Bundesprüfstelle listet DIGNITAS-Forum

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Mediator
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Bundesprüfstelle listet DIGNITAS-Forum

Beitrag von Mediator »

Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien listet das DIGNITAS-Forum

Unser Forum ist von der deutschen Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien in die Liste der jugendgefährdenden Medien aufgenommen worden. DIGNITAS hat Mitte Mai einen 15-seitigen Brief erhalten. Darin wurde DIGNITAS eine knappe, zweiwöchige Frist eingeräumt, um Einwendungen anzubringen.

In ihrem Schreiben zitiert die Bundesprüfstelle Archiv-Beiträge aus dem Forum, die fünf und mehr Jahre alt sind und die nicht mehr den aktuellen Foren-Regeln entsprechen. Dass es seit bald drei Jahren keinen einzigen uns bekannt gewordenen Suizid eines Foren-Mitglieds gibt, ignoriert die Bundesprüfstelle ebenso wie wissenschaftliche Studien, welche die positiven Auswirkungen solcher Foren betreffend der Suizidversuchsprävention belegen.

Die Vereinsleitung von DIGNITAS – Menschenwürdig leben – Menschenwürdig sterben hat entschieden, auf eine Stellungnahme zu verzichten. Dies, weil es angesichts der deutschen parlamentarischen Sterbehilfe-Verbotsdiskussion eher aussichtslos scheint, gegen dortige Behörden-Betonköpfe vorzugehen.

DIGNITAS tritt ein für Selbstbestimmung, Freiheit der Wahl und Menschenwürde bis zuletzt. Als gemeinnütziger Verein setzt sich DIGNITAS ein für die 30-jährige Schweizer Praxis: Eine Kombination von Palliativversorgung, Suizidversuchsprävention, Patientenverfügung und Freitodbegleitung. Seit 1998 engagiert sich DIGNITAS international für die Durchsetzung des «letzten Menschenrechts», und dazu gehört auch, über Suizidgedanken sprechen, diskutieren und schreiben zu dürfen. Wenn die Deutschen Behörden die Meinungs- und Äußerungsfreiheit einschränken wollen, liefern sie damit nur den Beweis für ihren verkappten Bevormundungsstaat, mit dem Sie die Freiheit und Rechte der Bürgerinnen und Bürger einschränken wollen.

Wir überlassen es unseren Forenmitgliedern, hier ihre Meinungen über den Entscheid der (dieses Forum offenbar mitlesenden) Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien zu veröffentlichen. DIGNITAS denkt nicht daran, das Forum stillzulegen.
Girlxxx

Re: Bundesprüfstelle listet DIGNITAS-Forum

Beitrag von Girlxxx »

Mediator hat geschrieben:Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien listet das DIGNITAS-Forum

Unser Forum ist von der deutschen Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien in die Liste der jugendgefährdenden Medien aufgenommen worden. DIGNITAS hat Mitte Mai einen 15-seitigen Brief erhalten. Darin wurde DIGNITAS eine knappe, zweiwöchige Frist eingeräumt, um Einwendungen anzubringen.

In ihrem Schreiben zitiert die Bundesprüfstelle Archiv-Beiträge aus dem Forum, die fünf und mehr Jahre alt sind und die nicht mehr den aktuellen Foren-Regeln entsprechen. Dass es seit bald drei Jahren keinen einzigen uns bekannt gewordenen Suizid eines Foren-Mitglieds gibt, ignoriert die Bundesprüfstelle ebenso wie wissenschaftliche Studien, welche die positiven Auswirkungen solcher Foren betreffend der Suizidversuchsprävention belegen.

Die Vereinsleitung von DIGNITAS – Menschenwürdig leben – Menschenwürdig sterben hat entschieden, auf eine Stellungnahme zu verzichten. Dies, weil es angesichts der deutschen parlamentarischen Sterbehilfe-Verbotsdiskussion eher aussichtslos scheint, gegen dortige Behörden-Betonköpfe vorzugehen.

DIGNITAS tritt ein für Selbstbestimmung, Freiheit der Wahl und Menschenwürde bis zuletzt. Als gemeinnütziger Verein setzt sich DIGNITAS ein für die 30-jährige Schweizer Praxis: Eine Kombination von Palliativversorgung, Suizidversuchsprävention, Patientenverfügung und Freitodbegleitung. Seit 1998 engagiert sich DIGNITAS international für die Durchsetzung des «letzten Menschenrechts», und dazu gehört auch, über Suizidgedanken sprechen, diskutieren und schreiben zu dürfen. Wenn die Deutschen Behörden die Meinungs- und Äußerungsfreiheit einschränken wollen, liefern sie damit nur den Beweis für ihren verkappten Bevormundungsstaat, mit dem Sie die Freiheit und Rechte der Bürgerinnen und Bürger einschränken wollen.

