Psychiatrische Patientenverfügung

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chris84

Psychiatrische Patientenverfügung

Beitrag von chris84 »

Es gibt ja hier in Deutschland neben der normalen Patientenverfügung (die ich ebenfalls besitze) auch eine psychiatrische Patverfü. Diese ist dazu gedacht um sich vor psychiatrischen Zwangsbehandlungen und Diagnosen zu schützen. Also wenn ein Psychiater jemanden als krank bezeichnet, so kann man ihm mit Hilfe dieser Verfügung das verbieten und ihn sogar wegen Diffamierung verklagen.
Soweit die Theorie. Aber wie sieht es in der Praxis aus? Die Gründe für meine Frage sind folgende:
Zwar hatte ich noch nie was mit Psychiatrien zu tun, aber jeder kann dort mal landen, egal aus welchen Gründen. Deswegen hab ich mir vor zwei Jahren auch eine zugelegt und auch beim Notarregister eintragen lassen. Zusätzlich habe ich noch ein Attest vom Hausarzt beigefügt, welches meine geistige Zurechnungsfähigkeit bescheinigt. Rechtlich also abgesichert sollte man meinen.
Jedenfalls hatte ich vor einiger Zeit das „Vergnügen“ mit zwei Typen vom sozialpsychiatrischen Dienst, da meine Pläne für einen früheren Suizidversuch zufällig aufgeflogen sind. Natürlich hab ich erst mal alles abgestritten. Ich konnte auch grade noch mögliche Beweise die auf einen geplanten Suizid hindeuten (wie Abschiedsbriefe) verschwinden lassen. Es folgten dann Sprüche wie „Sie müssen uns jetzt was sagen, ansonsten müssen wir sie mitnehmen“. Ich habe die dann auf meine psychiatrische Patverf. hingewiesen. Natürlich haben die meine Verfügung arrogant ignoriert. Sie meinten, dass ihr komisches Psychisch-Kranken-Gesetz mehr Gewicht hätte und meine Verfügung damit unrelevant wäre. Stimmt das wirklich? Kann auch sein, dass sie mir damit nur Angst machen wollten. Das Ganze endete mit einem Patt. Zwar haben die mir nicht geglaubt, aber sie konnten mir auch keine Suizidgefährdung direkt nachweisen. So konnte ich die beiden zwar abwimmeln, trotzdem hat mich das Erlebnis noch längere Zeit beschäftigt.
Suizidgefährdung hin oder her, was die beiden sich mir gegenüber erlaubt haben grenzte für mich schon an Nötigung. Nicht nur die Androhung mich in die Klapse zu stecken, die haben auch noch versucht bei meiner Ex-Psychologin rumzuschnüffeln, obwohl ich denen das untersagt hatte. Also von Privatsphäre, Datenschutz und ärztlicher Schweigepflicht haben die nicht viel gehalten. Zum Glück hatte meine Ex-Psychologin denen auch nichts gesagt.
Ständig haben die versucht mich mit irgendwelchen Androhungen zum reden zu bringen. „Wir finden schon irgendwas über Sie raus“, so ging das die ganze Zeit. Auch haben sie immer wieder versucht mich in irgendwelche Diskussionen zu verwickeln in der Hoffnung dass mir irgendwas raus rutscht. Das war alles an Arroganz und Dreistigkeit nicht mehr zu toppen.
Jetzt stellt sich mir die Frage, kann mich eine psychiatrische Patverf. wirklich vor solchen Typen schützen? War das überhaupt rechtens was die da abgezogen haben? Wenn die es jetzt wirklich darauf angelegt hätten und eine Zwangseinweisung angeordnet hätten, hätte mir meine Verfügung dann noch irgendwas gebracht? Oder wäre ich dann den ganzen Psychiatern hilflos ausgeliefert gewesen?
Und zweite Frage, nehmen wir mal an man wird nach einem Suizidversuch zu früh aufgefunden und landet mit einen richterlichen Beschluss in der Klapse. Die Abschiedsbriefe werden auch gefunden, so dass eindeutige Beweise auf eine Suizidgefährdung vorhanden sind. Kann man sich dann überhaupt noch gegenüber einer Zwangsbehandlung mit Hilfe der Verfügung zur Wehr setzten?
Gibt es denn hier jemanden der die psych. Patverf. ebenfalls hat?
Sternenwesen
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Registriert: Dienstag 2. Juni 2015, 10:34

Re: Psychiatrische Patientenverfügung

Beitrag von Sternenwesen »

Dazu hab ich, ohne deinen wertvollen thread dazu zu kennen, in einer anderen Rubrik just Stellung genommen - eine solche Verfügung hab ich meinem damaligen Thera ausgestellt, auch, um ihn abzusichern.
Ich halte sonst nichts von Patientenverfügungen (doch das ist nun ein anderes Thema), aber DIESE hier, die scheint mir sehr sinnvoll. Danke für den Beitrag!
chris84

Re: Psychiatrische Patientenverfügung

Beitrag von chris84 »

Für alle die diese Verfügung noch nicht kennen, auf der folgenden Homepage ist sie zu finden, da kann man sich auch gleich kostenlos das Formular runterladen. Ich weiß allerdings nicht, ob es diese Verfügung auch in Österreich und Schweiz gibt.

http://www.patverfue.de/formular
glycerine
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Registriert: Mittwoch 9. Mai 2012, 16:13

Re: Psychiatrische Patientenverfügung

Beitrag von glycerine »

Ich kenne eine Frau die hat sich im Wahn eine Hand abgeschnitten, so eine Verfügung ist nicht immer klug.
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