Was geschieht, wenn ich Hilfe bein Arzt / KH suche?

Praktische Erlebnisberichte und Hilfestellungen aus der Foren-Community; erfolgreiche und gescheiterte Therapien; Erfahrungen mit Psychotherapien und Therapeuten

Moderatoren: Ludwig A. Minelli, Mediator

oktober2012
Beiträge: 14
Registriert: Sonntag 21. Oktober 2012, 10:58
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Was geschieht, wenn ich Hilfe bein Arzt / KH suche?

Beitrag von oktober2012 »

Auf allen Beipackzetteln der Antidepressiva, die ich bisher nahm, steht sinngemäß, dass man im Falle von unzulässiges Wort sofort den Arzt oder ein Krankenhaus aufsuchen soll. Nur was passiert dann mit mir, wenn ich dem Arzt sage: "Ich stehe vor dem Suizid, ich kann nicht mehr - bitte helfen Sie mir!"? Beginnt dann ein Automatismus, den ich selbst nicht mehr aufhalten kann? Klapse, Zwangsbetreuung ... . Gibt es eine Mindestwegsperrdauer für unzulässiges Wort?

Leider bin ich noch zu feige, meinen eigentlichen Wunsch durchzuziehen, so dass dieser "Notruf" mir irgendwie als Rettungsanker aus dem unerträglichen Alltag erschien - so blöd das vielleicht klingen mag.
Windsbraut
Beiträge: 34
Registriert: Dienstag 16. Oktober 2012, 18:05

Re: Was geschieht, wenn ich Hilfe bein Arzt / KH suche?

Beitrag von Windsbraut »

Hallo oktober2012!

Das ist von Arzt zu Arzt und Krankenhaus zu Krankenhaus unterschiedlich. Meiner Erfahrung nach wird ein Psychiater mit dir ein Gespräch führen, in dem abgeklärt wird, ob du paktfähig bist (soll heißen, ob du versprechen kannst, dass du dir z.B. bis morgen früh nichts antun wirst). Solltest du das nicht sein, dann wird man dich auf eine geschlossene Station bringen. Das heißt, du musst so lange auf dieser Station bleiben, bis die Ärzte befinden, dass du wieder "zurechnungsfähig" bist und dir und deiner Umwelt keinen Schaden antun wirst. Bei uns bekommst du nach spätestens drei Tagen Besuch von einem Patientenanwalt, der abklärt, ob der Aufenthalt in deinem Interesse ist oder ob er etwas machen kann, soll, dass du entlassen wirst.
Gibt es eine Mindestwegsperrdauer für unzulässiges Wort?
Nein, das denke ich nicht. Wenn du am nächsten Tag wieder so quietschfidel bist, dann denke ich, dass dich die Ärzte theoretisch entlassen können, aber das wird in der Praxis wohl kaum passieren, weil sich die Ärzte auch rechtlich absichern müssen.
so blöd das vielleicht klingen mag
Für mich klingt das nicht blöd, manchen Leuten wird dort offenbar geholfen. Ohne dir Angst einjagen zu wollen: Geschlossene Stationen sind in der Regel nicht gerade angenehm. Das Personal ist überlastet, die Stationen teilweise überfüllt, oft wirst du nur mit Medikamenten ruhig gestellt, du hast keine/kaum Freiheiten. Vielleicht wäre es eine Lösung einen stationären Aufenthalt in einer "normalen", offenen Klinik/Station anzuversieren. Dort gibt es oft auch Therapieangebote, etc.

LG und baldige Besserung deiner Situation wünscht,

Windsbraut
Seelenschmerz
Beiträge: 401
Registriert: Montag 28. Dezember 2009, 16:35

Re: Was geschieht, wenn ich Hilfe bein Arzt / KH suche?

Beitrag von Seelenschmerz »

Man kann und will dich deshalb nicht monatelang wegsperren, mit Medis vollpumpen und entmündigen..
Ich würde im Notfall erstmal nach diesem Anker greifen. Schluss machen kann man immer noch, wenn man alles versucht hat.

Liebe Grüße
glycerine
Beiträge: 951
Registriert: Mittwoch 9. Mai 2012, 16:13

Re: Was geschieht, wenn ich Hilfe bein Arzt / KH suche?