Wir überlassen es unseren Forenmitgliedern, hier ihre Meinungen über den Entscheid der (dieses Forum offenbar mitlesenden) Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien zu veröffentlichen. DIGNITAS denkt nicht daran, das Forum stillzulegen.

Ich habe anderorts detailliert analysiert wie zumindest rein theoretisch, da empirisch kaum zu ermitteln, der Nutzen-Kosten Aspekt (bezüglich Leid...und worum könnte es sonst gehen?) zu `berechnen` wäre (d.h. welche Faktoren überhaupt relevant wären). Wenn es aber tatsächlich wissenschaftlich fundierte Studien bezüglich der allgemeinen tendenziellen Wirkung solcher (welcher ausser Dignitas?) Foren gibt, dann wären solche wohl massgebend (nur habe ich grundsätzlich Vorbehalte gegenüber Studien: von wem erhoben, von welchem Auftraggeber mit welchen Erkenntnisinteressen? etc. etc.). Ich persönlich vermute allerdings, dass die Wirkungen (zumindest dieses Forums) insgesamt eher Suizidverhindernd sind als das Gegenteil, dies einerseits wegen der Natur suizidaler Handlungen, die einen erheblichen und andauernden Leidensdruck implizieren bezüglich dessen Folgen ein Forum wie dieses mit seinen Suizidmethoden-Diskussion kaum entscheidend Einfluss hat. Affekt-Suizide hingegen scheinen mir, weil im Affekt ausgeübt, tendenziell auch wenig motivierbar durch Methoden-Infos (dies wohl mit der entscheidende Punkt bezüglich `jugendgefährdend`: vorausgesetzt dass Jugendliche primär im Affekt Suizid begehen), wobei z.B. die Autorin Perry die Kenntnis um Methoden zu den drei wichtigsten Voraussetzungen für Suizide zählt, wobei sie eben betont, dass dies vor allem Methoden betrifft, die getestet werden können und mit denen man Grenzen immer weiter hinausschieben könne (und solche Vertrautheit sei der entscheidende Faktor, wobei sie andernorts z.B. M. Monroe als Beispiel heranzieht wo die Methoden-Info nichts mit solcher Annäherung zu tun hatte etc.).
Andererseits finde ich dieses Forum (u.a. auf Grund der Foren-Regeln) nicht tendenziell Suizid verherrlichend. Im Gegenteil scheinen mir die Reaktionen auf Beiträge eher durch Tipps wie man wieder zu einem lebenswerten Leben finden könne gekennzeichnet (eingefleischt-dogmatische SH-Gegner werden das natürlich anders wahrnehmen MÜSSEN, da ihnen einfach eine differenzierte Sichtweise a priori unmöglich ist).

Was mich am meisten interessieren würde, wären die Studien betreffs der Wirkung `solcher` Foren. Denn ich kann mir beim besten Willen keine empirische Erhebungsmöglichkeit der entsprechend notwendigen Daten vorstellen (das illustriert z.B. auch die Aussage, dass Dignitas von keinem Suizid eines Forenbenützers in den letzten 3 Jahren wisse. Wie auch? Solches Wissen scheint systematisch-methodisch nicht eruierbar und insofern auch entsprechende Unkenntnis eines solchen Falles an sich wenig relevant. Es ist ein eher schlechtes Argument, da man damit nur verlieren kann: kennt man keinen Fall ist dies wenig aussagekräftig (weil einem die entsprechenden Erkenntnismethoden fehlen), kennt man einen Fall ist es an sich nur negativ interpretierbar). Dieser Einwand spricht aber natürlich nicht dafür, dass dieses (oder ähnliche) Forum mehr Leid als dessen Minderung bewirkt, sondern akzentuiert lediglich das grundsätzliche epistemische Problem. Für mich ist es die oben geschilderte Natur suizidaler Handlungen und die Tendenz der Beiträge in diesem Forum, die meine Einschätzung möglicher Folgen bestimmt. Aber wie gesagt: das sind lediglich Plausibilitätsüberlegungen, keine empirisch mit harten Fakten verifizierbaren Aussagen (die mir eben grundsätzlich unmöglich erscheinen).
Zuletzt wäre zu fragen wer die Beweislast trägt. Mir scheint, da die Annahme, dass solche Foren erheblich mehr negative Folgen als positive haben, wenig plausibel ist (und zumindest gemäss Dignitas Studien das Gegenteil behaupten) und angesichts der freiheitlichen Verfassung demokratischer Gesellschaften und dem Faktum, dass deren Mitglieder gerade in Deutschland mehrheitlich andere Formen von Sterbehilfe eindeutig befürworten (dieser Punkt illustriert nur, dass die Deutsche Regierung Gesetze im Bereich der SH ohne gute Gründe und undemokratisch durchzusetzen gewillt ist), auf der Hand zu liegen, dass jene die `solche` Foren (vergleichbar mit Dignitas) verbieten wollen die Beweislast tragen aufzuzeigen, dass die Folgen überwiegend negative sind. Da ich daran zweifle, dass dies möglich ist (und auf Grund anderer Überlegungen auch nicht für wahrscheinlich halte), scheinen jene die solche Foren verbieten wollen keine genügend guten Argumente zu besitzen um ein solches Verbot als konsensfähiges und demokratisch legitimiertes durchzusetzen (gebe es hingegen solche guten Gründe, wäre eine Verbotsforderung, wie mir scheint, gerechtfertigt).

