unfähigkeit zu Leben

Beitrag von lunar-x7 »

Springer hat geschrieben:Ich stelle mir das eher so vor, dass solche Worte ein zynischer Psychiater verfasst hat. Man könnte auch sagen ein Schwein.
Meinst du? Für mich liest sich das nicht so. Hilf mir mal, vielleicht verstehe ichs falsch ... (kommt vor).
Gnosis
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Re: Grübeln und die Unfähigkeit zu Leben

Beitrag von Gnosis »

Das Grübeln ist eine Folgeerscheinung des persönlichen Kummers, nicht seine Ursache. Wenn der neurophysiologische Zustand des eigenen Organismus weniger aversiv wäre, würden sich die belastenden Gedanken überhaupt nicht derartig aufdrängen bzw. stattdessen einfach "vorbeiziehen". Das ist auch einer der Gründe, warum Drogen/psychoaktive Substanzen so reizvoll sind: Sie versetzen den Konsumenten in einen angenehmeren neurophysiologischen Zustand und lassen die Nöte folglich subjektiv bedeutungsloser werden. Die Annahme, dass der Mensch seine Gedanken und darüber dann auch seine Gefühle weitgehend kontrollieren könnte, ist ein Fehlschluss. Tatsächlich ist dies nur in einem extrem eng umgrenzten Rahmen möglich. Selbst Menschen, die meditative Techniken wirklich gemeistert haben, betonen die Notwendigkeit eines Wandels der Lebensumstände, um überhaupt die Voraussetzung für eine innere Ablösung vom Leiden zu erreichen.
In der gegebenen Welt sind viele Menschen in ihren Lebensumständen weitgehend gefangen, wobei noch hinzukommt, dass die Schäden auf neurophysiologischer und/oder emotionaler Ebene sowohl durch Psychopharmaka (ich hatte in einem anderen Thread mal etwas dazu zitiert) als auch durch verheerende Lebensereignisse, körperliche Schmerzen und emotionale Vereinsamung oftmals viel zu massiv sind, um über das bloße Verändern der Gedanken etwas herbeizuführen. Binsenweisheiten wie "sorge dich nicht, lebe", helfen nur demjenigen, in den die Sorge nicht förmlich eingebrannt ist.
Für wen eine Lösung oder Linderung überhaupt denkbar ist, der kann sie nur über eine Änderung der Umstände erreichen. Mir persönlich haben immer am ehesten noch längere Phasen der Abgeschiedenheit in Verbindung mit Meditation oder Gespräche mit Personen, welche meine Situation wirklich verstehen konnten, geholfen. Abgesehen davon sollten wir hier im Forum aber wirklich mal daran arbeiten, dass die Diskussionen über Suizidmethoden stärker systematisiert werden. Mittlerweile sind wir ja an dem Punkt, an dem die meisten gar keine Methode mehr für praktikabel halten. Am besten wäre es natürlich, wenn man immer genau wüsste, wer gerade mit welcher Methode einen Versuch unternimmt, sodass man Erfolgs-und Misserfolgsraten genauer beurteilen könnte. Das ist aus rechtlichen Gründen natürlich nicht in exakt dieser Form umzusetzen, aber zumindest über die eigenen Erfahrungen mit fehlgeschlagenen Versuchen oder mit Suizidversuchen aus dem eigenen Umfeld könnte man hier mehr und vor allem detaillierter schreiben.
glycerine
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Re: Grübeln und die Unfähigkeit zu Leben

Beitrag von glycerine »

Das hast du sehr schön ausgedrückt, ich stimme dir vollkommen zu.
Es wird wirklich zu wenig über Fehlschläge erzählt, ich habe dazu eben meinen Senf abgegeben und gesagt, dass der Knoten
beim typischen Erhängen bei mir der Grund war, warum es schief ging, ich war psychotisch und habe nicht mehr klar denken können.
Nur falls das wer überlesen hat.
lunar-x7
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Re: Grübeln und die Unfähigkeit zu Leben

Beitrag von lunar-x7 »

Gnosis hat geschrieben:Abgesehen davon sollten wir hier im Forum aber wirklich mal daran arbeiten, dass die Diskussionen über Suizidmethoden stärker systematisiert werden. Mittlerweile sind wir ja an dem Punkt, an dem die meisten gar keine Methode mehr für praktikabel halten. Am besten wäre es natürlich, wenn man immer genau wüsste, wer gerade mit welcher Methode einen Versuch unternimmt, sodass man Erfolgs-und Misserfolgsraten genauer beurteilen könnte. Das ist aus rechtlichen Gründen natürlich nicht in exakt dieser Form umzusetzen, aber zumindest über die eigenen Erfahrungen mit fehlgeschlagenen Versuchen oder mit Suizidversuchen aus dem eigenen Umfeld könnte man hier mehr und vor allem detaillierter schreiben.
Finde ich eine gute Idee. Ich würde mich auch gerne mehr darüber austauschen. Was, wie du ja schon geschrieben hast, nicht ganz einfach werden wird.