Beitrag von glycerine »

Ich war schon öfters in der Notfallambulanz, sie haben mich nie weggesperrt, also es kommt immer darauf an was man denen sagt. Ich sagte schon, dass ich an unzulässiges Wort denke, aber nie, dass ich in Gefahr bin es wirklich zu tun.
glycerine
Beiträge: 951
Registriert: Mittwoch 9. Mai 2012, 16:13

Re: Was geschieht, wenn ich Hilfe bein Arzt / KH suche?

Beitrag von glycerine »

Bei mir sagten sie meistens, sie könnten einen Platz für mich finden, aber wenn
ich erst Mal ein paar Valium einpfeife, dann könnte ich ja noch eine Weile ohne auskommen.
Wenn man Medikamente nimmt oder nahm, dann empfehlen sie oft auch
die gleichen einfach zu erhöhen.

Oder sonstige Benzos.
Mit einem Benzo bin ich schon öfter
einen Tag lang so gleichgültig, dass ich erst Mal abwarte.

Mothers little helper
Tavor fürs Volk
Hihi
Programmer
Beiträge: 35
Registriert: Samstag 8. September 2018, 18:01

Re: Was geschieht, wenn ich Hilfe bein Arzt / KH suche?

Beitrag von Programmer »

glycerine hat geschrieben:Bei mir sagten sie meistens, sie könnten einen Platz für mich finden, aber wenn
ich erst Mal ein paar Valium einpfeife, dann könnte ich ja noch eine Weile ohne auskommen.
Wenn man Medikamente nimmt oder nahm, dann empfehlen sie oft auch
die gleichen einfach zu erhöhen.

Oder sonstige Benzos.
Mit einem Benzo bin ich schon öfter
einen Tag lang so gleichgültig, dass ich erst Mal abwarte.

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No good idea lol
Starless Aeon
Beiträge: 48
Registriert: Samstag 29. September 2018, 15:08

Re: Was geschieht, wenn ich Hilfe bein Arzt / KH suche?

Beitrag von Starless Aeon »

oktober2012 hat geschrieben:Auf allen Beipackzetteln der Antidepressiva, die ich bisher nahm, steht sinngemäß, dass man im Falle von unzulässiges Wort sofort den Arzt oder ein Krankenhaus aufsuchen soll. Nur was passiert dann mit mir, wenn ich dem Arzt sage: "Ich stehe vor dem Suizid, ich kann nicht mehr - bitte helfen Sie mir!"? Beginnt dann ein Automatismus, den ich selbst nicht mehr aufhalten kann? Klapse, Zwangsbetreuung ... . Gibt es eine Mindestwegsperrdauer für unzulässiges Wort?

Leider bin ich noch zu feige, meinen eigentlichen Wunsch durchzuziehen, so dass dieser "Notruf" mir irgendwie als Rettungsanker aus dem unerträglichen Alltag erschien - so blöd das vielleicht klingen mag.
Bei mir war es auch immer so, dass ich erst dann eine Therapie gemacht habe, wenn ich absolut keinen anderen Weg mehr gesehen habe. Also entweder Suizid oder Therapie. Ich hab das dann aber immer auf dem normalen Weg geregelt, also nicht über Notaufnahme, geschlossene Station und sowas, da habe ich schon zu viele Horrorgeschichten gehört von unsäglichen hygienischen Bedingungen, Überbelegung, Gewalt etc. Da ist man eventuell hinterher traumatisierter als vorher. Ich würde immer eine normale Klinik aufsuchen, wenn man die etwa vier bis sechs Wochen Wartezeit aushalten kann natürlich.
Hurlinger
Beiträge: 148
Registriert: Donnerstag 19. Oktober 2017, 19:41

Re: Was geschieht, wenn ich Hilfe bein Arzt / KH suche?

Beitrag von Hurlinger »

Starless Aeon hat geschrieben: Ich würde immer eine normale Klinik aufsuchen, wenn man die etwa vier bis sechs Wochen Wartezeit aushalten kann natürlich.
Wie darf man das denn verstehen?
Was ist in deinen Augen eine "normale Klinik?"
Psycho-Somatische mit Kurcharakter?
Wenn das Fass voll ist gibt es oft nur den Weg über Akut-Kliniken, und das sind nicht unbedingt die schönsten Orte dieser Erde.
Außerdem sind nicht alle für einen Aufenthalt in einem "Streichelzoo" versichert.
Gruß
Hurlinger
Erloesung
Beiträge: 281
Registriert: Montag 26. Januar 2009, 00:00

Re: Was geschieht, wenn ich Hilfe bein Arzt / KH suche?