PS: Wenn ich mir vergegenwärtige wie extrem gewisse Positionen sind (z.B. jene von S. Perry und anderen) dann verwundert mich die ablehnende Haltung gegenüber Dignitas schon. Denn angesichts der extremeren Liberalisierungsforderungen betreffs Zugang zu humanen Suizidmethoden (Barbiturate) erscheint mir dieses Forum regelrecht gemässigt. Angesichts dessen wirkt die sture Verbotshaltung gegenüber diesem Forum selber wie eine rigoristisch-dogmatische Position, was sie in Wahrheit wohl auch ist.

PS2: Falls im Archiv Beiträge sind, welche den heutigen Forenregeln nicht entsprechen (und nur diese beanstandet werden), könnte Dignitas diese löschen (das ganze Archiv zu durchsuchen wäre wohl zeitlich recht aufwendig...dann bliebe noch die Option das Archiv ganz unzugänglich zu machen oder zu löschen). Wenn Dignitas diese zitierten Stellen aus dem Archiv als durchaus berechtigt `jugendgefährdende` anerkennt (was der Verweis darauf, dass sie heutigen Regeln nicht entsprechen, zu implizieren scheint, dies dann wenn Dignitas die heute geltenden Foren-Regeln als nicht bloss aufgezwungene taxiert, sondern als die tatsächlich-authentische Haltung von Dignitas repräsentierenden), dann wäre es angebracht diese zu löschen (denn warum sollte ein Forum Beiträge zugänglich machen, die den geltenden und mit Überzeugung vertretenen Regeln widersprechen?). Aus pragmatischen Gründen könnte allerdings die Löschung/Unzugänglichmachung des ganzen Archivs als unangemessen erscheinen, dann, wenn diese zu kritisierenden Stellen die völlige Ausnahme darstellen. Oder aber man macht das Archiv so lange unzugänglich bis man alle Beiträge kontrolliert hat und die als `jugendgefährdend` eingeschätzten gelöscht hat.
aufgewachter
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Re: Bundesprüfstelle listet DIGNITAS-Forum

Beitrag von aufgewachter »

Mediator hat geschrieben:Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien listet das DIGNITAS-Forum
Dass es seit bald drei Jahren keinen einzigen uns bekannt gewordenen Suizid eines Foren-Mitglieds gibt, ignoriert die Bundesprüfstelle ebenso wie wissenschaftliche Studien, welche die positiven Auswirkungen solcher Foren betreffend der Suizidversuchsprävention belegen.
Genau dieser Aspekt ist den Behörden wohl ein Dorn im Auge. Da der Mensch in deren Augen inzwischen nur noch einen rein wirtschaftlichen Faktor darstellt,
ist angesichts der mißbrauchten Renten- und Krankenkassen sowie des gezielten Sozialabbaus eine Prävention nicht im Sinne der marktwirtschaftlichen Relevanz.

Den offenen Meinungsaustausch als "jugendgefährdend" angreifen und im gleichen Zuge gesamtpolitisch ganze Generationen zu vernachlässigen
stellt die irrsinnige Widersprüchlichkeit des deutschen Wirtschaftsregimes in den Vordergrund.
Die Behörden sollten sich lieber gegen die kriegstreibende Politik der NATO-Aggressoren (inclusive deutscher Straftäter im Amt) kümmern.
Ein dritter Weltkrieg wird ganz sicher extrem jugend(gefährdend)vernichtend. Aber der deutsche Michel schläft ... wie 1933 ....
Girlxxx