Ich hatte einen Thread zu meinem mißglückten Suizidversuch (durch atypisches Erhängen) erstellt. Leider ist dieser bereits nach kurzer Zeit schon in eine eher ungewollte Richtung abgeglitten. Daher existiert dieser Thread auch nicht mehr.

Dass der Versuch schiefging, lag vermutlich auch daran, dass ich den Knoten nicht richtig gebunden hatte und den Selbsterhaltungstrieb immens unterschätzt habe.
Springer

Re: Grübeln und die Unfähigkeit zu Leben

Beitrag von Springer »

Will man wirklich sterben oder verhindert nur der Überlebenestrieb etwas....ach mir reicht es schon darüber überhaupt nachzudenken. Ist doch alles zuviel.
Nanu
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Re: Grübeln und die Unfähigkeit zu Leben

Beitrag von Nanu »

Ich rutsche auch wieder vermehrt in Grübelzwänge ab. Furchtbar. Hab das nicht unter Kontrolle.

Heute hatte ich zusätzlich ein interessantes Erlebnis in der U-Bahn mit einem Herrn mittleren Alters, der wild gestikulierend in Selbstgespräche vertieft war. Keine Ahnung worum es ging, aber er war wohl ziemlich erbost mit sich oder seinem imaginären Gesprächspartner.
Ich weiß nicht, ob das jemand kennt, aber wenn ich so in Gedanken vertieft bin, reißt es mich manchmal und ich überlege, ob ich dass nun nur gedacht oder gar ausgesprochen habe.
Während ich also heute darüber nachdenke, hoffentlich nie an den Punkt zu gelangen, wo sich der nette Herr von vorhin bereits befindet, verlasse ich das U-Bahn Gebäude und "Mööööööp" - fahrt mich fast ein Bus um und der Fahrer schimpft mich im schönsten Dialekt Sachen, die ich mein Lebtag noch nicht gehört habe :shock:
Grübeln kann echt auch lebensgefährlich sein. Ernsthaft. Konzentrationsfähigkeit liegt bei kleiner gleich Null im Moment.

Ich hoffe, es ist nur eine vorübergehende Phase, weil das ist nicht auszuhalten.
lunar-x7
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Re: Grübeln und die Unfähigkeit zu Leben

Beitrag von lunar-x7 »

Nanu hat geschrieben:Grübeln kann echt auch lebensgefährlich sein.
:) Ah, eine potentielle Suizidmethode. Dann grübel ich mal unkonzentriert und gedankenverloren weiter ... in der Hoffnung ...
glycerine
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Re: Grübeln und die Unfähigkeit zu Leben

Beitrag von glycerine »

Ich kenne dieses Gefühl, wenn man sich nicht sicher ist, ob man das jetzt laut gesagt hat oder nur gedacht. Das ist echt total lästig, wenn ich einen Kopfhörer mit Musik aufhabe, dann ist das nochmal viel schwieriger zu beurteilen.

In einer Psychose habe ich dann noch diese blöde Eigenschaft, dass ich glaube jeder könnte meine Gedanken lesen, also ist man dann völlig ausgeliefert. In der Nacht habe ich das ansatzweise immer noch.

Ich lenke mich meistens ab, wenn meine Grübeleien mich voll fertig machen, ich lese irgendwelche Onlinezeitungen, aber
das bringt leider keinen wirklichen Nutzen. Facebook ist so eine Seite wo man zugemüllt wird mit Beiträgen von Zeitungen,
wenn man keine Freunde hat, was soll man dann bei Facebook sonst so tun
glycerine
Beiträge: 906
Registriert: Mittwoch 9. Mai 2012, 16:13

Re: Grübeln und die Unfähigkeit zu Leben

Beitrag von glycerine »

Und wieder mal einen Tag verschenkt.
Gibt dazu auch ein Lied. Onkelz
Abendstern
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Registriert: Montag 28. September 2015, 08:03

Re: Grübeln und die Unfähigkeit zu Leben

Beitrag von Abendstern »

lunar-x7 hat geschrieben:
Nanu hat geschrieben:Grübeln kann echt auch lebensgefährlich sein.
:) Ah, eine potentielle Suizidmethode.
:lol: :lol:
glycerine
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Re: Grübeln und die Unfähigkeit zu Leben

Beitrag von glycerine »

Weiß jemand wo Springer abgeblieben ist, er hat sich anscheinend abgemeldet, aber warum?
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