Beitrag von Erloesung »

Hurlinger hat geschrieben:
Starless Aeon hat geschrieben: Ich würde immer eine normale Klinik aufsuchen, wenn man die etwa vier bis sechs Wochen Wartezeit aushalten kann natürlich.
Wie darf man das denn verstehen?
Was ist in deinen Augen eine "normale Klinik?"
Psycho-Somatische mit Kurcharakter?
Wenn das Fass voll ist gibt es oft nur den Weg über Akut-Kliniken, und das sind nicht unbedingt die schönsten Orte dieser Erde.
Außerdem sind nicht alle für einen Aufenthalt in einem "Streichelzoo" versichert.
Gruß
Hurlinger
Ich denke mal, er meint offene Stationen mit Therapie-Programm.

Ich war vor vielen Jahren mal auf einer. Da wird halt von 8 Uhr bis 15 Uhr Therapie gemacht (mit Pausen natürlich). Darauffolgend war ich auch noch auf einer weiteren Station, die sowas wie eine Wohngruppe war. Aber das Therapie-Programm war das selbe wie auf der anderen. Soweit meine Erinnerungen reichen, war das glaub ich eine Station extra für Depression, aber war halt Langzeittherapie, also mind. 6 Wochen.
Starless Aeon
Beiträge: 48
Registriert: Samstag 29. September 2018, 15:08

Re: Was geschieht, wenn ich Hilfe bein Arzt / KH suche?

Beitrag von Starless Aeon »

Erloesung hat geschrieben:
Hurlinger hat geschrieben:
Starless Aeon hat geschrieben: Ich würde immer eine normale Klinik aufsuchen, wenn man die etwa vier bis sechs Wochen Wartezeit aushalten kann natürlich.
Wie darf man das denn verstehen?
Was ist in deinen Augen eine "normale Klinik?"
Psycho-Somatische mit Kurcharakter?
Wenn das Fass voll ist gibt es oft nur den Weg über Akut-Kliniken, und das sind nicht unbedingt die schönsten Orte dieser Erde.
Außerdem sind nicht alle für einen Aufenthalt in einem "Streichelzoo" versichert.
Gruß
Hurlinger
Ich denke mal, er meint offene Stationen mit Therapie-Programm.
Genau.
Verloren
Beiträge: 83
Registriert: Samstag 14. Juli 2018, 15:40

Re: Was geschieht, wenn ich Hilfe bein Arzt / KH suche?

Beitrag von Verloren »

Ich musste bei psychischen Krankheiten leider feststellen, dass die Leute, denen es am schlechtesten geht, die schlechteste professionelle Hilfe bekommen. Wer hat die Kraft sich um die ganzen Formalien, die Therapeutensuche, etc. zu kümmern? Die Akut Klinken (war selbst nur in nicht Akut-Kliniken) bieten anscheinend ein viel schlechteres Therapieangebot als andere Kliniken. Also eher Fixierung und Medikamente. Haben mir einige Mitpatienten berichtet. Auch gibt es für Leute, denen es etwas besser geht, viel mehr Hilfsangebote. Das System ist ungerecht.
Die meiner Meinung nach besten Klinken sind Privatkliniken. Teilweise bis zu 10 Stunden Einzepsycholtherapie. Davon können die Leute in den anderen Kliniken nur träumen. Wer Geld hat ist also klar im Vorteil.
Programmer
Beiträge: 35
Registriert: Samstag 8. September 2018, 18:01

Re: Was geschieht, wenn ich Hilfe bein Arzt / KH suche?

Beitrag von Programmer »

Verloren hat geschrieben:Ich musste bei psychischen Krankheiten leider feststellen, dass die Leute, denen es am schlechtesten geht, die schlechteste professionelle Hilfe bekommen. Wer hat die Kraft sich um die ganzen Formalien, die Therapeutensuche, etc. zu kümmern? Die Akut Klinken (war selbst nur in nicht Akut-Kliniken) bieten anscheinend ein viel schlechteres Therapieangebot als andere Kliniken. Also eher Fixierung und Medikamente. Haben mir einige Mitpatienten berichtet. Auch gibt es für Leute, denen es etwas besser geht, viel mehr Hilfsangebote. Das System ist ungerecht.
Die meiner Meinung nach besten Klinken sind Privatkliniken. Teilweise bis zu 10 Stunden Einzepsycholtherapie. Davon können die Leute in den anderen Kliniken nur träumen. Wer Geld hat ist also klar im Vorteil.
+1


Vorallem wenn man depressiv und drogenabhängig (sehr häufige Kombi, meist auch Grund für Drogensucht) wird man als „krimineller“ in irgendeine Therapie geschickt wo man von vornherein verurteilt wird und runtergemacht wird. Bestes Beispiel ist hier das Synanonspiel, wo die „Therapeuten“ die Süchtigen zwingen sich gegenseitig zu beleidigen was für dreckige fixer sie doch wären um zu „beweisen“ was für eine schlechte Sorte wir sind.
Starless Aeon
Beiträge: 48
Registriert: Samstag 29. September 2018, 15:08

Re: Was geschieht, wenn ich Hilfe bein Arzt / KH suche?