Re: Bundesprüfstelle listet DIGNITAS-Forum

Beitrag von Girlxxx »

aufgewachter hat geschrieben:
Mediator hat geschrieben:Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien listet das DIGNITAS-Forum
Dass es seit bald drei Jahren keinen einzigen uns bekannt gewordenen Suizid eines Foren-Mitglieds gibt, ignoriert die Bundesprüfstelle ebenso wie wissenschaftliche Studien, welche die positiven Auswirkungen solcher Foren betreffend der Suizidversuchsprävention belegen.
Genau dieser Aspekt ist den Behörden wohl ein Dorn im Auge. Da der Mensch in deren Augen inzwischen nur noch einen rein wirtschaftlichen Faktor darstellt,
ist angesichts der mißbrauchten Renten- und Krankenkassen sowie des gezielten Sozialabbaus eine Prävention nicht im Sinne der marktwirtschaftlichen Relevanz.


Du sagst also, dass die Behörden sehr wohl um die suizidpräventive Wirkung wissen, solche Prävention aus Kostengründen ablehnen, aber um ihr tatsächliches Motiv zu verheimlichen und dennoch ihr Ziel zu erreichen, eine gegenteilige Wirkung der Foren behaupten?
Das scheint mir unglaubwürdig. Solchen Zynismus würde ich selbst diesen Behörden nicht unterstellen. Zudem stünde es im Widerspruch zur generellen Haltung der deutschen Behörden bezüglich SH. Wäre ihre Intention tatsächlich Kostenminimierung durch Eliminierung wirtschaftlich unproduktiver Personen, müssten sie die SH unterstützen (was zudem ja in Einklang stünde mit dem Willens der Mehrheit der Deutschen).
Die Motive dürften unterschiedliche sein: starker Einfluss von kirchlicher Seite (Hospize) und anderen konservativ denkenden Instanzen wie z.B. ein antiquiertes bzw. falsch verstandenes Ärzte-Ethos. Es ist schwer genau auszumachen welche Beweggründe hier federführend sind. Auf alle Fälle werden es unterschiedliche Ziele und Motive bei unterschiedlicher Gewichtung sein, die hier eine Rolle spielen.
Zuletzt geändert von Girlxxx am Freitag 3. Juli 2015, 00:04, insgesamt 1-mal geändert.
Girlxxx

Re: Bundesprüfstelle listet DIGNITAS-Forum

Beitrag von Girlxxx »

@Mediator: Wäre es möglich die Studien zu nennen, die die angeblich suizidpräventive Wirkung solcher Foren belegen?
Mediator
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Re: Bundesprüfstelle listet DIGNITAS-Forum

Beitrag von Mediator »

Girlxxx hat geschrieben:@Mediator: Wäre es möglich die Studien zu nennen, die die angeblich suizidpräventive Wirkung solcher Foren belegen?

Alao AO, Yolles JC, Armemta W, Cybersuicide: The Internet and Suicide. Am J Psychiatrie
Baume P, Cantor CH, Rolfe A, Cybersuicide: The Role of Interactive Suicide Notes on the Internet. Crisis 18/2
Fiedler G, Lindner R (Ed) Perspektiven suizidalen Erlebens, Göttingen: Vandenhoeck & Rupprecht
Fiedler G, Lindner R, Suizidforen im Internet – Forschungsgruppe Suizidalität und Psychotherapie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Dobson, R. Internet Sites May Encourage Suicide. British Medical Journal 319: 337
Fekete S, The Internet - Data on Suicide, Depression and Anxiety. In.: O. Grad (Ed.): Suicide Risk and Protective Factors in the New Millenium
Hoekstra R, van de Wetering RJM, Cybertherapie? Tijdschrift voor Psychiatrie 297
Kaplan EH, Telepsychotherapy. Psychotherapy by Telephone, Videophone and Computer Videoconferencing. The Journal of Psychotherapy Practice and Research
Lauffer M, The Suicidal Adolescent. London
The Internet and Suicide Prevention. Crisis, 21/4
Mehlum L, The Internet and Suicide Prevention. In.: O. Grad (Ed.): Suicide Risk and Protective Factors in the New Millenium, Ljubljana



Aus; Fiedler G, Lindner R, Suizidforen im Internet

«Viele Beiträge in den Medien über das „Suizidrisiko Internet“ gehen von mehreren Fehlannahmen und unzulässigen Generalisierungen von Einzelfällen aus.

Fehlannahmen sind:
• Die Kommunikation durch E-Mails, Chats und Foren sei zu dekodieren wie übliche verbale und schriftliche Kommunikation.
• Suizidalität, aber auch psychische Erkrankungen (z.B. Persönlichkeitsstörungen), würden durch die Kommunikation mittels neuer Medien im Individuum erzeugt.
• Die Teilnehmer der Suizidforen seien ohne diese Möglichkeit im persönlichen Kontakt erreichbar.

Ungeprüfte Annahmen sind:
• In den Suizidforen wird (unbewusst) die Hemmschwelle zum Suizid herabgesetzt.
• Die Hinweise auf Suizidmethoden in den Foren verstärken die Suizidgefahr bei den Teilnehmern der Diskussion.

Die Problematik der Suizidforen kann nur vor dem Hintergrund des allgemeinen Umgangs der Gesellschaft mit Suizidalität verstanden werden. In den Foren entsteht ein Freiraum, eigene suizidale Gedanken zu formulieren, die im Alltag tabuisiert sind. Man muss auch eingestehen, dass es an niederschwelligen Angeboten für suizidale Jugendliche fehlt. Ebenso wie Erwachsene werden sie es in der Regel massiv ablehnen, eine psychiatrische Einrichtung aufzusuchen.
Einer der herausragendsten Aspekte ist, dass die Leute (in den Foren) beinahe keine Hemmungen spüren, sich auszudrücken – zum Guten wie zum Schlechten. Sie können etwas sagen, was sie am Telefon wohl kaum sagen oder in einem Brief schreiben würden: hauptsächlich, weil sich alles anfühlt, als geschähe es im Kopf. Als Folge davon sagen die Leute die intimsten und die schrecklichsten Dinge mit bemerkenswerter Leichtigkeit. Das Fehlen der physischen Präsenz des Gegenübers wirkt dem Erleben in einer Beziehung entgegen und ist der Grund für die dramatischen Spaltungen, Idealisierungen und Entwertungen, die Beziehungen im Internet oft beherrschen können.
Vor diesem Hintergrund entdramatisieren sich viele an sich schreckliche Beiträ¬ge von Teilnehmern der Suizidforendiskussionen. Die Dramatik in den Beiträgen und Foren muss nicht zwangsläufig so interpretiert werden, dass sie auch in tatsächliche suizidale Handlungen umgesetzt werden.
Suizidale Jugendliche sind in der Regel über ihre Eltern und über professionelle Angebote nur schwer erreichbar. Sie haben es schwer, sich auf eine therapeutische Beziehung einzulassen. Insbesondere lassen sie sich ihre Suizidalität als Symptom einer intrapsychischen Konfliktlösung nicht wegnehmen. So wie die Magersucht gehütet wird wie ein Juwel, so ist die Suizidalität. Beide Phänomene gelten als subjektiv wertvolle Errungenschaften und das Selbst erhaltende Strategien im Prozess des Erwachsenwerdens oder des Kampfes dagegen.
Das heißt, der Jugendliche möchte zuerst einmal nicht gerettet, sondern mit seiner Suizidalität verstanden und ernst genommen werden. Er möchte die Möglichkeit des Suizids für sich offen halten. Dies ist für Eltern, Freunde, Lehrer und professionelle Helfer oft schwer zu akzeptieren. Eine therapeutische Beziehung kommt oft erst dann zustande, wenn der Therapeut die Suizidalität akzeptiert. Vielleicht liegt an dieser Stelle die Faszination für viele in den Suizidforen: Sie finden hier – ohne sich preisgeben zu müssen – eine Akzeptanz und ein Verständnis für ihr psychisches Erleben, das sie im realen Leben nicht erwarten. Im realen Leben fürchten sie Unverständnis, Stigmatisierung, Hospitalisierung und Kontrolle.
Die Foren könnten also Jugendlichen die Möglichkeit bieten, ihre Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit und Gefühle der Ausweglosigkeit, die sie weder den ihnen nahe stehenden Menschen anvertrauen können und erst recht nicht gegenüber Mitarbeitern von Beratungsstellen, Ärzten oder Psychologen öffentlich machen wollen, erst einmal anonym anderen mitteilen und darauf Reaktionen erhalten. Dies könnte eine emotionale Entlastung bringen und einen Prozess einleiten, in dem langfristig auch mit einem Therapeuten Hilfe gefunden werden kann.
Über die Gefahren dieser Diskussionsforen ist letztlich nichts bekannt. Verabredungen zum Suizid sind auch in der Prä-Internet-Ära bekannt und finden im klinischen Alltag auch ohne Nutzung des Internets statt. Aus dem klinischen Alltag wissen wir auch, dass viele Suizidale mit „in Griffweite“ zur Verfügung stehenden Suizidmitteln jahrelang weiterleben und dass der direkte Austausch über massive Suizidphantasien, -pläne und -impulse eine deutlich entlastende Wirkung haben kann.
Nach unserer Auffassung sollte eine präventive Arbeit nicht in Warnungen vor den Foren bestehen, sondern sich für die öffentliche Aufmerksamkeit und gesellschaftliche Enttabuisierung des Suizids und der Suizidalität einsetzen. Nach unserer Einschätzung haben Jugendliche bereits suizidale Gedanken, wenn sie Suizidforen aufsuchen, sie bekommen sie dort nicht erst. Die Aufklärung muss sich den Fragen widmen, dass es keine Schande ist, solche Gedanken zu haben, wie man damit umgehen kann, wie man dies bei anderen erkennen kann, und wie und wo man helfen kann. Die Nachfrage nach den Suizidforen und die aktuelle Berichterstattung darüber ist ein Symptom für die Hilflosigkeit der Gesellschaft im Umgang mit der Suizidalität ihrer Mitglieder, jedoch nicht die Ursache der Suizidalität.»
aufgewachter
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Re: Bundesprüfstelle listet DIGNITAS-Forum