Beitrag von Starless Aeon »

Verloren hat geschrieben:Ich musste bei psychischen Krankheiten leider feststellen, dass die Leute, denen es am schlechtesten geht, die schlechteste professionelle Hilfe bekommen. Wer hat die Kraft sich um die ganzen Formalien, die Therapeutensuche, etc. zu kümmern? Die Akut Klinken (war selbst nur in nicht Akut-Kliniken) bieten anscheinend ein viel schlechteres Therapieangebot als andere Kliniken. Also eher Fixierung und Medikamente. Haben mir einige Mitpatienten berichtet. Auch gibt es für Leute, denen es etwas besser geht, viel mehr Hilfsangebote. Das System ist ungerecht.
Man muss aber fairerweise dazu sagen, dass zum Beispiel jemand mit einer akuten Psychose oder einer schweren Schizophrenie gar nicht in der Lage wäre an den therapeutischen Angeboten etwa einer psychosomatischen Klinik teilzunehmen. So jemand müsste tatsächlich erst mal medikamentös behandelt werden, bevor Gespräche und Gruppentherapien Sinn machen.
Programmer
Beiträge: 35
Registriert: Samstag 8. September 2018, 18:01

Re: Was geschieht, wenn ich Hilfe bein Arzt / KH suche?

Beitrag von Programmer »

Starless Aeon hat geschrieben:
Verloren hat geschrieben:Ich musste bei psychischen Krankheiten leider feststellen, dass die Leute, denen es am schlechtesten geht, die schlechteste professionelle Hilfe bekommen. Wer hat die Kraft sich um die ganzen Formalien, die Therapeutensuche, etc. zu kümmern? Die Akut Klinken (war selbst nur in nicht Akut-Kliniken) bieten anscheinend ein viel schlechteres Therapieangebot als andere Kliniken. Also eher Fixierung und Medikamente. Haben mir einige Mitpatienten berichtet. Auch gibt es für Leute, denen es etwas besser geht, viel mehr Hilfsangebote. Das System ist ungerecht.
Man muss aber fairerweise dazu sagen, dass zum Beispiel jemand mit einer akuten Psychose oder einer schweren Schizophrenie gar nicht in der Lage wäre an den therapeutischen Angeboten etwa einer psychosomatischen Klinik teilzunehmen. So jemand müsste tatsächlich erst mal medikamentös behandelt werden, bevor Gespräche und Gruppentherapien Sinn machen.
Stellt sich nur die Frage, mit welchen Medikamenten, wenn dieser auch sowieso schon depressiv ist, werden die häufig genutzten NL seinen restlichen Willen zerstören und in einem willenlosen Zustand ergeben Gespräche und Gruppentherapien reichlich wenig Sinn.
Peterchen
Beiträge: 738
Registriert: Freitag 30. Januar 2015, 13:02

Re: Was geschieht, wenn ich Hilfe bein Arzt / KH suche?

Beitrag von Peterchen »

Wer beim Arzt über Suizidgedanken klagt, aber sich von der Ausführung distanziert, der wird vermutlich nicht eingewiesen. Wer mit hysterischem Tonfall sagt, dass er "vorm Suizid" steht, vermutlich schon.

Vielleicht sollte man sich vorher überlegen, was man vom Arzt will. Wenn man das Medikament wechseln möchte, dann muss man keinen Suizid ankündigen. Will man vorübergehend in eine offene Klinik, dann muss man auch keinen Suizid ankündigen. Da genügt es, von einer plötzlichen Verschlimmerung der Depression zu sprechen.

So wie unsere Gesellschaft gebaut ist, wüsste ich keine Situation, in der es vernünftig wäre, einen Arzt über konkrete (!) Suizidgedanken in Kenntnis zu setzen. Außer man hat selbst Angst, dass man es quasi versehentlich durchzieht und möchte in eine geschlossene Anstalt.
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