Beitrag von aufgewachter »

Girlxxx hat geschrieben: Du sagst also, dass die Behörden sehr wohl um die suizidpräventive Wirkung wissen, solche Prävention aus Kostengründen ablehnen, aber um ihr tatsächliches Motiv zu verheimlichen und dennoch ihr Ziel zu erreichen,
eine gegenteilige Wirkung der Foren behaupten? Das scheint mir unglaubwürdig. Solchen Zynismus würde ich selbst diesen Behörden nicht unterstellen.
Ich unterstelle den Behörden noch ganz andere Schweinereien.
Girlxxx hat geschrieben: Zudem stünde es im Widerspruch zur generellen Haltung der deutschen Behörden bezüglich SH. Wäre ihre Intention tatsächlich Kostenminimierung durch Eliminierung wirtschaftlich unproduktiver Personen,
müssten sie die SH unterstützen (was zudem ja in Einklang stünde mit dem Willens der Mehrheit der Deutschen).

Suizidprävention und Sterbehilfe sollte man diesbezüglich nicht in einen Topf werfen.
Sterbehilfe wird von Todkranken oder Menschen gesucht, welchen das Leben mit den Folgen der Erkrankung nicht mehr als lebenswert erscheint.
Sie ist für die gesellschaftspolitischen Opfer garnicht vorgesehen.
Denn diese Opfer werden bewußt totgeschwiegen, aber duldend inkauf genommen. Suizid wird zunehmend von Menschen begangen,
welche durch die Behörden so in die Enge getrieben werden, daß es für sie der letzte Ausweg ist. Ich zähle mich übrigens als Kandidaten dieser Gruppe,
erlebe also momentan, wie sich das anfühlt. Der unaufhaltsame Abstieg, die damit verbundene Isolation bis hin zur Selbstaufgabe.
Seit drei Jahren bin ich am Rudern und Kämpfen, verliere aber zunehmend den Halt. Ich kann nachvollziehen, daß es sehr viele Menschen meiner Sorte gibt.
Peterchen
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Registriert: Freitag 30. Januar 2015, 13:02

Re: Bundesprüfstelle listet DIGNITAS-Forum

Beitrag von Peterchen »

aufgewachter hat geschrieben: Denn diese Opfer werden bewußt totgeschwiegen, aber duldend inkauf genommen. Suizid wird zunehmend von Menschen begangen,
welche durch die Behörden so in die Enge getrieben werden, daß es für sie der letzte Ausweg ist. Ich zähle mich übrigens als Kandidaten dieser Gruppe,
erlebe also momentan, wie sich das anfühlt. Der unaufhaltsame Abstieg, die damit verbundene Isolation bis hin zur Selbstaufgabe.
Seit drei Jahren bin ich am Rudern und Kämpfen, verliere aber zunehmend den Halt. Ich kann nachvollziehen, daß es sehr viele Menschen meiner Sorte gibt.
Ist doch schön, dass Müntefering, der die existenzvernichtende Hartz IV-Politik mitgetragen und mit den Worten "Wer nicht arbeitet soll auch nicht essen" beworben hat, sich in der letzten Zeit, seinem christlichen Gewissen folgend, so eifrig gegen Sterbehilfe engagiert :lol:
Zuletzt geändert von Peterchen am Freitag 3. Juli 2015, 18:36, insgesamt 1-mal geändert.
Girlxxx

Re: Bundesprüfstelle listet DIGNITAS-Forum

Beitrag von Girlxxx »

aufgewachter hat geschrieben:
Girlxxx hat geschrieben: Du sagst also, dass die Behörden sehr wohl um die suizidpräventive Wirkung wissen, solche Prävention aus Kostengründen ablehnen, aber um ihr tatsächliches Motiv zu verheimlichen und dennoch ihr Ziel zu erreichen,
eine gegenteilige Wirkung der Foren behaupten? Das scheint mir unglaubwürdig. Solchen Zynismus würde ich selbst diesen Behörden nicht unterstellen.
Ich unterstelle den Behörden noch ganz andere Schweinereien.
Na ja, das sind ganz andere Dimensionen. Systematisch den Suizid unproduktiver Elemente zu unterstützen/zu wollen ist ein ganz anderes Kaliber. Sorry, wer solches unterstellt, hat eine erhebliche Begründungslast zu erfüllen, denn das ist gleichrangig zu anderen Verschwörungstheorien. Oder wie stellst du dir das vor? Dass die entsprechenden Entscheidungsinstanzen hinter verschlossener Türe (analog zur Wannseekonferenz) folgenden Dialog führen: "Mein Vorschlag: da diese unproduktiven Elemente nur Geld kosten, ist jede Zunahme der Suizidrate unter diesen Parasiten wünschenswert. O.k., zugegeben, die Suizidrate müsste sehr erheblich ansteigen um überhaupt von Relevanz zu sein, aber dennoch...". "Sehr gute Idee, die Nazis haben es ja exemplarisch, wenn auch mit heute unmöglich anwendbaren Methoden, vorgemacht." Allgemeines Kopfnicken und Augurenlächeln. "Ein Ansatzpunkt, wäre der Verbot suizidpräventiver Foren. Ja, klar, auch diesbezüglich scheint der voraussehbare Ertrag kaum von Bedeutung, aber dennoch...". etc. etc. Zuletzt wird der Beschluss gefasst, solche Verbotsforderung zu beantragen.
Girlxxx hat geschrieben: Zudem stünde es im Widerspruch zur generellen Haltung der deutschen Behörden bezüglich SH. Wäre ihre Intention tatsächlich Kostenminimierung durch Eliminierung wirtschaftlich unproduktiver Personen,
müssten sie die SH unterstützen (was zudem ja in Einklang stünde mit dem Willens der Mehrheit der Deutschen).

Suizidprävention und Sterbehilfe sollte man diesbezüglich nicht in einen Topf werfen.
Sterbehilfe wird von Todkranken oder Menschen gesucht, welchen das Leben mit den Folgen der Erkrankung nicht mehr als lebenswert erscheint.
Sie ist für die gesellschaftspolitischen Opfer garnicht vorgesehen.
Denn diese Opfer werden bewußt totgeschwiegen, aber duldend inkauf genommen. Suizid wird zunehmend von Menschen begangen,
welche durch die Behörden so in die Enge getrieben werden, daß es für sie der letzte Ausweg ist. Ich zähle mich übrigens als Kandidaten dieser Gruppe,
erlebe also momentan, wie sich das anfühlt. Der unaufhaltsame Abstieg, die damit verbundene Isolation bis hin zur Selbstaufgabe.
Seit drei Jahren bin ich am Rudern und Kämpfen, verliere aber zunehmend den Halt. Ich kann nachvollziehen, daß es sehr viele Menschen meiner Sorte gibt.
Auch dieses Argument ist nicht stichhaltig. Wenn es um die reine wirtschaftliche bzw. finanzielle Nutzenmaximierung ginge, wie du unterstellst, wären alle SH-Formen relevant, wenn auch in unterschiedlichem Ausmass. Ob etwas vorgesehen ist oder nicht, oder ob der Tod von den Betroffenen gesucht wird oder nicht, ist dabei völlig ohne Belang (nicht ganz: es gibt schlicht keinen Grund in jenen Fällen ein Verbot aufzustellen, wo Betreffende selber sterben wollen. Dass dem aber so ist, spricht zu 100% gegen deine These. Suizid zu fördern und andere Formen von SH zu verbieten, ist absurd. Da musst du mir schon einen Grund nennen warum man so verfahren sollte). Zudem hat Deutschland mit der Harz IV-Regelung das Problem unproduktiver Personen ja schon `gut` im Griff, d.h. eine kostengünstig-inhumane Lösung gefunden. Des weiteren würde ich bezweifeln, dass eine mimime Zunahme der Suizidrate finanziell überhaupt eine Rolle spielen würde (ich vermute, dass da weit eher die anderen SH-Formen hier von Bedeutung wären). Zudem werden nur Beiträge aus dem Archiv beanstandet (und offensichtlich nicht suizidpräventive!), bei der von dir unterstellten Intention völlig unplausibel und unnütz, selbst wenn nur aus verschleierungstaktischen Gründen nur diese Stellen beanstandet würden (da Dignitas diese Stellen, auf die vermutlich eh kaum je jemand zugreift(?), unzugänglich machen könnte und damit die Begründung wegfiele).
Dass du unter deinen von den Behörden gestalteten Umständen leidest: das bezweifle ich nicht. Aber von dir auf ein generelles Wollen von Behörden gemäss deiner Vermutung zu schliessen ist schlicht abstrus.
Zuletzt geändert von Girlxxx am Freitag 3. Juli 2015, 18:19, insgesamt 1-mal geändert.
Girlxxx

Re: Bundesprüfstelle listet DIGNITAS-Forum

Beitrag von Girlxxx »

Peterchen hat geschrieben:
aufgewachter hat geschrieben:
Girlxxx hat geschrieben: Denn diese Opfer werden bewußt totgeschwiegen, aber duldend inkauf genommen. Suizid wird zunehmend von Menschen begangen,
welche durch die Behörden so in die Enge getrieben werden, daß es für sie der letzte Ausweg ist. Ich zähle mich übrigens als Kandidaten dieser Gruppe,
erlebe also momentan, wie sich das anfühlt. Der unaufhaltsame Abstieg, die damit verbundene Isolation bis hin zur Selbstaufgabe.
Seit drei Jahren bin ich am Rudern und Kämpfen, verliere aber zunehmend den Halt. Ich kann nachvollziehen, daß es sehr viele Menschen meiner Sorte gibt.
Ist doch schön, dass Müntefering, der die existenzvernichtende Hartz IV-Politik mitgetragen und mit den Worten "Wer nicht arbeitet soll auch nicht essen" beworben hat, sich in der letzten Zeit, seinem christlichen Gewissen folgend, so eifrig gegen Sterbehilfe engagiert :lol:
Künftig auf korrekte Zuordnung von Zitat und dessen Autor achten.
Girlxxx

Re: Bundesprüfstelle listet DIGNITAS-Forum

Beitrag von Girlxxx »

@Mediator: besten Dank, werde mich später dazu äussern.
Peterchen
Beiträge: 738
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Re: Bundesprüfstelle listet DIGNITAS-Forum

Beitrag von Peterchen »

Girlxxx hat geschrieben: Künftig auf korrekte Zuordnung von Zitat und dessen Autor achten.
Danke für den Hinweis. Auch wenn der Ton etwas freundlicher sein könnte.
Girlxxx

Re: Bundesprüfstelle listet DIGNITAS-Forum

Beitrag von Girlxxx »

Peterchen hat geschrieben:
Girlxxx hat geschrieben: Künftig auf korrekte Zuordnung von Zitat und dessen Autor achten.
Danke für den Hinweis. Auch wenn der Ton etwas freundlicher sein könnte.
Ja, ich weiss...
aufgewachter
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Re: Bundesprüfstelle listet DIGNITAS-Forum

Beitrag von aufgewachter »

Girlxxx hat geschrieben:Zudem hat Deutschland mit der Harz IV-Regelung das Problem unproduktiver Personen ja schon `gut` im Griff, d.h. eine kostengünstig-inhumane Lösung gefunden.
... und nimmt damit den Tod durch vollständigen Entzug der Existenzsicherung billigend inkauf. Was ist schmerzhafter, langsam verhungern oder schneller Suizid?
Girlxxx hat geschrieben: Systematisch den Suizid unproduktiver Elemente zu unterstützen/zu wollen ist ein ganz anderes Kaliber.
Abscheulich, wie Sie Erwerbslose bezeichnen ! :cry:

Für mich Grund genug, die Diskussion hier abzubrechen und Sie auf die Ignore-Liste zu setzen.
Peterchen
Beiträge: 738
Registriert: Freitag 30. Januar 2015, 13:02

Re: Bundesprüfstelle listet DIGNITAS-Forum

Beitrag von Peterchen »

aufgewachter hat geschrieben:
Girlxxx hat geschrieben:Zudem hat Deutschland mit der Harz IV-Regelung das Problem unproduktiver Personen ja schon `gut` im Griff, d.h. eine kostengünstig-inhumane Lösung gefunden.
... und nimmt damit den Tod durch vollständigen Entzug der Existenzsicherung billigend inkauf. Was ist schmerzhafter, langsam verhungern oder schneller Suizid?
Das witzige ist ja: Wenn du mit Suizid drohst, hast du gute Chancen auf Vollpension in der Psychiatrie für 6000 euro im Monat :lol:

Man sch.... darauf, wie es dir geht, aber dass du am Leben bleibst, darauf legt man schon wert, und lässt es sich notfalls auch etwas kosten. Denn für den Staat wäre es nicht vorteilhaft, wenn das Dogma von der Alternativlosigkeit des Lebens angekratzt würde.
Gesperrt